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US‑National Defense Strategy 2026: Schwerpunkt Heimatverteidigung, Burden‑Sharing und neuer 5‑%‑BIP‑Benchmark

US‑National Defense Strategy 2026: Schwerpunkt Heimatverteidigung, Burden‑Sharing und neuer 5‑%‑BIP‑Benchmark

24. Januar 2026 von Dr. Lena Hoffmann

Die im Januar 2026 veröffentlichte, unklassifizierte Version der US-National Defense Strategy (NDS) markiert einen deutlichen Richtungswechsel in der amerikanischen Militärpolitik. Unter dem Einfluss des Trump-Amtes rückt die Verteidigung des Heimatbodens in den Vordergrund, während die Priorität im Indo-Pazifik abnimmt. Gleichzeitig werden stärkere Lastenteilungen von Alliierten gefordert und ein ambitionierter 5-%-BIP-Benchmark für die NATO-Verteidigungsausgaben eingeführt. Dieser Artikel fasst die wesentlichen Inhalte der NDS zusammen, vergleicht sie mit der Vorgängerversion von 2022 und beleuchtet die potenziellen Folgen für Partner und die globale Sicherheitsarchitektur.

Priorität 1: Heimatverteidigung über alles

Die NDS definiert die Verteidigung des US-Heimatbodens als oberste Priorität. Dies umfasst den Schutz der Luft, des Luftraums und kritischer Infrastrukturen sowie die Sicherung von Schlüsselgebieten in der westlichen Hemisphäre. Das Dokument betont, dass die USA ihre Anstrengungen darauf konzentrieren, „die Heimat zu verteidigen und den Zugang zu Schlüsselterrain im gesamten Gebiet zu sichern“.

„As President Trump has said, the U.S. military’s foremost priority is to defend the U.S. Homeland.“ – National Defense Strategy 2026

Ein zentrales Element ist das sogenannte „Golden Dome“ – ein next-generation-Raketenabwehrsystem, das zusammen mit einer verstärkten Anti-Drohnen-Strategie und einer modernisierten nuklearen Abschreckung die Heimatschutz-Kapazitäten erweitern soll (Breaking Defense, 2026).

Priorität 2: Deeskalierende Diplomatie im Indo-Pazifik

Im Gegensatz zu früheren Versionen, die China als „pacing challenge“ bezeichneten, spricht die 2026-NDS von „respectful relations“ und einer „de-escalating diplomacy“. Der Fokus liegt auf einer „denial defense“ entlang der First Island Chain, jedoch ohne explizite Nennung Taiwans.

„President Trump has made clear his desire for a decent peace in the Indo-Pacific, where trade flows openly and fairly, we can all prosper, and our interests are respected.“ – National Defense Strategy 2026

Der strategische Wandel spiegelt die Trump-Administration wider, die laut Politico (23.01.2026) die Rhetorik gegenüber China mildert, um Handelsinteressen zu schützen.

Priorität 3: Burden Sharing und der 5-%-BIP-Benchmark

Ein zentrales Signal an die Verbündeten ist die Forderung nach stärkerer Lastenteilung. Der NDS fordert, dass NATO-Partner mindestens 5 % ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung ausgeben – ein Ziel, das beim NATO-Hague-Summit 2026 vereinbart wurde (Anadolu Ajansı, 2026). Diese Vorgabe soll insbesondere Europa und Südkorea dazu bewegen, primäre Verantwortung in ihren jeweiligen Regionen zu übernehmen.

  • Europa: Erwartet, Russland konventionell zu begegnen und die Ukraine-Verteidigung zu leiten.
  • Südkorea: Soll Nordkorea mit „critical but limited“ US-Unterstützung eigenständig abschrecken.

Die NDS betont, dass diese Umverteilung der Verantwortung es den USA ermöglicht, Ressourcen für andere Prioritäten freizusetzen, was potenziell zu Truppenreduktionen in Europa und Südkorea führen könnte.

Priorität 4: Supercharging der Defense Industrial Base

Im Vergleich zur 2022-Version, in der das „defense industrial base“ nur achtmal erwähnt wurde, rückt die Industrie in den Vordergrund. Die NDS beschreibt die Notwendigkeit, die industrielle Basis zu „mobilisieren, erneuern und sichern“, um sie für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu rüsten.

  • Ausbau von nicht-traditionellen Lieferanten.
  • Reshoring von Schlüsseltechnologien.
  • Enge Zusammenarbeit mit Kongress, Verbündeten und anderen Bundesbehörden.

Die Strategie sieht vor, die industrielle Basis als Fundament für alle anderen strategischen Pfeiler zu nutzen.

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Monroe-Doktrin-Revival und Fokus auf die westliche Hemisphäre

Ein überraschendes Element der NDS ist die Rückbesinnung auf die Monroe-Doktrin. Das Dokument erklärt, dass die USA ihre militärischen und kommerziellen Zugangsrechte zu Schlüsselterrain wie dem Panamakanal, dem Golf von Amerika und Grönland sichern wollen. Grönland wird fünfmal erwähnt, was die strategische Bedeutung des arktischen Raums unterstreicht.

„We will guarantee U.S. military and commercial access to key terrain, especially the Panama Canal, Gulf of America, and Greenland.“ – National Defense Strategy 2026

Dieser Fokus könnte jedoch bei lateinamerikanischen Partnern Besorgnis auslösen, da er als erneuter Druck auf die Region interpretiert werden könnte.

Vergleich zur NDS 2022 – Rhetorische und strukturelle Unterschiede

Die 2022-Version unter der Biden-Administration stellte China als „pacing challenge“ und Russland als akute Bedrohung dar. Klima wurde als Sicherheitsrisiko benannt. In der 2026-Version wird China weniger aggressiv dargestellt, Russland als „persistent but manageable“ eingestuft und Klima komplett weggelassen. Zudem wird der Präsident Trump in der neuen PDF 47-mal genannt, während Präsident Biden nur zweimal in der Vorgängerversion auftaucht.

  • China: von „pacing challenge“ zu „respectful relations“.
  • Russland: von akuter Bedrohung zu „persistent but manageable“.
  • Klima: fehlt komplett.
  • Taiwan: keine Erwähnung.

Diese Änderungen spiegeln die veränderten politischen Prioritäten der Trump-Administration wider und signalisieren eine Abkehr von der vorherigen „great-power competition“-Rhetorik.

Implikationen für Alliierte und regionale Stabilität

Die Abschwächung der China-Rhetorik und das Fehlen von Taiwan in der NDS könnten Unsicherheit bei Indo-Pazifik-Partnern hervorrufen. Gleichzeitig könnte der neue 5-%-BIP-Standard Druck auf europäische und koreanische Regierungen ausüben, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Die Betonung der Monroe-Doktrin könnte in Lateinamerika zu diplomatischen Spannungen führen, obwohl die Strategie von „good faith“ mit Nachbarn spricht.

Insgesamt stellt die NDS 2026 einen strategischen Kurswechsel dar, der die USA stärker auf die Heimat und die westliche Hemisphäre ausrichtet, während sie gleichzeitig ihre Allianzen zu mehr Eigenverantwortung drängt.

Quellen

  • https://www.politico.com/news/2026/01/23/pentagon-no-longer-views-china-threat-as-top-priority
  • https://www.anadoluagency.com/2026/01/pentagon-releases-2026-national-defense-strategy

Fazit

Die National Defense Strategy 2026 legt den Schwerpunkt eindeutig auf die Verteidigung des amerikanischen Heimatbodens, reduziert die Betonung der China-Bedrohung und fordert von Verbündeten ein deutlich höheres finanzielles Engagement. Der neu eingeführte 5-%-BIP-Benchmark und das revanchierte Monroe-Doctrine-Konzept markieren zentrale Hebel für die zukünftige Lastenteilung. Während diese Ausrichtung die US-Militärpräsenz in Europa und Südkorea potenziell verringern könnte, birgt sie gleichzeitig das Risiko, regionale Partner zu verunsichern – insbesondere in Bezug auf Taiwan und die Indo-Pazifik-Stabilität. Die kommenden Monate werden zeigen, wie stark die angekündigten Veränderungen in der Praxis umgesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf die globale Sicherheitsarchitektur haben werden.

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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