Zum Inhalt springen

Indra präsentiert 4D-AESA-Radar PRISMA-S auf Euronaval 2026

Auf der Euronaval 2026 stellte Indra das volldigitale 4D-AESA-Marine-Radar PRISMA-S vor und demonstrierte dessen Vernetzung über die Combat-Cloud NIMBUS im NATO-Manöver REPMUS 26.

3 Min. Lesezeit

Zieldimensionen4SensortechnologieAESAUAV-Gewichtsklasse TARSIS< 150 kgAuftragsbestand Indra Group22 Mrd. EUR

Funktionsweise des 4D-AESA-Radars PRISMA-S

Das PRISMA-S Radar nutzt eine vollständig digitale Active Electronically Scanned Array-Technologie (AESA) mit adaptiver Digitalstrahlformung. Es erfasst gleichzeitig Azimut, Elevation, Distanz und die Doppler-Radialgeschwindigkeit jedes Zieles in Echtzeit (Indra 2026). Die sofortige Messung der Geschwindigkeit stellt die vierte Dimension dar und ermöglicht eine verzögerungsfreie Klassifizierung von Hyperschall-, Marschflug- oder tieffliegenden Drohnenbedrohungen.

Vorteile gegenüber herkömmlichen 3D-Radarsystemen

Konventionelle 3D-Sensoren bestimmen Kurs und Entfernung erst über mehrfache Antennenumläufe und nachträgliche “Track-while-Scan”-Algorithmen. Das 4D-System liefert die Zielgeschwindigkeit bereits bei der ersten Signalreflexion, reduziert damit Reaktionszeiten der schiffseigenen Flugabwehr und erhöht die Resilienz gegen elektronische Gegenmaßnahmen (ECM) durch adaptive Strahlformung.

  • Echtzeit-Geschwindigkeitsmessung: sofortige Doppler-Daten ohne nachgelagerte Berechnung.
  • Verkürzte Reaktionszeiten: schnellere Zielzuweisung gegenüber agilen Flugkörpern und Drohnenschwärmen.
  • Hohe ECM-Resistenz: digitale Strahlformung passt sich Störsignalen an.

Demonstration der Combat Cloud NIMBUS beim NATO-Manöver REPMUS 26

Im Rahmen des multinationalen NATO-Großmanövers REPMUS 26 vor der portugiesischen Küste vernetzte Indra die Combat-Cloud NIMBUS mit unbemannten Überwassereinheiten (USVs) und dem Starrflügler-UAV TARSIS. Ziel war der Echtzeit-Datenaustausch zwischen Führungsstellen in Spanien und Portugal. Die Sensoren, bemannte Kriegsschiffe und USVs synchronisierten Zieldaten ohne Zeitverzug, wodurch ein lückenloses Lagebild entstand (Indra Defence & Security 2026).

  • Demonstrationsrahmen: REPMUS 26, NATO-Manöver 2026.
  • Plattformen: Klasse-I-UAV, USVs und das UAV TARSIS (< 150 kg).
  • Ergebnis: Echtzeit-Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Indras erweiterte Marine- und Unterwasserfähigkeiten

Parallel zum Radar präsentiert Indra seine Unterwasser-Sensoren: das Navigationsradar iKeeper-iS20 mit Low-Probability-of-Intercept-Modi, das Satellitenkommunikationssystem TSUB-40 (X, Ka, Ku-Band) und das elektronische Kampfführungssystem PEGASO NG. Zudem übernimmt das IFF-System die Freund-Feind-Erkennung. Durch die vollständige Übernahme von Dares Technology (100 % Anteil) kann Indra künftig kompakte Synthetic-Aperture-Radar-Varianten in unbemannte Trägerplattformen integrieren und so das maritime Lagebild bei jedem Wetter verbessern (Indra Investor Relations 2026).

Risiken und Gegenargumente

  • Integrations- und InteroperabilitätshürdenWährend Indra NIMBUS als offene Architektur bietet, setzen andere Marinen bereits etablierte Führungs- und Waffensysteme (Navantia SCOMBA, Thales TACTICOS, Saab 9LV) ein. Standardisierte Schnittstellen nach NATO-Kriterien wie STANAG 4817 sind notwendig, um Vendor-Lock-in zu vermeiden.
  • Bandbreiten- und Latenzengpässe im elektronisch gestörten UmfeldDie Echtzeit-Vernetzung über die Combat-Cloud erfordert robuste, abhörsichere Datenlinks. In Szenarien mit intensiver feindlicher Jamming-Aktivität drohen Datenabbrüche, weshalb Edge-Computing auf den einzelnen Plattformen unverzichtbar bleibt.

Schnellüberblick

Was unterscheidet ein 4D-AESA-Radar von herkömmlichen Marine-Überwachungsradaren?

Ein 4D-Radar erfasst zusätzlich zu Raumwinkel und Entfernung simultan die Doppler-Geschwindigkeit des Objekts in Echtzeit. Dadurch entfällt die Verzögerung klassischer Track-Berechnungen, was die Zielzuweisung gegen hochgradig manövrierfähige Flugkörper oder Drohnenschwärme massiv beschleunigt.

Welche Rolle spielt Indras Drohne TARSIS im Zusammenspiel mit dem Schiffssensor?

TARSIS dient als vorgeschobener Aufklärungs- und Relaisknoten außerhalb des schiffseigenen Radarhorizonts. Über die Gefechtswolke NIMBUS übermittelt sie Ziel- und Lagedaten in Echtzeit zurück an das Trägerschiff.

Warum gewinnt der Schutz von Unterwasser-Infrastrukturen für Radaranbieter an Bedeutung?

Aufgrund von hybriden Bedrohungen gegen Unterseekabel und Gasleitungen fordern Marinen integrierte Sensorverbünde, die Luft-, Überwasser- und Sonardaten nahtlos fusionieren, um Sabotageversuche frühzeitig zu detektieren.

Quellen · 4

Stand: 02.11.2026
  1. defence.indragroup.com en/news/indra-unveils-its-new-prisma-s-digital-electronically-scanned-radar-naval-vessel …
  2. indragroup.com en/news/indra-demonstrates-potential-combat-cloud-naval-domain-first-time-europe-during- …
  3. defence.indragroup.com en/news/indra-acquires-dares-technology
  4. indragroup.com en/shareholders-investors/financial-information
Michael Bauer

Michael Bauer ist Technologie-Analyst mit Schwerpunkt auf unbemannten Systemen, autonomen Plattformen und der Verteidigungstechnologie der nächsten Generation. Er hat langjährige Erfahrung in der Evaluierung technologischer Trends und ist regelmäßiger Sprecher bei internationalen Fachkonferenzen zu Robotik- und Drohnentechnologien. Bei Defence-Tech.de deckt er technologische Entwicklungen ab, die Cybersicherheit, KI-Integration und autonome Einsatzsysteme verbinden. Bauers Beiträge kombinieren technisches Know-how mit klarer, journalistischer Aufbereitung.

Alle Beiträge von Michael Bauer →

Verwandte Artikel