Rafael präsentiert L-SPIKE beim 21. SPIKE Users Club in Larnaka
Ausgelieferte SPIKE-Flugkörper50.000 Stück (2026)Einsatzreichweite L-SPIKEbis zu 40 km (2026)Produktionskapazitätssteigerung EuroSpikeFaktor 4 (2023)Teilnehmerländer beim Users Club23 Staaten (2026)Globale SPIKE-Nutzerstaaten48 Staaten (2026)
Erste Vorstellung von L-SPIKE beim Users Club
Das Treffen in Zypern brachte über 200 Delegierte aus 23 Nationen zusammen. Rafael nutzte die Gelegenheit, um das neue Loitering-Munition-System L-SPIKE zu präsentieren. Das System basiert auf der bewährten SPIKE-Familie und erweitert das Portfolio um eine Launched-Effect -Komponente, die Schützenpanzer und Infanterietrupps zwischen Direktfeuer und Aufklärung flexibel wechseln lässt.
“Die SPIKE-Familie entwickelt sich gemeinsam mit ihren Anwendern kontinuierlich weiter. Die Vorstellung von L-SPIKE vor der weltweiten SPIKE-Gemeinschaft ist ein logischer nächster Schritt.”
Ran Kaplan, Vizepräsident und Leiter der Direktion für präzisionsgelenkte taktische Waffensysteme, Rafael Advanced Defense Systems
Durch die Kompatibilität mit bestehenden iCLU-Containern und Startergeräten entfällt die Notwendigkeit, neue Werferplattformen zu beschaffen. Das reduziert nicht nur die Beschaffungskosten, sondern minimiert auch den logistischen Aufwand für Bestandsnutzer.
Technischer Hintergrund und Evolution von L-SPIKE
L-SPIKE baut auf den Vorgängern der Firefly- bzw. L-SPIKE-1X-Reihe auf und erweitert das Konzept bis zu einem maximalen Wirkungsradius von 40 km. Die Variante kann als ultrakompakter VTOL-Loitering-Flugkörper für städtische Einsätze oder als längerreichendes System für Schützenpanzer und Marineplattformen eingesetzt werden.
Der technische Entwicklungsweg verdeutlicht, dass Anwender künftig keinen separaten Aufklärungs- oder Lauer-Drohnen-Begleiter mehr benötigen. Stattdessen wird die Sensor-to-Shooter-Kette in einem einzigen System geklärt, wodurch die Reaktionszeit auf dem Gefechtsfeld deutlich sinkt.
Bedeutung von EuroSpike und MELLS im europäischen Raum
EuroSpike, ein Joint Venture aus Diehl Defence (40 %), Rheinmetall (40 %) und Rafael (20 %), übernimmt den Vertrieb, das Marketing und das Programmmanagement für SPIKE-Kunden in Europa. Durch den Ausbau der Fertigungslinien in Deutschland wurde die Produktionskapazität im Jahr 2023 um das Vierfache erhöht, um steigende NATO-Bedarfe zu decken.
Im Rahmen des Programms MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) ist das SPIKE-System das Rückgrat der deutschen Panzerabwehr, etwa auf den Schützenpanzern Puma und Marder sowie dem Transportpanzer Boxer. Die erweiterte Reichweite von 5,5 km beim SPIKE LR2 (Standard-Einsatzreichweite bei Bodenstart, 2025) ergänzt die neuen L-SPIKE-Varianten und schafft ein abgestuftes Portfolio von Kurz- bis Mittelstrecken-Wirkmitteln.
Risiken und Gegenargumente
- Abhängigkeit von störanfälligen Funk- und DatenlinksLoitering-Munition erfordert eine permanente bidirektionale Verbindung für den “Man-in-the-Loop”, was in elektronisch stark umkämpften Gefechtsfeldern ein Verwundbarkeitsrisiko darstellt.
- Komplexere LuftraumkoordinationDer länger verweilende Flugkörper über dem Gefechtsfeld verlangt aufwendigere Deconfliction-Prozesse im Vergleich zum geradlinigen Beschuss klassischer ATGMs.
Schnellüberblick
Müssen bestehende SPIKE-Nutzer für L-SPIKE neue Werfer beschaffen?
Nein. Rafael hat L-SPIKE so konzipiert, dass die Flugkörper aus den existierenden Abschusscontainern und Startereinheiten (z. B. der iCLU) verschossen werden können, wodurch Flottenmodifikationen minimal bleiben.
Welche Rolle spielt EuroSpike für europäische Streitkräfte?
EuroSpike fungiert als industrieller Generalunternehmer für NATO-Kunden, sichert über Produktionsstandorte in Deutschland die lokale Wertschöpfung ab und wickelt Beschaffungsverträge zentral über die NATO Support and Procurement Agency (NSPA) ab.
Quellen · 4
Stand: 05.11.2026- israeldefense.co.il en/node/64405
- rafael.co.il press-bulletin/21st-spike-users-club
- eurospike.com systems/spike-lr2
- milmag.pl en/rafael-expands-the-spike-family-with-40-km-loitering-munition-and-naval-missiles
Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.
Alle Beiträge von Anna Schröder →