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Schweiz reduziert F-35A-Bestellung: Hintergrund, Auswirkungen und Alternativen

Schweiz reduziert F-35A-Bestellung: Hintergrund, Auswirkungen und Alternativen

26. März 2026 von Dr. Lena Hoffmann

Die Schweiz hat beschlossen, ihre Bestellung von F-35A -Stealth-Jagdflugzeugen von ursprünglich geplanten 36 Stück auf rund 30 Flugzeuge zu reduzieren. Die Entscheidung resultiert aus stark gestiegenen Kosten und einem gescheiterten Preisverhandlungsprozess mit den USA. Gleichzeitig wird die Lieferung der fünf Patriot-Luftverteidigungssysteme um mehrere Jahre verzögert, wodurch die Bundesbehörden nach alternativen europäischen Lösungen suchen. Dieser Artikel beleuchtet die politischen, finanziellen und sicherheitsrelevanten Hintergründe der Reduktion, die operativen Konsequenzen und die Optionen, die im Rahmen des Air2030-Programms geprüft werden.

Hintergrund des Air2030-Programms und das Referendum

Das Modernisierungsprogramm Air2030 wurde 2019 vom Schweizer Parlament beschlossen und 2020 in einem Volksentscheid mit einer knappen Mehrheit von 50,1 % Ja-Stimmen bestätigt. Das Programm sieht ein Gesamtbudget von 6 Mrd. CHF vor, das sowohl die Beschaffung von F-35A-Jets als auch von fünf Patriot-Systemen abdeckt. Damit soll die Luftwaffe bis 2030 modernisiert werden, obwohl in den letzten Jahren Kürzungen vorgenommen wurden.

  • Parlamentarischer Beschluss: 2019
  • Referendumsergebnis: 50,1 % Ja (2020)
  • Gesamtbudget Air2030: 6 Mrd. CHF (2020)

Der enge politische Rückhalt verdeutlicht die Bedeutung des Projekts für die nationale Sicherheit, gleichzeitig wird damit ein hohes Maß an Budgetdisziplin gefordert.

Reduzierung der F-35A-Bestellung: Kostensteigerungen und Finanzierungsplan

Die ursprüngliche Bestellung von 36 F-35A-Flugzeugen musste aufgrund einer Kostensteigerung von rund 1,1 Mrd. CHF (ca. 1,4 Mrd. USD) reduziert werden. Die Schweizer Regierung hat daher keinen zusätzlichen Haushaltsmittelantrag gestellt, um die volle Stückzahl zu finanzieren. Stattdessen wurde ein zusätzlicher Kredit von 394 Mio. CHF beantragt, um die Kosten, die durch Inflation und steigende Rohstoffpreise entstanden sind, zu decken.

„For fiscal reasons, the Swiss Federal Council will not request an additional appropriation to reach the originally planned number of 36 aircraft,“ said Bern in a statement.

Der Bundesrat geht davon aus, dass dieser Kredit die Beschaffung von etwa 30 F-35A-Jets ermöglicht. Die genaue Anzahl könne erst nach Abschluss der Vertragsverhandlungen mit der US-Regierung für die nächsten Produktionsbatches feststehen.

  • Kostensteigerung für 36 Flugzeuge: 1,1 Mrd. CHF (2026)
  • Zusätzlicher Kredit: 394 Mio. CHF (2026)
  • Geplante Mitteilung der endgültigen Menge an die USA: Q2 2027

Die Verhandlungen scheiterten 2025 an unterschiedlichen Auffassungen über die Vertragsauslegung, insbesondere hinsichtlich Inflation und Rohstoffpreisen. Eine ursprüngliche Letter of Offer and Acceptance (LOA) unterschätzte die Kosten um ca. 610 Mio. USD, wie ein US-DoD-Beamter gegenüber Breaking Defense bestätigte.

Produktionsplanung und Verhandlungen

Die Schweiz plant, bis zum zweiten Quartal 2027 die endgültige Bestellmenge den USA mitzuteilen, um Produktionsslots zu sichern. Das Scheitern der Preisverhandlungen im August 2025 hat zu einer Unsicherheit über die exakte Flottengröße geführt, die weiter sinken könnte, wenn die Verhandlungen nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen.

Operative Folgen und sicherheitspolitische Debatte

Die Reduktion auf rund 30 Jets hat direkte Auswirkungen auf die operative Fähigkeit der Schweizer Luftwaffe, insbesondere in Zeiten erhöhter Spannungen. Verteidigungsminister Martin Pfister betont, dass die reduzierte Flotte lediglich die Luftpolizei abdecken könne, aber für Konfliktszenarien unzureichend sei, da die F-18-Flotte ab 2032 ausgemustert wird.

„30 Jets reichen nur für die Luftpolizei, nicht für Konflikte,“ warnt Pfister.

Ein vollständiger Rückzug aus dem Vertrag wurde aus sicherheitspolitischen Gründen verworfen, da ein völliger Verzicht erhebliche Konsequenzen für die Luftverteidigung und den Schutz der Bevölkerung hätte.

  • Operative Fähigkeit: Reduzierte Luftpolizei, eingeschränkte Konfliktfähigkeit
  • F-18-Ausmusterung: ab 2032
  • Risiko: Sicherheitslücken ab 2032 ohne ausreichende F-35-Flotte

Patriot-Verzögerung und Prüfung alternativer Systeme

Parallel zur F-35-Reduktion verzögert sich die Lieferung der fünf Patriot-Luftverteidigungssysteme um vier bis fünf Jahre. Die Verzögerung resultiert aus der US-Priorisierung von Lieferungen an die Ukraine. Die zusätzlichen Kosten und die verlängerte Lieferzeit haben das DDPS veranlasst, ein zweites, langfristiges, bodengestütztes Luftverteidigungssystem zu prüfen.

„Based on current information, delivery of the Patriot package is set to be delayed by four to five years,“ the Swiss statement reads.

Als bevorzugte Alternative wird das europäische SAMP/T-System von Eurosam (eine Joint-Venture von Thales und MBDA) ins Auge gefasst. Dieses System würde die Abhängigkeit von US-Lieferungen reduzieren und die Diversifikation der europäischen Luftverteidigung stärken.

  • Patriot-Verzögerung: 4-5 Jahre (2026)
  • Geplante Alternative: SAMP/T von Eurosam (Thales/MBDA)
  • Strategische Zielsetzung: Diversifikation und Reduktion der US-Abhängigkeit
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum scheiterten die Preisverhandlungen mit den USA?

Die Verhandlungen scheiterten aufgrund von Inflation, steigenden Rohstoffpreisen und abweichender Vertragsauslegung seit 2025. Die ursprünglich unterschätzte Kostenbasis führte zu einer Differenz von etwa 610 Mio. USD.

Was ist Air2030?

Air2030 ist das Modernisierungsprogramm der Schweizer Luftwaffe, das 2020 mit 6 Mrd. CHF für die Beschaffung von F-35A-Jets und fünf Patriot-Systemen genehmigt wurde.

Welche Alternativen gibt es zu den Patriot-Systemen?

Die Schweiz prüft ein zweites europäisches Langstreckensystem, wobei das SAMP/T von Eurosam als bevorzugte Option genannt wird.

Fazit

Die Reduktion der F-35A-Bestellung auf etwa 30 Flugzeuge verdeutlicht die finanziellen Grenzen, mit denen europäische Staaten bei hochkomplexen Rüstungsprojekten konfrontiert sind. Trotz eines klaren politischen Mandats durch das Air2030-Referendum zwingt die Kostenexplosion die Schweiz, zusätzliche Kredite zu beantragen und die Flottengröße flexibel zu halten. Operativ bedeutet die kleinere Flotte eine Beschränkung auf reine Luftpolizistätigkeiten, während die bevorstehende Ausmusterung der F-18 die Notwendigkeit einer ausreichenden Ersatzkapazität betont. Die Verzögerung der Patriot-Lieferungen verstärkt die Dringlichkeit, alternative europäische Luftverteidigungssysteme zu prüfen, um die strategische Autonomie zu wahren. Insgesamt steht die Schweiz vor einer Balance zwischen Budgetdisziplin, vertraglichen Verpflichtungen und der Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Luftverteidigung bis 2030 und darüber hinaus.

Quellen

  • https://www.armyrecognition.com/news/aerospace-news/2026/switzerland-cuts-f-35-stealth-fighter-order-from-36-to-30-after-failed-price-talks-with-us
  • https://defence-industry.eu/switzerland-to-reduce-f-35-fighter-jet-order-to-30-aircraft/
  • https://www.ir-ia.com/news/switzerland-cuts-f-35-order-reviews-european-air-defense-options-amid-growing-security-concerns/
  • https://www.aerotime.aero/articles/switzerland-30-f35a-jets-cost-increase

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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