LOCUS liefert modulare Drohnenabwehr: Schweiz stärkt Nahschutz
Gewicht der Waffenstation (ohne Waffe)16 kgWinkelgeschwindigkeit> 360 Grad/sMaximale Elevation90 GradBeteiligte Industriepartnerrund 20 UnternehmenBeteiligte Hochschul- und Forschungspartner10 Institutionen
Hintergrund: Drohnenbedrohung im Ukraine-Konflikt
Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass sehr preiswerte kommerzielle oder modifizierte FPV-Drohnen – oft für wenige hundert Franken – gepanzerte Fahrzeuge und kritische Infrastruktur effektiv angreifen können. Herkömmliche Lenkflugkörper zur Abwehr sind dagegen um ein Vielfaches teurer und zahlenmäßig limitiert. Diese asymmetrische Kosten- und Ressourcensituation hat die Notwendigkeit einer kostengünstigen, gleichzeitig leistungsfähigen Gegenmaßnahme verdeutlicht.
Das LOCUS-Konzept – vier Abwehrschichten
LOCUS kombiniert vier aufeinander abgestimmte Schutzebenen, um unterschiedliche Bedrohungsszenarien abzudecken:
- Elektronische Störmaßnahmen: Sensoren lokalisieren anfliegende Drohnen, während Störsender deren Steuerung unterbinden.
- Fangnetzdrohnen: Unbemannte Luftfahrzeuge mit engmaschigen Netzen fangen drohende Mikrodrohnen physisch ein.
- Agile Abfangdrohnen: Schnell reagierende, wendig fliegende Drohnen übernehmen die Zielverfolgung und -neutralisation in größerer Distanz.
- Kompakte Nahbereichs-Waffenstation: Als letzte Verteidigungslinie agiert eine ultraleichte Maschinenwaffenstation, die auf bereits eingeführte Infanteriewaffen zurückgreift.
“Unser Ziel ist, dass wir ein modulares Design haben”
Markus Höpflinger, Leiter des SDRZ VBS, armasuisse
Elektronische Störmaßnahmen
Die erste Schicht nutzt Radar, akustische Sensoren und optische Kameras, um Drohnen frühzeitig zu erkennen. Die gesammelten Daten werden in einer ROS 2-basierten Softwarearchitektur verarbeitet, die automatisierte Zielerfassung und -bewertung ermöglicht.
Fangnetzdrohnen
Durch das Auswerfen eines Netzes können besonders kleine, schwer abzuschätzende Drohnen physisch eingefangen werden, ohne dass Munition verbraucht wird.
Agile Abfangdrohnen
Diese Drohnen verfügen über hochdynamische Antriebssysteme und können mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h Ziele verfolgen, die im Sturzflug sind. Sie bilden die mobile, mittlere Schutzschicht.
Kompakte Nahbereichs-Waffenstation
Die Waffenstation ist mit einem Gewicht von rund 16 kg (ohne Maschinengewehr) äußerst portabel. Sie erreicht eine Richtgeschwindigkeit von mehr als 360 Grad pro Sekunde und kann bis zu 90 Grad nach oben schießen – wichtig für steil anfliegende FPV-Drohnen. Der Einsatz bewährter Maschinengewehre (z. B. 7,5 mm GP11) reduziert Lebenszykluskosten und erleichtert die logistische Integration.
Die effektive Bekämpfungsdistanz liegt bei etwa 50 Meter, weil bei höheren Entfernungen die Flugzeit des Geschosses (ca. 0,06-0,07 s) zu groß ist, um die schnellen Ausweichmanöver der Drohne zu kompensieren.
Integration in die Taskforce Drohnen und das zukünftige Ökosystem
LOCUS ist Teil der 2024 lancierten Gesamtstrategie der Schweizer Armee und armasuisse W+T. Die interdepartementale “Taskforce Drohnen” (2024-2027) fungiert als Testbed, das zusammen mit über 20 Unternehmen und zehn Hochschulen die Anforderungen der Streitkräfte mit ziviler Spitzentechnologie verknüpft. Ziel ist die Schaffung eines Drohnen-Ökosystems, das bis zum Bau eines “Zentrums Unbemannte Systeme VBS” reicht.
Im Jahr 2025 wurden bereits Sofortmaßnahmen ergriffen: Securiton erhielt einen Auftrag über 3,5 Mio. CHF für teilmobile C-UAS, und Rahmenverträge über 108 Mio. CHF sichern die Beschaffung kommerzieller Minidrohnen. LOCUS positioniert sich darüber hinaus als langfristige, gehärtete und autonome Feldabwehr.
Risiken und Gegenargumente
- Ballistisches KollateralrisikoBeim Einsatz ballistischer Geschosse (7,5 mm / 7,62 mm / 12,7 mm) kann es zu unkontrollierten Fehltreffern kommen, die Zivilpersonen oder eigene Truppen gefährden.
- Sättigung bei simultanen SchwarmangriffenEine einzelne Waffenstation kann nur ein Ziel pro Moment bearbeiten. Mehrere gleichzeitig auftauchende FPV-Drohnen erfordern vorgelagerte Störschichten oder vernetzte Mehrfachstationen.
- Kritische Zeitspanne bis zur MarktreifeDa Drohnentechnologien alle paar Monate neue Taktiken ermöglichen, besteht das Risiko, dass ein 2028-er Demonstrator bereits überholt ist.
Schnellüberblick
Warum setzt armasuisse bei der Nahbereichs-Waffenstation auf bestehende Infanteriewaffen statt auf programmierbare Airburst-Munition?
Der Fokus liegt strikt auf niedrigen Lebenszykluskosten und leichter Integrierbarkeit. Bereits eingeführte Ordonnanzwaffen nutzen vorhandene Munitionsbestände und halten das Gesamtgewicht der Station mit rund 16 kg extrem niedrig, was die Montage auf leichten Fahrzeugen oder Robotik-Bodenplattformen ermöglicht.
Welche Rolle spielt ROS 2 in einem militärischen Abwehrsystem?
ROS 2 bietet standardisierte Schnittstellen für die modulare Einbindung unterschiedlichster Sensoren (Radar, Akustik, Kameras) und Effektoren. Dadurch lassen sich veraltete Komponenten rasch austauschen und Algorithmen für Sensorfusion sowie automatisierte Feuerleitketten herstellerunabhängig nachrüsten.
Gibt der Mensch bei LOCUS die Feuerfreigabe vollständig an Künstliche Intelligenz ab?
Nein. Das Konzept sieht das Prinzip “Human-on-the-Loop” vor: Ein Bediener überwacht mehrere vernetzte Stationen gleichzeitig und behält die finale Abbruchkompetenz, während das Zielen und Auslösen algorithmisch optimiert wird.
Quellen · 2
Stand: 24.10.2026- militaeraktuell.at schweizer-drohnenabwehr-locus-armasuisse
- admin.ch gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-102830.html
Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.
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