Finnland bestellt RGW110: 84,5 Mio. Euro, Lieferungen 2027
Auftragswert84,5 Millionen Euro (netto/ohne MwSt.)Lieferbeginn2027Effektive Einsatzreichweitebis zu 800 Meter (optronische Visierung)Durchschlagskraftca. 1.000 mm RHA hinter ERASystemgewichtca. 10 kg
Technische Leistungsparameter der RGW110
Die RGW110 (Recoilless Grenade Weapon 110 mm) basiert auf dem Wirkteil der bewährten Panzerfaust 3, ist jedoch als ergonomisches Einwegsystem konzipiert. Der 110-mm-Tandem-Hohlladungsgefechtkopf durchdringt nach Angaben des Herstellers etwa 1.000 mm Panzerstahl selbst hinter explosiver Reaktivpanzerung (ERA). Das Gesamtgewicht von rund 10 kg macht die Waffe deutlich leichter als das Vorgängermodell und ermöglicht den Einsatz aus geschlossenen Räumen nach dem Davis-Gegenmassen-Prinzip.
Gefechtskopf-Kaliber und Durchschlagsleistung
- Kaliber: 110 mm (Jahr 2026, Tandemhohlladung gegen Reaktivpanzerung).
- Durchschlagsleistung: ca. 1.000 mm RHA hinter ERA (Jahr 2026).
Gewicht und Handhabung
- Systemgewicht: ca. 10 kg (Jahr 2026, Quelle S3).
Taktische Doktrin und geländespezifische Anpassung
Finnische Infanterie-Inspekteur Oberst Ari Mure betont, dass das ungelenkte System vollständig resistent gegen gegnerische elektronische Kampfführung (EloKa/Jamming) sei. Die begrenzte Schussdistanz von bis zu 800 Meter wird durch das dichte Wald- und Hügelgelände Finnlands kompensiert, das kurze Hinterhalte begünstigt. Damit ergänzen die RGW110 die bereits vorhandenen Lenkflugkörper wie NLAW oder Spike, indem sie eine kostengünstige, störungsfreie Alternative für enge, bewaldete Einsatzbereiche bieten.
Störresistenz
- Vollständige Immunität gegenüber elektronischem Jamming (Quelle S2).
Einsatzreichweite im finnischen Terrain
- Bis zu 800 Meter bei optronischer Visierung (Jahr 2026, Quelle S2).
Historischer Kontext des Vorgängersystems APILAS
Das bisher eingesetzte französische System RAC 112 APILAS (in Finnland als 112 RSKES APILAS geführt) wurde Mitte der 1980er-Jahre beschafft. Die Produktion des Systems wurde bereits Mitte der 2000er-Jahre eingestellt, sodass Munitionsalterung und fehlende Ersatzteile einen Wechsel erforderlich machten.
Einführungsdekade
- 1980er (Einführung des APILAS).
- Produktionsende Mitte der 2000er-Jahre (Quelle S1).
Risiken und Gegenargumente
- Eingeschränkte Duellreichweite gegenüber LenkflugkörpernAls ungelenkte Waffe verlangt die RGW110 eine Annäherung an den Zielpanzer auf wenige hundert Meter, was Schützen im offenen Gelände hohen Risiken durch Begleitinfanterie und Bordwaffen aussetzt.
- Keine offengelegten StückzahlenDas finnische Verteidigungsministerium hält das Beschaffungsvolumen an Stückzahlen geheim; der reale Ausstattungsgrad der Truppe bleibt daher nur modellhaft schätzbar.
Schnellüberblick
Warum setzt Finnland auf eine ungelenkte Panzerfaust statt ausschließlich auf gelenkte Flugkörper?
Ungelenkte Systeme wie die RGW110 sind immun gegen gegnerische Störsender, deutlich günstiger und können ohne aufwendige Teams von einzelnen Schützen aus gedeckten Waldstellungen oder Gebäuden eingesetzt werden.
Was zeichnet die RGW110 gegenüber älteren Systemen aus?
Sie kombiniert die Durchschlagskraft der schweren Panzerfaust 3 (ca. 1.000 mm Stahl hinter Reaktivpanzerung) mit einem rund 3 kg geringeren Gewicht und ergonomischer Einweg-Handhabung nach dem Davis-Gegenmassen-Prinzip für das Feuern aus geschlossenen Räumen.
Wann und wo wurde die RGW110 bereits beschafft?
Vor Finnlands Entscheidung im Oktober 2026 wählte Ungarn das System im Jahr 2022 als Erstkunde aus und baute hierfür eine lokale Fertigungskooperation mit Dynamit Nobel Defence auf.
Quellen · 3
Stand: 01.11.2026- maavoimat.fi en/-/finland-orders-rgw-110-anti-tank-weapons
- defensenews.com land/2026/10/29/finland-buys-rgw110-dnd
- hartpunkt.de panzerabwehr-finnland-beschafft-rgw110-von-dynamit-nobel-defence
Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.
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