Lockheed Martins Riyadh Software Factory: Schlüssel zur Verteidigungs-Lokalisierung im Rahmen von Saudi Vision 2030
Am 28. Januar 2026 eröffnete Lockheed Martin in Riad eine spezialisierte Software-Factory, die über die klassische Fertigung hinausgeht und souveräne Softwareentwicklung im Königreich ermöglicht. Die Einrichtung ist ein zentraler Baustein der Vision 2030, die ein Ziel von 50 % in-ländischer Verteidigungsproduktion bis 2030 definiert. Durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wie SAMI Advanced Electronics Company (SAMI AEC) und ergänzenden Programmen wie dem Talent Studio soll die technische Unabhängigkeit Saudis gestärkt und gleichzeitig die Resilienz der globalen Lieferkette erhöht werden.
Langjährige Partnerschaft zwischen Lockheed Martin und Saudi-Arabien
Die Zusammenarbeit zwischen Lockheed Martin und Saudi-Arabien erstreckt sich über mehr als sechs Jahrzehnte. Laut offiziellen Angaben beträgt die Partnerschaftsdauer über 60 Jahre (Quelle S1). In den 1990er-Jahren begann die Kooperation mit SAMI AEC, die seit über 30 Jahren an Modernisierungs-, Reparatur- und Wartungsprojekten (MRO) beteiligt ist, darunter LANTIRN-Zielsysteme und seit 2016 die Sensor-Sustaining-Programme für die F-15 (Quelle S3).
Vision 2030 und das Ziel der Verteidigungs-Lokalisierung
Saudi-Arabien verfolgt mit der Vision 2030 eine umfassende Transformation, die nicht nur die Wirtschaft diversifiziert, sondern auch die technologische Souveränität stärkt. Ein zentrales Element ist das Lokalisierungsziel von 50 % der Verteidigungsproduktion bis 2030 (Quelle S2). Die Riyadh Software Factory ist ein konkretes Instrument, um dieses Ziel zu erreichen, indem sie die Entwicklung von Software-Lösungen direkt im Land ermöglicht.
- Lokale Entwicklung von Command- und Kontroll-Software
- Schaffung von geistigem Eigentum in saudischer Hand
- Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischen Code-Updates
Die Riyadh Software Factory – Konzept und erste Erfolge
Die neue Einrichtung führt das „advanced software development ecosystem“ von Lockheed Martin in das Königreich ein. Joseph Rank, CEO für Lockheed in Saudi-Arabien und Afrika, bezeichnete die Fabrik als „long-term development platform“, die einen strukturierten Pfad für saudische Ingenieure und Unternehmen bietet, um Software in Lockheed-Systeme zu integrieren (Zitat aus Info 2).
Ein erster Meilenstein war die Integration von kommerziellen Flugzeug-Standortdaten in das proprietäre Common Operating Picture (COP) CommandIQ™. Saudi-Praktikanten und Ingenieure von SAMI AEC entwickelten die Lösung in weniger als zwei Wochen (Info 1, Info 2). Dieser Erfolg demonstriert die Fähigkeit der Fabrik, schnell prototypische, operative Software bereitzustellen.
„In less than two weeks, Saudi interns at Lockheed Martin worked alongside engineers from SAMI AEC to develop a solution that integrates commercial aircraft location data directly into Lockheed Martin’s CommandIQ™ common operating picture.“
Die Software wird laut Rank „Saudi-owned intellectual property“ sein und auf die operativen Anforderungen des Königreichs zugeschnitten sein.
Begleitprogramme: Talent Studio und AI&T-Training
Neben der Software-Factory etabliert Lockheed Martin ein Talent Studio, das digitale und Enterprise-Fähigkeiten im saudischen Arbeitsmarkt fördert. Im Rahmen einer Partnerschaft mit der King Abdulaziz City for Science and Technology (KACST) wurden bereits 11 saudische Fachkräfte im Jahr 2025 in Satelliten-Assembly, Integration und Test in Lockheed-Einrichtungen in Sunnyvale, Kalifornien, ausgebildet (Info 1).
- Talent Studio: Fokus auf digitale Kompetenzen und Unternehmensfähigkeiten
- AI&T-Programm: Praktische Erfahrung in Satelliten-Technologie
- 11 ausgebildete Saudi-Nationals (2025)
Lokale Rotorflugzeugproduktion – Black-Hawk-Initiative
Parallel zur Software-Factory arbeitet Lockheed (über die Tochter Sikorsky) an einer lokalen Produktion von bis zu 150 Black-Hawk-Hubschraubern in Saudi-Arabien (Info 1). Die Königlichen Saudi-Landstreitkräfte setzen die Plattform bereits seit 1990 ein, womit über 36 Jahre Erfahrung vorliegen.
- Potential für 150 Hubschrauber in-Land-Produktion (2026)
- 36 + Jahre Einsatz von Black-Hawk in Saudi-Arabien
Strategische Bedeutung für Lieferketten-Resilienz und technologische Souveränität
Experten betonen, dass die Fabrik zwar nicht sofort die globale Lieferkette von Lockheed Martin verändert, aber langfristig als regionaler Hub für Software-Integration dienen kann. Ryan Bohl (RANE Network) weist darauf hin, dass die lokale Entwicklung die „time needed for code to be deployed in THAAD systems“ verkürzt und damit die operative Flexibilität erhöht.
„This is a notable achievement for Saudi Arabia’s localization efforts, particularly in its defense sector, as it brings in-country software that Saudis can develop on their own to work with Lockheed systems.“
Leonardo Jacopo Maria Mazzucco ergänzt, dass die Initiative den Aufstieg in der Verteidigungswertschöpfungskette markiert und Vision 2030-Ziele zu Talententwicklung und technischer Autonomie unterstützt.
„While past collaboration focused on MRO modernization, repair and operations, licensed manufacturing, and component production, this initiative aligns with Saudi Arabia’s ambition to develop a full-spectrum military-industrial base that includes command-and-control software, systems integration, and sovereign digital capabilities.“
Gegenwärtige Risiken umfassen die begrenzte unmittelbare Wirkung auf die globale Lieferkette, Fragen zur Skalierbarkeit wiederverwendbarer Software-Komponenten sowie mögliche Beschränkungen beim geistigen Eigentum, da die zugrundeliegende Architektur von Lockheed Martin stammt. Zudem erfordern Sicherheit und Exportkontrolle robuste Rahmenbedingungen, die bislang nicht detailliert beschrieben wurden.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie unterstützt die Software-Factory die Vision 2030-Ziele?
Sie ermöglicht die Entwicklung und Integration von Software im Land, trägt damit zum Ziel von 50 % in-ländischer Verteidigungsproduktion bei und stärkt die lokale technische Expertise.
Was ist CommandIQ und warum ist die Integration wichtig?
CommandIQ™ ist Lockheeds proprietäres Common Operating Picture für Kommando- und Kontroll-Umgebungen. Die schnelle Integration von Flugzeug-Standortdaten zeigt die praktische Einsatzfähigkeit der Fabrik.
War dies die erste Co-Production-Initiative zwischen Lockheed und Saudi-Arabien?
Nein. 2024 wurden zwei saudische Firmen mit der Fertigung von THAAD-Subsystemen beauftragt, und die Partnerschaft mit SAMI AEC besteht seit den 1990er-Jahren.
Wird die entwickelte Software ausschließlich in Saudi-Arabien eingesetzt?
Die Software ist saudisches Eigentum und auf lokale Anforderungen zugeschnitten, kann jedoch zukünftig in anderen Märkten Anwendung finden.
Wie trägt die Fabrik zur globalen Lieferketten-Resilienz bei?
Sie schafft einen regionalen Knotenpunkt für Software-Integration, reduziert die Abhängigkeit von US-zentrierten Entwicklungen und bietet ein Backup-Potential bei regionalen Störungen.
Fazit
Die Eröffnung der Riyadh Software Factory markiert einen Wendepunkt in der US-saudischen Verteidigungskooperation. Durch die Kombination aus schneller Software-Entwicklung, gezielten Ausbildungsprogrammen und einer breiteren Industrie-Strategie – von Satelliten-AI&T bis zur lokalen Black-Hawk-Produktion – wird ein umfassendes Ökosystem geschaffen, das die Vision 2030-Ziele der saudischen Souveränität unterstützt. Während die langfristige Wirksamkeit von Skalierbarkeit und Wiederverwendbarkeit noch zu beweisen bleibt, liefert die Initiative bereits greifbare Ergebnisse und legt den Grundstein für eine tiefere, technologiegetriebene Partnerschaft.
Quellen
- Lockheed Martin Corporate Press Release – Launch of Riyadh Software Factory (2026-01-28)
- TradeArabia – Lockheed Martin launches new software factory in Riyadh (2026-01-28)
- Lockheed Martin Saudi Arabia – Unternehmensübersicht und Partnerschaften
- Circuit.News – Lockheed opens Saudi software factory to boost tech industry (2026-02-02)
