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Renault und Turgis Gaillard: Produktion der Langstrecken‑Drohne Chorus – Ein Blick auf die neue Rüstungsinitiative

Renault und Turgis Gaillard: Produktion der Langstrecken‑Drohne Chorus – Ein Blick auf die neue Rüstungsinitiative

23. Januar 2026 von Dr. Lena Hoffmann

Im Zuge des anhaltenden Drohnenkriegs in der Ukraine und sinkender Automobilverkäufe hat der französische Autobauer Renault gemeinsam mit dem Rüstungsunternehmen Turgis Gaillard eine beachtliche Kooperation angekündigt: Die Fertigung der Langstrecken-Angriffs- und Aufklärungsdrohne „Chorus“ in den Werken Le Mans und Cléon. Der Schritt, Automobilwerke für die Rüstungsproduktion umzurüsten, wird als Paradigmenwechsel in der europäischen Industrie bewertet.

Hintergrund: Wandel der europäischen Industrie und Drohnenkrieg in der Ukraine

Der anhaltende Konflikt in der Ukraine hat die Bedeutung von unbemannten Luftfahrzeugen (UAV) deutlich erhöht. Gleichzeitig kämpfen europäische Automobilhersteller mit rückläufigen Verkaufszahlen. Die Kombination aus steigender Nachfrage nach militärischen Drohnen und dem Bedarf an neuen Produktionsperspektiven hat die Entscheidung von Renault begünstigt, vorhandene Fertigungsanlagen für die Rüstungsproduktion zu nutzen.

Die Kooperation zwischen Renault und Turgis Gaillard

Renault und Turgis Gaillard arbeiten gemeinsam an der Entwicklung und Serienfertigung der Drohne Chorus. Die Zusammenarbeit wurde im Sommer 2025 von Staatsminister Sébastien Lecornu angekündigt und wird von der französischen Beschaffungsbehörde für Verteidigungsgüter (DGA) geleitet. Renault-CEO Fabrice Cambolive bestätigte das Projekt in einem Interview bei BFM Business und betonte, dass das Unternehmen sein Automobil-Know-how für die Industrialisierung der Drohne einbringt.

  • Partner: Renault (Automobilhersteller) und Turgis Gaillard (Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen)
  • Leitung: DGA (Direction Générale de l’Armement)
  • Öffentliche Ankündigung: Sommer 2025 durch Sébastien Lecornu
  • Bestätigung durch Renault-CEO Fabrice Cambolive (BFM Business, 20.01.2026)

Das Unternehmen Turgis Gaillard: Profil und Drohnentechnologie

Turgis Gaillard wurde 2011 gegründet und hat sich auf den Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungssektor spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt 400 Mitarbeitende und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 80 Millionen Euro. Zu den bekannten Produkten gehört die MALE-Kampfdrohne Aarok, die im September 2025 ihren ersten Testflug absolvierte.

  • Gründungsjahr: 2011
  • Mitarbeiterzahl (2026): 400
  • Umsatz (2025): 80 Mio. Euro
  • Bekannte Drohne: Aarok – Länge 20 m, Nutzlast bis 3 t

Die Chorus-Drohne: Technik, Einsatz und Produktionsziele

Die Drohne Chorus ist als Langstrecken-Munition konzipiert, die sowohl Angriffs- als auch Aufklärungsmissionen ausführen kann. Laut L’Usine Nouvelle beträgt die Länge etwa zehn Meter, die Spannweite acht Meter. Die Bezeichnung „Chorus“ leitet sich von einem akustischen Effekt in der Tontechnik ab und deutet auf eine Auslegung für Schwarm- oder Gruppenangriffe hin – ein Trend, der durch die aktuelle Entwicklung des Drohnenkrieges in der Ukraine belegt wird.

  • Typ: Loitering-Munition mit Schwarmfähigkeit
  • Länge: ca. 10 m (nach L’Usine Nouvelle)
  • Spannweite: ca. 8 m
  • Einsatz: Fernlenkung für Angriffe, Aufklärung und Beobachtung (ähnlich Shahed- und Geran-Drohnen)
  • Geplante Monatsproduktion: bis zu 600 Stück (nach augengeradeaus.net, 19.01.2026)
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Vertragsdetails und wirtschaftliche Perspektiven

Der anfängliche Vertragswert wird mit 35 Millionen Euro für das Jahr 2026 angegeben. Bei erfolgreicher Umsetzung sieht die DGA einen Zehnjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro vor, der bis 2036 laufen könnte. Diese Zahlen verdeutlichen das wirtschaftliche Potenzial der Initiative für beide Partner.

  • Anfängliches Vertragsvolumen (2026): 35 Mio. Euro
  • Potentielles Gesamtvolumen (10 Jahre, bis 2036): ca. 1 Mrd. Euro
  • Produktionsziel: 600 Einheiten pro Monat

Produktionsstandorte Le Mans und Cléon: Automobil-Know-how für die Rüstung

Die Fertigung der Chorus-Drohne wird auf zwei traditionellen Renault-Standorten verteilt:

  • Le Mans: Hier sollen die Drohnengehäuse gefertigt und die Endmontage durchgeführt werden.
  • Cléon: In diesem Werk wird die Produktion der Triebwerke und Antriebssysteme übernommen.

Renault nutzt sein langjähriges Know-how aus der Serienfertigung von Fahrzeugen, um die Produktion der Drohnen in industriellem Maßstab zu ermöglichen. Die Umstellung der Werke auf Rüstungsproduktion ist bislang nicht offiziell mit genauen Stückzahlen bestätigt worden; die genannten 600 Stück/Monat beruhen auf Berichten von L’Usine Nouvelle und augengeradeaus.net.

Kritische Einschätzungen und offene Fragen

Obwohl die Kooperation offiziell bestätigt ist, gibt es mehrere Punkte, die noch geklärt werden müssen:

  • Lieferungen an die Ukraine: Offiziell ist die Drohne primär für das französische Militär vorgesehen; eine direkte Lieferung an die Ukraine wurde nicht bestätigt.
  • Produktionsstart: Die Vorbereitungen laufen, jedoch ist die Serienproduktion noch nicht offiziell bestätigt.
  • Exakte Stückzahlen: Renault hat keine offiziellen Zahlen zur Monatsproduktion veröffentlicht; die Angabe von 600 Stück basiert auf Medienberichten.
  • Langfristige strategische Folgen: Die Umnutzung von Automobilwerken könnte ein Modell für weitere europäische Hersteller werden, bleibt jedoch ein Einzelfall.

Fazit

Die Zusammenarbeit zwischen Renault und Turgis Gaillard markiert einen bedeutenden Schritt hin zu einer stärkeren Verknüpfung von Automobil- und Rüstungsindustrie in Europa. Die geplante Produktion der Langstrecken-Drohne Chorus in Le Mans und Cléon nutzt das industrielle Know-how des Autobauers, während das Fachwissen von Turgis Gaillard im Drohnendesign eingebracht wird. Mit einem möglichen Vertragsvolumen von einer Milliarde Euro über zehn Jahre und einer angestrebten Produktionsrate von bis zu 600 Einheiten pro Monat könnte das Projekt nicht nur die französische Verteidigungsfähigkeit stärken, sondern auch ein Signal für die zukünftige Autonomie Europas im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme setzen. Gleichzeitig bleiben offene Fragen zur tatsächlichen Lieferkette, zur endgültigen Produktionskapazität und zu den langfristigen Auswirkungen auf die europäische Industrie bestehen – Themen, die in den kommenden Monaten weiter beobachtet werden sollten.

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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