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Roboterunterstützung im Militär: Systeme, Einsatz und Grenzen

Roboterunterstützung im Militär heißt: Unbemannte Bodenfahrzeuge und Roboter tragen Lasten, bergen Verwundete, klären auf oder räumen Kampfmittel. Der Leitfaden zeigt, welche Systeme 2026 im Einsatz sind, wo ihre Grenzen liegen und was Bundeswehr und Partner beschaffen.

10 Min. Lesezeit

Was zur militärischen Robotik gehört

Im Zentrum der militärischen Robotik am Boden stehen unbemannte Bodenfahrzeuge, im Fachjargon UGV (Unmanned Ground Vehicle). Gemeint sind Fahrzeuge ohne Besatzung, die per Funk ferngesteuert werden, einem Soldaten selbstständig folgen oder vorgegebene Wegpunkte abfahren. Fliegende Systeme (Drohnen, UAV) und unbemannte Boote (USV) zählen ebenfalls zu den unbemannten Systemen, haben aber eigene Einsatzprofile. Dieser Leitfaden konzentriert sich auf Roboter am Boden.

Die Bandbreite ist groß. Am einen Ende stehen kompakte Entschärfungsroboter mit Greifarm, die ein Trupp im Fahrzeug mitführt. In der Mitte liegen Transport- und Mehrzweckplattformen, die mehrere hundert Kilogramm tragen, etwa der Gereon von ARX Robotics oder der Ziesel von Diehl Defence. Am oberen Ende stehen schwere Plattformen wie der hybrid angetriebene Komodo des kroatischen Herstellers DOK-ING mit mehr als 8,5 Tonnen Nutzlast. Viele Plattformen sind modular aufgebaut: Auf dasselbe Fahrgestell kommen je nach Auftrag eine Ladefläche, eine Trage, ein Sensormast, ein Minenräumgerät oder eine Waffenstation.

Wichtig ist die Abgrenzung zwischen ferngesteuert und autonom. Viele Systeme, die 2026 im Einsatz stehen, werden von einem Menschen gesteuert oder überwacht. Teilautonome Funktionen wie Hindernisvermeidung, Folgemodus oder Wegpunktnavigation entlasten den Bediener, ersetzen ihn aber nicht. Wer über den Einsatz einer Waffe entscheidet, bleibt bei bewaffneten Systemen eine eigene Frage, die im Ratgeber zu autonomen Kampfdrohnen ausführlich behandelt wird.

Einsatzfelder: Logistik, Bergung, Aufklärung, Kampfmittelräumung

Logistik und Nachschub

Ein Kernauftrag ist der Transport. Roboter bringen Munition, Wasser, Verpflegung und Batterien in vorgeschobene Stellungen, deren Anfahrt für bemannte Fahrzeuge unter Artillerie- und Drohnenbeschuss gefährlich ist. Der THeMIS von Milrem Robotics trägt laut Hersteller bis zu 750 Kilogramm, der Gereon nach Angaben von ARX bis zu 500 Kilogramm. Das ukrainische Verteidigungsministerium weist Logistik- und Evakuierungsfahrten von Robotern inzwischen monatlich aus, die Zahlen stehen im Abschnitt zur Ukraine.

Verwundetentransport

Ein Roboter mit Trage kann Verletzte aus einem Bereich holen, in den sich Sanitäter nur unter hohem Risiko wagen würden. ARX liefert den Gereon in die Ukraine ausdrücklich auch für die Bergung von Verwundeten. Diehl Defence hat den Ziesel bei Tests mit der Bundeswehr als Evakuierungsfahrzeug vorgeführt. Das ukrainische Verteidigungsministerium hat im September 2026 zudem erstmals ferngesteuerte Buggys aus heimischer Fertigung erproben lassen, gefahren von Soldaten der Einheit Tymur des Militärgeheimdienstes; Hintergründe liefert die Meldung zu den Militär-Buggys in der Ukraine.

Aufklärung und Überwachung

Mit Kamera, Wärmebild und Radar ausgestattet, erkunden Roboter Gelände, Gebäude oder Waldränder, bevor Soldaten nachrücken. Die Bundeswehr sucht dafür eigene Systeme: Im Mai 2026 hat das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) einen Teilnahmewettbewerb für bis zu 28 Systeme MoSeS (Mobiles Sensor-System) zur unbemannten Gefechtsaufklärung veröffentlicht. Der Sensorträger soll Wegpunkte teilautonom abfahren, Hindernissen ausweichen und auch steile Hänge, dichten Bewuchs oder Treppen bewältigen.

Kampfmittelräumung und Pionieraufgaben

Entschärfungsroboter gehören seit langem zur Ausrüstung von Kampfmittelbeseitigern. Die Bundeswehr hat 2025 bei Telerob, einer Tochter des US-Konzerns AeroVironment, 41 große Entschärfungsroboter vom Typ telemax HT300 bestellt. Die ersten Lieferungen waren für Sommer 2025 vorgesehen, weitere Abrufe laufen bis 2027. Gebaut werden die Roboter in Ostfildern. Bei schweren Pionierplattformen baut Rheinmetall aus: Der Konzern hat die Mehrheit am Minenräumspezialisten DOK-ING übernommen, wie auch die Meldung zur Übernahme von DOK-ING durch Rheinmetall beschreibt. Das Unternehmen firmiert seit Juli 2026 als Rheinmetall Unmanned Vehicles und soll vor allem unbemannte Systeme zum Räumen und Verlegen von Minen liefern.

Bewaffnete Roboter und Panzerabwehr

Ein wachsender Teil der Entwicklung betrifft Roboter mit Waffen. MBDA und ARX Robotics zeigten auf der Messe Enforce Tac 2026 eine Konzeptstudie, bei der ein Gereon Lenkflugkörper vom Typ Enforcer trägt, in der Variante Enforcer X mit Tandemhohlladung gegen schwer gepanzerte Fahrzeuge; der Bediener bleibt dabei in Deckung und steuert aus sicherer Entfernung. Mehr dazu steht in der Meldung zum Konzeptdemonstrator Enforcer x Gereon. Diehl Defence erprobt den Ziesel mit einem Zweifachwerfer für Spike-Lenkflugkörper, die in der Bundeswehr als MELLS eingeführt sind. Beide Systeme sind Stand Oktober 2026 Demonstratoren, keine beschafften Waffensysteme.

Mensch-Maschine-Teaming: Soldat und Roboter im Verbund

Mensch-Maschine-Teaming bezeichnet die Zusammenarbeit von Soldaten und unbemannten Systemen in einer gemeinsamen Einheit. Der Roboter übernimmt die gefährlichen oder schweren Aufgaben, der Mensch plant, überwacht und entscheidet. In der Praxis gibt es drei typische Betriebsarten:

  • Fernsteuerung: Ein Bediener fährt den Roboter per Steuergerät und Videobild, bei Systemen wie dem THeMIS in Sichtverbindung bis etwa 1,5 Kilometer, darüber hinaus optional über Mobilfunk oder Satellit.
  • Folgemodus: Der Roboter folgt einem Soldaten. Diehl wirbt beim Autonomie-Kit PLATON damit, dass der Ziesel dabei ohne aktive Sensoren wie Lidar und ohne GPS auskommt und so schwerer zu orten und zu stören ist.
  • Wegpunktnavigation: Der Roboter fährt eine vorgegebene Route selbstständig ab und weicht Hindernissen aus. Bei den Bundeswehr-Tests des Ziesel im Herbst 2025 gehörte das bei Tag und Nacht zum Programm, ebenso die Steuerung über das Führungssystem SitaWare Frontline.

Der nächste Schritt ist die Führung aus einem Fahrzeug heraus. Beim EU-Projekt CUGS (Combat Unmanned Ground Systems) wurde im Februar 2026 in Norwegen ein Szenario erprobt, in dem kleine bewaffnete Roboter gegnerische Drohnen bekämpfen, unterstützt von einem größeren Roboter mit Mörser, geführt aus einem gepanzerten Fahrzeug mehrere Kilometer entfernt. Teile davon wurden vorgeführt. In Großbritannien untersuchen ARX Robotics und General Dynamics Land Systems, wie die Besatzung des Schützenpanzers Ajax Roboter vom Typ Hector führen könnte; die Meldung zum Hector-UGV am Ajax beschreibt das Vorhaben. Nach den bisherigen Berichten handelt es sich um eine Erkundung, nicht um einen Auftrag. Wie weit die Vernetzung schon reicht, zeigte die US-Übung Project Convergence Capstone 6 im Sommer 2026: Acht Gereon fuhren dort mit britischen Einheiten, ihre Daten liefen nach Angaben von ARX bis in die Führungssysteme von Brigade, Division und Korps.

Systeme im Überblick (Stand Oktober 2026)

System Hersteller Merkmale Stand 2026
THeMIS Milrem Robotics (Estland) Hybrid- oder Elektroantrieb, 750 kg Nutzlast, 1.815 kg Eigengewicht Laut Hersteller in 21 Staaten beschafft; mehr als 150 Fahrzeuge für die Ukraine bis Ende 2026 erwartet
Gereon ARX Robotics (Deutschland) Kettenplattform, bis 500 kg Nutzlast, bis 40 km Reichweite Mehrere hundert zusätzliche Fahrzeuge für die Ukraine bestellt (Mai 2026), Auftrag der British Army (April 2026)
Ziesel Diehl Defence auf Plattform von Mattro elektrisch, 11-kWh-Wechselakkus, über 500 kg, bis 20 km/h Zwei Testfahrzeuge bei der Bundeswehr, Panzerabwehrvariante als Demonstrator
Mission Master SP Rheinmetall modulare Nutzlasten, Autonomie-Architektur PATH US Marine Corps erhält 12 Fahrzeuge für 7,28 Mio. US-Dollar (Auftrag September 2026)
telemax HT300 Telerob (AeroVironment) Entschärfungsroboter mit Greifarm 41 Systeme für die Bundeswehr, Lieferungen 2025 bis 2027
Komodo Rheinmetall Unmanned Vehicles (ehemals DOK-ING) schwere Hybridplattform, über 8,5 t Nutzlast Basis für Minenräum- und Minenlegesysteme sowie das geplante Unterstützungssystem Wingman

Die Tabelle zeigt einen Schwerpunkt: Europäische Hersteller sind bei mittleren und schweren UGV gut aufgestellt, die größten Stückzahlen gehen 2026 aber in die Ukraine, nicht an westliche Armeen. Bei westlichen Streitkräften überwiegen Erprobung, Experimentierflotten und kleinere Aufträge.

Einsatz in der Ukraine: Roboter im Alltag der Front

Die Ukraine setzt Bodenroboter inzwischen in großer Zahl ein. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums haben die Streitkräfte vom 1. Januar bis 20. August 2026 mehr als 100.000 Logistik- und Evakuierungsfahrten mit UGV absolviert, erfasst im Gefechtsführungssystem DELTA. Die Monatszahlen stiegen von 7.511 im Januar auf 19.969 im Juli. Mehr als 22.000 Bodenroboter sind 2026 bereits unter Vertrag, fast doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. Ein Teil der Bestellungen läuft über den Online-Marktplatz Brave1 Market.

Das Ministerium stellt die Fahrten ausdrücklich als Einsätze dar, die Roboter anstelle von Soldaten übernehmen. Jede davon wertet es als möglicherweise gerettetes Leben. Westliche Hersteller liefern zu: ARX Robotics verfünffacht mit dem Auftrag vom Mai 2026 nach eigenen Angaben seinen Bestand in der Ukraine, Milrem erwartet mehr als 150 THeMIS bis Jahresende, 100 davon montiert VDL Defentec im niederländischen Born.

Im April 2026 erklärte Präsident Selenskyj, ukrainische Kräfte hätten erstmals eine russische Stellung allein mit Drohnen und Bodenrobotern eingenommen, ohne Infanterie und ohne eigene Verluste. Ort und Umfang nannte er nicht. Unabhängig bestätigt ist der Vorgang nicht; Fachleute ordneten die Aussage gegenüber der Moscow Times vor allem als PR-Botschaft ein und gingen von einer kleinen Stellung aus. Er zeigt aber die Richtung: Bodenroboter wandern von der Versorgung in den Kampf.

Risiken und Gegenargumente

  • FunkverbindungFerngesteuerte Roboter hängen an ihrer Datenverbindung. Bei den CUGS-Tests in Norwegen brach die Kommunikation nach Angaben des norwegischen Forschungsinstituts FFI selbst ohne gegnerische Störung durch Interferenzen ein. Unter elektronischer Kampfführung wird das Problem größer.
  • Tempo und GeländeMittlere UGV wie THeMIS und Ziesel fahren laut Herstellerangaben höchstens rund 20 km/h. Die CUGS-Erprobung in Norwegen fand in verschneitem Gelände bei eingeschränkter Funkverbindung statt.
  • Begrenzte AutonomieNavigation, Führung und Zielerkennung müssen laut FFI zuverlässig funktionieren, bevor Bodenroboter im Gefecht einen großen Sprung bringen. Viele Systeme fahren heute vor allem ferngesteuert.
  • Energie und AusdauerElektrisch fährt der THeMIS laut Hersteller rund 1,5 Stunden, im Hybridbetrieb bis zu 15 Stunden. Akkuwechsel und Laden binden Personal und Zeit.
  • InsellösungenSysteme verschiedener Hersteller passten bei CUGS oft nicht zusammen und mussten über eigens gebaute Schnittstellen verbunden werden. Gemeinsame Standards wie die britische Generic Vehicle Architecture sollen das lösen.
  • Bewaffnung und RechtJe selbstständiger ein bewaffneter Roboter handelt, desto drängender wird die Frage nach menschlicher Kontrolle. Beim Konzept Enforcer x Gereon steuert ein Bediener das System aus der Deckung.

Beschaffung: Bundeswehr, EU und Partner

Die Bundeswehr setzt bisher vor allem bei Kampfmittelräumung, Erprobung und Ausschreibungen an. Neben den 41 telemax-Robotern und den MoSeS-Aufklärern hat sie den Ziesel im Herbst 2025 zwei Wochen lang getestet, unter anderem mit Verladung in einen Hubschrauber NH90 und gemeinsamer Aufklärung mit Drohnen. Zwei Ziesel stehen ihr für Tests zur Verfügung. Mehr technische Details liefert die Meldung zum Ziesel-Roboter von Diehl Defence. Strukturell wichtig ist eine Ankündigung vom Oktober 2026: Das Heer stellt 2027 sein erstes Drohnenregiment auf, das ausdrücklich auch unbemannte Landsysteme umfasst. Ab dem Jahreswechsel 2026/2027 baut das Heer zudem unbemannte Fähigkeiten in Jäger-, Aufklärungs- und Panzertruppe auf.

Ein zentrales europäisches Vorhaben ist das EU-Projekt CUGS. Es hat ein Budget von 35,5 Mio. Euro; beteiligt sind neun Staaten und 28 Industriepartner. Nach einer zehntägigen Erprobung in Norwegen ist die Abschlussvorführung für Herbst 2026 in Italien geplant. Einen Einblick gibt die Meldung zum CUGS-Test in Norwegen.

Bei den NATO-Partnern sind die Aufträge bislang überschaubar. Die British Army hat im April 2026 Gereon für Tests und Integration bestellt, ARX will künftig auch in Großbritannien fertigen. Das US Marine Corps erhält zwölf Mission Master SP samt fünf Amphibien-Kits zur Erprobung. Der THeMIS ist laut Milrem bei acht NATO-Staaten im Bestand, darunter Deutschland, Frankreich, die Niederlande und die USA.

Ausblick: Vom Testfeld in die Truppe

Für 2027 zeichnen sich drei Entwicklungen ab. Erstens wandern UGV mit dem Drohnenregiment und den neuen unbemannten Fähigkeiten im Heer aus der Erprobung in feste Strukturen. Zweitens wächst die Industrie: Rheinmetall will mit Rheinmetall Unmanned Vehicles schwere Plattformen in Serie bringen, ARX baut Fertigung in mehreren Ländern auf. Drittens verlagert sich der Schwerpunkt von der Plattform zur Software, also zu Autonomie, Vernetzung mit Führungssystemen und Schutz gegen Störsender. Offen bleibt, wie schnell westliche Armeen von Experimentierflotten zu Stückzahlen kommen, wie sie die Ukraine schon heute einsetzt.

Schnellüberblick

Wofür werden Roboter im Militär eingesetzt?

Vor allem für Transport, Verwundetenbergung, Aufklärung und Kampfmittelräumung. Zunehmend tragen Bodenroboter auch Waffen, etwa Lenkflugkörper zur Panzerabwehr.

Was ist ein UGV?

UGV steht für Unmanned Ground Vehicle, also ein unbemanntes Bodenfahrzeug. Es wird ferngesteuert oder fährt teilautonom, etwa im Folgemodus oder entlang von Wegpunkten.

Welche Militärroboter nutzt die Bundeswehr?

Bestellt sind unter anderem 41 Entschärfungsroboter vom Typ telemax HT300. Den Ziesel von Diehl testet sie, für Aufklärungsroboter läuft die Ausschreibung MoSeS mit bis zu 28 Systemen.

Wie viele Bodenroboter setzt die Ukraine ein?

Die Ukraine hat 2026 nach Regierungsangaben mehr als 22.000 UGV unter Vertrag. Von Januar bis 20. August absolvierten sie über 100.000 Logistik- und Evakuierungsfahrten.

Entscheiden Militärroboter selbst über Waffeneinsatz?

Bei den in Europa gezeigten bewaffneten Konzepten wie Enforcer x Gereon steuert ein Bediener aus sicherer Entfernung. Selbstständig erledigen heutige Systeme vor allem Fahren, Navigation und Hindernisvermeidung.

Quellen · 21

Stand: 18.10.2026
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