Wachstum des europäischen Defense‑Tech‑Ökosystems: Rolle des European Defense Tech Hub (EDTH) und Fokus auf Autonomie & EMS
Das europäische Defense-Tech-Ökosystem erlebt eine dynamische Entwicklung, die durch gezielte Innovationsförderung und die Konzentration auf bislang unterfinanzierte Vertikalen wie Autonomie und das elektromagnetische Spektrum (EMS) vorangetrieben wird. Der European Defense Tech Hub (EDTH) spielt dabei eine zentrale Rolle, indem er Talente über Hackathons und spezialisierte Events zusammenbringt und konkrete Lösungen für aktuelle Kriegsherausforderungen liefert – mit direkter Wirkung auf die Ukraine und die europäische Sicherheit.
European Defense Tech Hub (EDTH) – Motor für Innovation und Talentförderung
EDTH hat sich als Katalysator für Defense-Tech-Innovation etabliert. Durch ein Netzwerk aus Start-ups, Militär, Investoren und Forschungseinrichtungen schafft der Hub praxisnahe Plattformen, die den Transfer von Ideen in einsatzfähige Technologien beschleunigen.
- Hackathons 2024: Berlin, Paris und Kopenhagen – Fokus auf Counter-Drone, elektronische Kriegsführung (EW) und Swarming.
- 2024-Themen: Friend-Foe-Differenzierung, Shahed-Erkennung, Unterwasser-Navigation.
- Geplante Hackathons 2025: Vilnius (4.-6. Mai, über 120 Hacker), Sheffield (Juni) und Lviv (22.-25. Mai).
- Lviv-Hackathon 2025 beinhaltet Workshops zu Thermalkameras, Drohnenbau und taktischer Medizin sowie eine Keynote von Quantum Systems.
- Partnerschaften: BRAVE1, 3rd Assault Brigade und weitere Front-Line-Operatoren garantieren praxisnahe Anforderungen.
- EDTH-Agenda beinhaltet eine „Hack Week“, die Top-Teams auf Fundraising vorbereitet.
Durch diese Veranstaltungen entsteht ein pan-europäisches Netzwerk, das gezielt Lücken im Markt adressiert und die Souveränität Europas stärkt.
Unterfinanzierte Vertikalen: Autonomie und elektromagnetisches Spektrum (EMS)
Obwohl Autonomie und EMS in der EU nur einen kleinen Teil der Start-up-Landschaft ausmachen, zeigen sie ein enormes Finanzierungspotenzial und eine hohe strategische Relevanz – insbesondere im ukrainischen Kontext.
- Startup-Verteilung in der EU (D3 VC-Analyse): 9 % der Unternehmen fokussieren sich auf autonome Systeme, 7 % auf EMS-Lösungen.
- Priorisierung in der Ukraine: 11 % der ukrainischen Start-ups arbeiten an Autonomie (Top-3), 10 % an EMS (Top-4).
- VC-Finanzierung 2023-Q3 2025 (UCDI-Daten): Autonomie-Start-ups erhalten 29 % des gesamten Defense-Tech-Kapitals, EMS-Start-ups 12 %.
- Diese Zahlen verdeutlichen, dass Autonomie und RF-Technologie trotz geringer Unternehmenszahl die wichtigsten Investment-Schwerpunkte darstellen.
Die Diskrepanz zwischen Unternehmensanzahl und Kapitalfluss weist auf ein starkes Marktinteresse hin, das durch gezielte Förderprogramme und weitere Hackathons weiter verstärkt werden kann.
Drohnenmarkt – Sättigung und neue Chancen
Der schnelle Anstieg der Drohnenproduktion hat den Markt in den Jahren 2022-2023 überflutet. Laut den vorliegenden Daten wird die ukrainische Drohnenproduktion im Jahr 2025 voraussichtlich die Marke von 4 Millionen Einheiten überschreiten. Diese enorme Menge hat das Drohnensegment zu einem Commodity-Markt gemacht, in dem Optimierung von Produktion und Lieferkette im Vordergrund steht.
Dennoch entstehen neue Geschäftsfelder, die über reine Fertigung hinausgehen:
- Entwicklung von Counter-Drone-Lösungen (C-UAS) für verschiedene Einsatzszenarien: kinetic anti-FPV, anti-Fiber, anti-Mavic, anti-ISR, anti-Shahed.
- Mission-orientierte Systeme, die mehrere UAV-Typen, Bodenstationen und Zielalgorithmen zu einer einheitlichen Fähigkeit verknüpfen (z. B. koordinierte ISR-Drohnen, loitering munitions und EW-Assets).
- Swarming-Technologien und gleichzeitig Gegen-Swarm-Systeme, um zukünftige Schwarmangriffe abzuwehren.
- Entwicklung von kostengünstigen, massenproduzierten Raketen als nächste logische Evolution von Drohnen.
Herausforderungen bei Counter-Drone-Lösungen
Die Invasionen in Polen 2025 verdeutlichen, dass perfekte Radar-Abdeckung unrealistisch ist. Daher müssen alternative Sensor- und Zielerfassungsstrategien entwickelt werden, die ohne vollumfängliche Radar-Daten auskommen.
Autonomie jenseits von GNSS
Echte Autonomie erfordert Terminal-Guidance ohne menschliche Eingriffe, Navigation ohne GNSS und edge-basierte Entscheidungsfindung. Über 100 Teams in der Ukraine und NATO arbeiten an optischen Sensoren; nur wenige erforschen magnetische, himmlische oder RF-basierte Navigation.
RF-Technologie und elektronische Kriegsführung (EW)
RF bleibt zentral, weil Drohnen, Menschen und andere Systeme kommunizieren müssen. Die Entwicklung von unjammbaren, kompakten und attritiblen Radios ist entscheidend. Gleichzeitig wird intelligente, energieeffiziente Jamming- und ELINT-Lösungen nachgefragt, die nicht nur auf höhere Leistung setzen, sondern auf adaptive Frequenz- und Mustererkennung.
Empfehlungen für Start-ups und Investoren
Basierend auf den vorliegenden Daten lassen sich konkrete Handlungsfelder ableiten, die sowohl das Wachstum des europäischen Defense-Tech-Ökosystems als auch die unmittelbare Unterstützung der Ukraine fördern:
- Fokussierung auf Autonomie- und EMS-Lösungen, da diese Vertikalen bereits 29 % bzw. 12 % der VC-Finanzierung erhalten.
- Entwicklung von mission-orientierten Plattformen statt reiner Drohnen-Hardware – Integration von ISR, Swarming und EW in einer einzigen Fähigkeit.
- Investition in Counter-Swarm- und Counter-Drone-Technologien, um die wachsende Nachfrage nach C-UAS zu bedienen.
- Erforschung alternativer Navigationssensoren (magnetisch, himmlisch, RF), um GNSS-Denial-Szenarien zu meistern.
- Aufbau von RF- und EW-Kompetenzen, insbesondere unjammbarer, low-footprint Radios und intelligente Jamming-Algorithmen.
- Teilnahme an EDTH-Hackathons 2025 (Vilnius, Sheffield, Lviv) zur Netzwerkbildung, Feedback von Front-Line-Operatoren und Vorbereitung auf Fundraising-Runden.
Fazit
Der European Defense Tech Hub (EDTH) hat mit einer Reihe von Hackathons und strategischen Partnerschaften bewiesen, dass er ein effektiver Katalysator für die europäische Verteidigungsinnovation ist. Während der Drohnenmarkt bereits gesättigt ist, eröffnen unterfinanzierte Vertikalen wie Autonomie und das elektromagnetische Spektrum (EMS) erhebliche Wachstumschancen – sowohl für die Ukraine als auch für die gesamte EU. Die Kombination aus gezielter Talentförderung, klaren Investitionssignalen (29 % VC-Kapital für Autonomie, 12 % für EMS) und praxisnahen Events schafft die Basis für eine nachhaltige Stärkung der europäischen Sicherheitsunabhängigkeit. Start-ups, Investoren und politische Entscheidungsträger sollten diese Erkenntnisse nutzen, um gezielt in die identifizierten Lücken zu investieren und damit die nächste Phase der europäischen Defense-Tech-Zeitenwende zu gestalten.

