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Skorpion² – Das neue Minenwerfersystem der Bundeswehr: Beschaffung, Technik und Einsatzoptionen

Skorpion² – Das neue Minenwerfersystem der Bundeswehr: Beschaffung, Technik und Einsatzoptionen

23. März 2026 von Anna Schröder

Die Bundeswehr plant, in der ersten Jahreshälfte 2026 ein modernes Minenwerfersystem zu beschaffen, das Flächen schnell und zuverlässig sperren kann. Im Fokus steht dabei das Skorpion²-System des deutschen Panzerabwehr-Spezialisten Dynamit Nobel Defence (DND). Das System schließt eine seit 2011 bestehende Fähigkeitslücke, wurde bereits von Lettland und Dänemark bestellt und kann auf unterschiedlichen Ketten- und Radplattformen eingesetzt werden.

Warum ein neues Minenwerfersystem nötig ist

Das ursprüngliche Minenwurfsystem Skorpion auf Basis des M548 A1 G wurde 2011 ausgephast. Seitdem blieb lediglich das Minenverlegesystem 85 aus den Jahren 1985-1992 im Dienst, was eine deutliche Lücke in den Sperrfähigkeiten der Pioniertruppe hinterließ. Die Bundeswehr sieht daher einen dringenden Bedarf, die Fähigkeit zur schnellen Flächensperrung wiederherzustellen – insbesondere für Gelände, das für Radfahrzeuge nicht befahrbar ist.

Internationale Aufträge belegen Exportreife und NATO-Kompatibilität

Lettland war 2024 erster Kunde und bestellte das Skorpion²-System inklusive AT2+ Minen für 50 Millionen Euro, um die Ostgrenze gegen Russland zu sichern. Dänemark plant ebenfalls die Integration von Skorpion², mit ersten Lieferungen im Jahr 2026. Diese Aufträge zeigen, dass das System bereits exportreif ist und in NATO-Strukturen eingesetzt werden kann, bevor die Bundeswehr ihre eigene Beschaffung abschließt.

Technische Kernmerkmale des Skorpion²-Systems

Skorpion² ist ein modulares, fahrzeugunabhängiges Minenverlegesystem, das auf einem standardisierten 10-Fuß-Containerrahmen (ISO 668 Twist-Lock-Schnittstelle) montiert wird. Die wichtigsten Bauteile sind:

  • Vier Wurfeinheiten, die jeweils bis zu fünf Magazine mit AT2+ Minen aufnehmen können (insgesamt 20 Minen pro Einheit).
  • Ein Magazin mit fünf AT2+ Minen wiegt etwa 400 kg; eine komplett bestückte Wurfeinheit wiegt demnach rund 400 kg.
  • Die AT2+ (NG AT2+) ist eine programmierbare Panzerabwehrwurfmine mit digitalisierter Steuerung, Multisensorsystem und einer Penetrationsleistung von > 140 mm RHA. Sie ist selbstzerstörend nach 96 Stunden und bietet hohe Räumresistenz gegenüber modernen Räumungssystemen.
  • Der Aufbau erlaubt die Installation auf 10-, 15- oder 20-Fuß-Containerplattformen, wobei eine 10-Fuß-Plattform vier Wurfeinheiten (20 Minen) aufnehmen kann.

Das System kann innerhalb weniger Minuten eine Sperrbreite von 2 000 Metern anlegen, wobei das Command-&-Control-Gerät die Sperrinformationen in das jeweilige Battle-Management-System überträgt.

Mögliche Trägerplattformen für die Bundeswehr

Derzeit wird diskutiert, das Skorpion² auf einer Kettenplattform zu integrieren. Kandidaten sind:

  • BVS 10 – Teil des Vorhabens „Collaborative All-Terrain Vehicle“, bietet überragende Mobilität im schwierigen Gelände, ist jedoch nicht primär für gepanzerte Formationen entwickelt.
  • ACSV G5 (Armoured Combat Support Vehicle) der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft – gilt als vergleichsweise günstig und bereits bei NATO-Streitkräften im Einsatz.
  • BOXER TRACKED von KNDS Deutschland – ermöglicht die Nutzung der bestehenden Boxer-Flotte und bietet sowohl Ketten- als auch Radbeweglichkeit.

Alle drei Plattformen könnten theoretisch mehr als vier Wurfeinheiten transportieren, sodass größere Flächen ohne Nachmunitionierung gesperrt werden können. Die Entscheidung für eine bestimmte Plattform bleibt offen, da das System dank des Containerrahmens grundsätzlich auf jede Ketten- oder Radplattform mit geeigneter Ladefläche und Traglast montiert werden kann.

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Einsatzprofil und taktische Vorteile

Skorpion² ist darauf ausgelegt, Flächen schnell zu sperren – ein entscheidender Faktor für die Landes- und Bündnisverteidigung. Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:

  • Schnelle Einsatzbereitschaft: Eine Sperrbreite von 2 000 m kann in weniger als 10 Minuten erzeugt werden.
  • Flexibilität: Das modulare Design erlaubt den Einsatz auf Fahrzeugen, Anhängern oder unbemannten Systemen.
  • Selbstzerstörungsfunktion: AT2+ Minen deaktivieren sich nach 96 Stunden, wodurch dauerhafte Sperren vermieden werden.
  • Integration in digitale Systeme: Das digitale C2-Gerät überträgt Sperrdaten in das Battle-Management-System für lückenloses Reporting.
  • Hohe Räumresistenz: Optimierte Elektronik und Sensorik der AT2+ erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber modernen Räumungsmaßnahmen.

Beschaffungszeitplan und aktuelle Planungslage

Die Bundeswehr beabsichtigt, das Skorpion²-System in der ersten Jahreshälfte 2026 zu beschaffen. Im offiziellen Beschaffungsplan 2026, der 70 Vorhaben für 48 Mrd. Euro umfasst, wird Skorpion² nicht explizit genannt – dies könnte auf eine Vorlaufphase oder eine mögliche Verzögerung hindeuten. Die internationalen Aufträge von Lettland (2024) und Dänemark (Lieferung 2026) dienen jedoch als Referenzkunden und untermauern die strategische Relevanz des Systems für die Bundeswehr.

Fazit

Das Skorpion²-Minenwerfersystem schließt seit der Ausmusterung des Vorgängers 2011 eine kritische Fähigkeitslücke der Bundeswehr. Durch seine modulare Bauweise, die Integration auf verschiedenste Ketten- und Radplattformen und die fortschrittliche AT2+ Mine bietet das System schnelle, flexible und digitale Flächensperrungen. Internationale Aufträge von Lettland und Dänemark belegen die Exportreife und NATO-Kompatibilität, während die geplante Beschaffung der Bundeswehr für 2026 die nationale Verteidigungsfähigkeit weiter stärkt.

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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