GARMR von Diehl Defence: Drohnenabwehr mit MG und Abfangdrohnen
Vom Kinetic Defence Vehicle zum GARMR
Diehl Defence stellte GARMR vom 23. bis 25. Februar 2026 auf der Enforce Tac in Nürnberg vor. Der Name stammt aus der nordischen Mythologie: Garmr ist der Hund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht. Das System ist die zweite Version des KDV, die Diehl anhand von Erfahrungen aus der Ukraine weiterentwickelt hat und die das KDV vollständig ablösen soll. Neu sind laut Hersteller weitere Abfangdrohnen sowie eine KI-gestützte Detektion und Entscheidungsunterstützung.
Das KDV wurde Ende 2024 an die Ukraine geliefert, insgesamt 16 Fahrzeuge, finanziert von der Bundesrepublik Deutschland. Ende November 2025 erprobte Diehl das KDV und die Abfangdrohne Cicada auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Nach Unternehmensangaben wurden kleine Drohnen dort automatisch erkannt, verfolgt und bekämpft. Gegen eine Starrflügeldrohne gelang mit einem weitreichenden Effektor ein Abfangschuss.
Zwei Wirkebenen: Maschinengewehr und Abfangdrohnen
Die erste Ebene ist ein Maschinengewehr mit drehbarem Rohrbündel im Kaliber 7,62 x 51 mm oder 12,7 x 99 mm in der stabilisierten Waffenstation R400. Ein integrierter Wettersensor erhöht die Präzision auf größere Distanz. Die 7,62-mm-Lösung erreicht laut hartpunkt eine maximale Bekämpfungsreichweite von 1.000 bis 1.200 Metern, die effektive Reichweite liegt bei rund der Hälfte. Weil die Waffenstation stabilisiert ist, kann GARMR auch während der Fahrt feuern. Eine 20-mm-Variante ist laut ESUT künftig vorgesehen, laut Defence Network noch in Überlegung.
Die zweite Ebene bilden Abfangdrohnen, die über eine Standardschnittstelle eingebunden werden. Diehl unterscheidet zwei Konfigurationen:
- GARMR SRS (Short Range System): Sie nutzt die elektrisch angetriebene Abfangdrohne Cicada mit Fangnetz oder Splittergefechtskopf. Die Cicada bekämpft Drohnen in über 5 km Entfernung oder fängt sie mit dem Netz und bringt sie kontrolliert zum Absturz. Der Rüstsatz hinter der Bedienerkabine nimmt bis zu 15 Cicada auf.
- GARMR MRS (Medium Range System): Sie setzt zusätzlich Abfangdrohnen mit größerer Reichweite ein, gezeigt wurde die Hornet Block 2 von Destinus.
Dieser Beitrag behandelt das Gesamtsystem. Die Konfiguration für mittlere Reichweite, ihre Reichweitenangaben und die Zusammenarbeit mit Destinus beschreibt der Beitrag zum GARMR MRS. Nach Angaben von Diehl lässt sich jede einsatzreife Abfangdrohne innerhalb weniger Monate physisch und softwareseitig integrieren. Das erhöhe die theoretische Abfangreichweite des Systems auf über 50 km.
Sensorik, KI und Bedienung
Auf dem Dach der Fahrerkabine sitzen zwei EchoShield-Radare des US-Herstellers Echodyne, dazu kommt ein Sensormast mit Radar und Elektrooptik. Die Detektion soll Ziele von kleinen Multikoptern bis zu größeren Kampfdrohnen der Typen Shahed oder Lancet erfassen. Für Detektion und Klassifikation nutzt GARMR die KI-Software AirScout von Walaris.
Diehl hat das System auf minimalen Personalbedarf ausgelegt. Im Stand kann laut hartpunkt eine Person ein einzelnes Objekt schützen und Ziele bis etwa 5 km mit Abfangdrohnen sowie auf rund 500 bis 1.000 m mit dem Maschinengewehr bekämpfen. Für den Einsatz während der Fahrt braucht es zusätzlich einen Kraftfahrer. Im Standbetrieb können sich beide abwechseln.
Vernetzung und Anbindung an die Luftverteidigung
Mit der Kampfwertsteigerung erhielt GARMR ein von Walaris neu entwickeltes Command-and-Control-System. Es erleichtert den Einsatz einzelner Fahrzeuge und verbindet mehrere Systeme zu einer Feuereinheit. Sensoren und Wirkmittel können dabei auf verschiedenen Fahrzeugen sitzen, mehrere GARMR schützen gestaffelt eine größere Fläche und tauschen Sensordaten aus. Diehl spricht von sechs oder acht Systemen, die bei Bedarf verbunden werden können.
Über eine weitere Schnittstelle erhält GARMR Zieldaten von übergeordneten Luftverteidigungssystemen. So kann es Drohnen weit außerhalb der eigenen Sensorreichweite mit weitreichenden Abfangdrohnen bekämpfen. Damit eignet sich das System neben dem Objektschutz auch für den Raumschutz. Hartpunkt sieht GARMR als mögliches, auf Drohnen spezialisiertes Element in einem Verbund wie IRIS-T SLM/SLS.
Trägerplattformen: Enok AB und Enok MBB
Auf der Enforce Tac stand GARMR auf dem Enok AB der ACS Armoured Car Systems GmbH aus Friedberg, einem 4×4-Fahrzeug auf Basis der Mercedes-Benz-G-Plattform der Baureihe 464. Die Bundeswehr führt diese Plattform als Caracal für die Luftlandetruppe ein. Sie ist für den Transport in und unter schweren Transporthubschraubern ausgelegt. Laut Diehl lässt sich GARMR auf jede Trägerplattform mit ausreichender Nutzlast integrieren. Auf der Messe XPONENTIAL Europe im März 2026 stand es auf geschützten Enok-Varianten.
Im Mai 2026 meldete hartpunkt, dass ACS das System auf den Enok MBB integriert hat, eine G-Klasse mit rund 80 cm längerem Radstand und rund 5,40 m Gesamtlänge. Hinter dem geschlossenen Fahrerhaus liegt eine geschlossene Kabine für zwei Soldaten mit den Bedienkonsolen. Sie schützt die Bediener vor Witterung und soll die Durchhaltefähigkeit erhöhen, besonders bei niedrigen Temperaturen.
Bundeswehr bereitet Beschaffung vor
Laut hartpunkt bereitet die Bundeswehr eine größere Beschaffung von GARMR vor. Zunächst soll nur eine sehr geringe Zahl auf einer Mercedes-Benz-G-Plattform zur Qualifizierung gekauft werden, unterhalb der Schwelle für eine 25-Millionen-Euro-Vorlage. Parallel werde ein größeres Vorhaben vorbereitet, womöglich im internationalen Rahmen und auf einer stärker geschützten Plattform. Im Fokus steht laut hartpunkt offenbar die Drohnenabwehr der Panzerbrigade 45 für ihren Einsatz in Litauen.
„Bei der Drohnenabwehr arbeiten wir hart daran, die Panzerbrigade 45 noch vor ihrer Verlegung erstauszustatten. Mit einer leistungsfähigen Zwischenlösung, die wir auch weiternutzen, wenn unsere Zielsysteme zulaufen.“
Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, Bundeswehr
Einen Systemnamen nannte Freuding nicht, laut hartpunkt bezog sich die Aussage dem Vernehmen nach auf GARMR. Hartpunkt erwartet eine erste Ausstattung mit dem MG 6 im Kaliber 7,62 x 51 mm und der Cicada. Sie ist bislang die einzige Abfangdrohne, deren vollständige Integration in GARMR öffentlich bekannt ist.
Risiken und Gegenargumente
- Unbestätigte BeschaffungDie Angaben zur Bundeswehr stammen aus Kreisen, die hartpunkt zitiert. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor.
- Begrenzte MG-ReichweiteDas 7,62-mm-Maschinengewehr wirkt effektiv nur auf rund die Hälfte seiner maximalen Reichweite von 1.000 bis 1.200 Metern.
- IntegrationsstandÖffentlich bekannt ist nur die vollständige Integration der Cicada. Weitere Abfangdrohnen sind angekündigt.
- LieferzeitDie sechs Monate nach Bestellung hängen laut Diehl davon ab, ob Kunden die Integration bestimmter Abfangdrohnen wünschen. Defence Network nannte zur Vorstellung sechs bis neun Monate.
- ReichweitenangabenDie Werte für die Abfangdrohnen sind Herstellerangaben. Die über 50 km für das Gesamtsystem nennt Diehl selbst eine theoretische Reichweite.
Schnellüberblick
Was unterscheidet GARMR vom Kinetic Defence Vehicle?
GARMR ist die kampfwertgesteigerte zweite Version des KDV. Hinzu kommen verschiedene Abfangdrohnen über eine Standardschnittstelle, die Vernetzung mehrerer Fahrzeuge zu einer Feuereinheit und die Anbindung an ein übergeordnetes Luftlagebild.
Wurde GARMR schon erprobt?
Erprobt wurde der Vorgänger KDV, der Ende 2024 an die Ukraine geliefert wurde. Ende November 2025 testete Diehl das KDV mit der Cicada in Grafenwöhr, die Ergebnisse stammen aus Unternehmensangaben.
Wie viele Personen bedienen GARMR?
Im Stand kann eine Person das System bedienen. Für die Bekämpfung während der Fahrt kommt ein Kraftfahrer hinzu. Die Variante auf dem Enok MBB hat eine Kabine für zwei Bediener.
Kauft die Bundeswehr GARMR?
Laut hartpunkt bereitet die Bundeswehr eine Beschaffung vor, zunächst mit wenigen Systemen zur Qualifizierung. Offiziell bestätigt ist das nicht.
Quellen · 11
Stand: 18.10.2026- new.diehl.com defence/en/press-media/news/garmr-diehl-defence-presents-c-uav-system-at-enforce-tac
- defence-network.com diehl-defence-drohnenabwehrsystem-garmr
- esut.de 2026/02/meldungen/68300/diehl-kinetic-defence-vehicle-garmr-mit-erweiterten-faehigkeiten
- hartpunkt.de ueber-70-km-reichweite-kampfwertgesteigertes-kinetic-defence-vehicle-wird-zum-garmr-mrs
- hartpunkt.de drohnenabwehrsystem-garmr-diehl-defence-setzt-auf-taktische-modularitaet
- hartpunkt.de drohnenabwehr-acs-integriert-diehls-garmr-auf-die-g-klasse-mit-verlaengertem-radstand
- hartpunkt.de bundeswehr-bereitet-offenbar-eine-groessere-beschaffung-des-drohnenabwehrsystems-garmr-vor
- esut.de 2026/03/meldungen/69408/drohnenabwehr-mit-garmr
- new.diehl.com defence/en/press-media/news/xponential-europe-diehl-defence-showcases-its-c-uav-capabili …
- edrmagazine.eu enforce-tac-2026-diehl-defence-relaunches-its-garmr-counter-drone-system
- unmannedairspace.info counter-uas-systems-and-policies/diehl-tests-drone-defence-technology-at-grafenwoehr-mil …
Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.
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