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Deutschland beschafft Loitering Munition von Start-ups – Rheinmetall außen vor

Deutschland beschafft Loitering Munition von Start-ups – Rheinmetall außen vor

27. Januar 2026 von Anna Schröder

Die Bundeswehr hat am 17. April 2025 die Massenbeschaffung von Loitering Munition (Kamikazedrohnen) beschlossen und dabei bewusst auf die beiden deutschen Start-ups Stark und Helsing gesetzt. Der Schritt schließt eine lange diskutierte Fähigkeitslücke, stärkt den NATO-Ostflankenschutz und signalisiert eine neue Flexibilität bei der Rüstungsbeschaffung. Gleichzeitig bleibt Rheinmetall – bislang ein Schwergewicht im deutschen Rüstungssektor – außen vor, weil kein funktionsfähiger Demonstrator vorgelegt werden konnte.

Hintergrund der Beschaffung von Loitering Munition

Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs hat die Bundeswehr die Notwendigkeit erkannt, schnell einsetzbare, autonome Waffensysteme zu besitzen. Loitering Munition, auch als „Kamikazedrohne“ bezeichnet, ermöglicht eine rasche Entscheidungsfindung und präzise Zielbekämpfung. Die offizielle Ankündigung am 17. April 2025 betont, dass diese Systeme ein „Game Changer“ für die Kampfeffektivität seien. Army Recognition, 2025-04-17

Auswahl der Start-ups Stark und Helsing

Die Entscheidung fiel auf die beiden heimischen Anbieter:

  • Virtus von Stark – erfolgreich von der Bundeswehr getestet.
  • HX-2 von Helsing – bereits im Ukraine-Einsatz im Einsatz, wenn auch mit kritischer Begleitung.

Beide Systeme gelten als funktionsfähig und können unmittelbar an Fronttruppen ausgeliefert werden. Der erste Nutzer innerhalb der Bundeswehr soll die Brigade Litauen sein, die die Drohnen im Rahmen operativer Tests einsetzen wird. Army Recognition, 2025-04-17

Ausschluss von Rheinmetall – Gründe und Konsequenzen

Ursprünglich war auch Rheinmetall mit seinem Modell FV-014 Raider im Auswahlverfahren. Laut WirtschaftsWoche lieferte das Unternehmen jedoch keinen funktionsfähigen Demonstrator, sodass die Bundeswehr auf die beiden schnelleren Anbieter umstieg. WirtschaftsWoche, 2025 Der SPD-Abgeordnete Andreas Schwarz erklärte: „Nachdem ein Anbieter bisher nicht in der erforderlichen Qualität liefern kann, müssen die beiden schnellsten Anbieter nicht länger auf den langsamsten warten.“ Diese Aussage verdeutlicht das Prinzip, nur funktionierende Systeme zu beschaffen.

Umfang, Finanzierung und Zeitplan

Der Auftrag umfasst rund 12.000 Loitering Munition, die in zwei Varianten (Virtus und HX-2) geliefert werden. Die dafür vorgesehenen Haushaltsvorlagen in Höhe von 25 Millionen Euro sollen Ende Februar 2026 im Haushaltsausschuss behandelt werden. Der langfristige Ausbau der Drohnenflotte sieht vor, die Gesamtzahl von derzeit 600 auf 8.000 Einheiten bis 2029 zu erhöhen, wobei sechs spezialisierte Strike-Drone-Einheiten und eine Langstreckenwaffenbatterie entstehen sollen. Unmanned Network, 2025-09-23

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Integration in die erweiterte Drohnenflotte

Der Ausbau der Drohnenflotte ist ein zentrales Element der deutschen Verteidigungsstrategie. Neben den Loitering Munition werden weitere unbemannte Systeme integriert, um die Lücken zu schließen, die im Ukraine-Krieg deutlich wurden. Die geplanten 6 Strike-Drone-Einheiten sollen bis 2029 operativ sein und die Fähigkeit zur schnellen, präzisen Luftunterstützung bieten. Kyiv Post, 2025-06-15

Risiken und kritische Bewertung

Die ausschließliche Abhängigkeit von zwei jungen Unternehmen birgt Risiken hinsichtlich Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit. Während die Tests von Virtus und HX-2 bereits positiv verlaufen sind, könnte die begrenzte Produktionskapazität zu Lieferengpässen führen, insbesondere wenn die geplante Flottenerweiterung auf 8.000 Einheiten realisiert werden soll. Experten weisen darauf hin, dass etablierte Unternehmen wie Rheinmetall langfristig wieder einsteigen könnten, wenn sie funktionsfähige Demonstratoren vorlegen.

Zitate und offizielle Stellungnahmen

Generalinspekteur Breuer betont: „Loitering Munition ist ein ‚Game Changer‘ für unsere Kampffähigkeit und Entscheidungsgeschwindigkeit.“
Andreas Schwarz (SPD-Abgeordneter): „Nachdem ein Anbieter bisher nicht in der erforderlichen Qualität liefern kann, müssen die beiden schnellsten Anbieter nicht länger auf den langsamsten warten.“

Gesamtverteidigungsbudget und Kontext

Die Beschaffung von Loitering Munition ist Teil eines Gesamtverteidigungsvolumens von nahezu 83 Milliarden Euro, das bis 2026 für Rüstungsverträge mit europäischen Unternehmen vorgesehen ist. Defence Industry Europe, 2025-09-23 Damit wird die Priorität auf heimische Lieferanten und schnelle Einsatzfähigkeit gelegt.

Fazit

Die Entscheidung der Bundeswehr, Loitering Muntion von den Start-ups Stark und Helsing zu beschaffen, markiert einen strategischen Shift hin zu schneller, funktionaler Beschaffung. Der Ausschluss von Rheinmetall unterstreicht das Prinzip, nur bewährte Systeme zu kaufen. Gleichzeitig bleibt die langfristige Skalierbarkeit ein kritischer Punkt, insbesondere im Kontext des ambitionierten Ausbaus der Drohnenflotte auf 8.000 Einheiten bis 2029. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die gewählte Lösung die angestrebte Lücke im NATO-Ostflankenschutz schließen kann, ohne dass Lieferengpässe die Einsatzbereitschaft gefährden.

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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