Entwicklung eines Drohnen-Schutzschilds von Rheinmetall und Telekom
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall und die Deutsche Telekom haben im Mai 2026 angekündigt, gemeinsam ein Drohnen-Schutzschild zu entwickeln. Ziel ist es, Städte und kritische Infrastrukturen (KRITIS) in Deutschland vor immer häufiger werdenden Drohnenangriffen zu schützen – ein Schritt, der angesichts der wachsenden Bedrohung durch hybride Kriegsführung und illegale Drohneneinsätze als besonders wichtig gilt.
Wachsende Bedrohung durch Drohnen
Berichte aus den letzten Jahren zeigen einen deutlichen Anstieg von Drohnensichtungen und illegalen Einsätzen. In urbanen Gebieten stiegen die Sichtungen um 120 % im Vergleich zu ländlichen Regionen, gemessen über die Jahre 2023-2025. Gleichzeitig nahm die Zahl illegaler Drohneneinsätze in Deutschland im Jahr 2025 um 35 % zu. Diese Entwicklungen verdeutlichen die Notwendigkeit moderner Schutztechnologien.
- Metric: Anstieg der Drohnensichtungen – 120 % (2026, urban vs. ländlich)
- Metric: Zunahme illegaler Drohneneinsätze – 35 % (2025, Deutschland)
- Metric: Marktanteil von Drohnen in sicherheitsrelevanten Anwendungen – 45 % (2026)
Technologische Basis – RF-Sensoren der Telekom
Seit 2017 ist die Telekom Systempartner von Behörden und Unternehmen bei der Drohnensicherheit. In diesem Zeitraum wurden verschiedene Sensoren internationaler Hersteller erprobt und in das Leistungsportfolio aufgenommen. Heute kommen bei Kundenprojekten Video-, Audio-, Radiofrequenz- (RF-) und Remote-ID-Sensoren sowie Drohnenradar zum Einsatz.
RF-Sensoren ermitteln die Funksignale von Fernbedienungen und Drohnen und machen dadurch mehr als 90 % aller Drohnen im unteren Luftraum sichtbar. Die Sensoren arbeiten passiv, können an bestehenden Funkmasten installiert werden und stören andere Mobilfunktechniken nicht – ein Vorteil, der besonders in dicht bebauten Stadtgebieten zum Tragen kommt.
„Souveränität entsteht nicht nur durch Diskussionen, sondern durch Taten. Die Telekom übernimmt hier Verantwortung: Mit unserer Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse bringen wir Drohnenabwehr auf ein neues Level. Gemeinsam mit Rheinmetall stärken wir so die Souveränität und leisten unseren Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren.“ – Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG
Kooperation Rheinmetall & Telekom – Ziele und Ansatz
Die beiden Unternehmen haben im Vorfeld der Fachausstellung AFCEA in Bonn ihre Partnerschaft besiegelt. Gemeinsam wollen sie einen Multi-Threat-Protection-Ansatz verfolgen, der sowohl Cyber- als auch physische Schutzmaßnahmen umfasst. Dazu zählen Perimeter-Sicherheit, Liegenschaftsschutz und die Integration von Drohnenabwehr in bestehende Sicherheitsarchitekturen.
Rheinmetall bringt seine langjährige Erfahrung im Bereich Flugabwehr, Sensor- und Datenverarbeitungstechnologien ein. Im Dezember 2025 wurde bereits eine strategische Partnerschaft mit der Polizei Hamburg und der Hamburg Port Authority zur Weiterentwicklung von Drohnendetektions- und Abwehrkonzepten im Hamburger Hafen geschlossen.
Aktuelle Anwendungsbeispiele und Tests
Die Telekom hat im In- und Ausland kritische Infrastrukturen, Liegenschaften und Großevents erfolgreich gegen Drohnen gesichert. Ein konkretes Beispiel ist der Polizeieinsatz bei der Fußball-Europameisterschaft 2024, bei dem illegale Drohnenflüge zuverlässig detektiert wurden.
Weitere Testfelder sind regionale Flughäfen wie Tannheim (Baden-Württemberg) sowie das 5G-Standalone-Hochleistungs-Netzwerk, das in Zusammenarbeit mit der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg als riesiges Radar fungiert. Dieses Netzwerk erkennt Veränderungen im Datenverkehr, die auf die Steuerung von Drohnen über Mobilfunknetze hinweisen.
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Herausforderungen und Risiken
Obwohl RF-Sensoren eine hohe Erkennungsrate besitzen, bestehen technologische Herausforderungen. Nicht alle Drohnen, insbesondere selbstgebaute Modelle, lassen sich zuverlässig erfassen. Das verbleibende Erkennungsrisiko stellt ein Sicherheitsrisiko dar, das durch kontinuierliche Weiterentwicklung der Sensorik und Datenanalyse reduziert werden muss.
Schnellüberblick:
Wie effektiv sind RF-Sensoren gegen Drohnen?
RF-Sensoren können derzeit mehr als 90 % aller Drohnen im unteren Luftraum sichtbar machen (Quelle S1).
Welche Trends treiben die Entwicklung von Drohnen-Schutztechnologien?
Der signifikante Anstieg von Drohnensichtungen um 120 % in urbanen Gebieten und die 35 %ige Zunahme illegaler Drohneneinsätze in Deutschland verdeutlichen den wachsenden Bedarf an zuverlässigen Abwehrsystemen.
Welche Rolle spielt das Mobilfunknetz in der Drohnendetektion?
Das Mobilfunknetz wird künftig selbst zum Sensor, indem es Datenverkehrs-Anomalien erkennt, die auf die Steuerung von Drohnen hinweisen. Dieses Konzept wird in einem 5G-Standalone-Netzwerk auf dem Campus der Uni-Bw getestet.
