Freigabe der ARGE DiNa155mm: Rahmenvertrag, technische Merkmale und strategische Bedeutung
Das Bundeskartellamt hat die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Nammo Raufoss AS und Diehl Defence GmbH & Co. KG zur Produktion von 155-mm-Artilleriemunition freigegeben. Die Entscheidung stärkt die Versorgungssicherheit der Bundeswehr in einem geopolitisch angespannten Umfeld und sorgt für mehr Wettbewerb in der deutschen Rüstungsindustrie.
Freigabe durch das Bundeskartellamt – Hintergrund und Bedeutung
Nach einer Prüfung des Vorhabens erklärte das Bundeskartellamt, dass Nammo bereits in erheblichem Umfang 155-mm-Artilleriemunition fertige, jedoch bislang keine Produktionsanlagen in Deutschland betreibe. Diehl sei dagegen nur in geringem Umfang in der Munitionserstellung tätig. Durch die gemeinsame GmbH könne jedoch ein leistungsfähiger Wettbewerber entstehen, der den Auftrag der Bundeswehr zuverlässig erfüllen kann.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, wurde mit den Worten zitiert: „Relevant war für uns unter anderem, dass Diehl den Auftrag nicht hätte allein erfüllen können. Nammo hat die von der Bundeswehr bestellte Munition entwickelt und hält das geistige Eigentum daran. Durch Diehls Zusammenarbeit mit Nammo wird der Wettbewerb daher nicht beschränkt. Geht man davon aus, dass Nammo eine Produktion in Deutschland nicht eigenständig aufbauen könnte oder ohne ein deutsches Partnerunternehmen keine Aussichten auf den Zuschlag gehabt hätte, werden Nammo und Diehl durch ihre Zusammenarbeit überhaupt erst zu einem leistungsfähigen Wettbewerber, was den Wettbewerb sogar fördert.“
Rahmenvertrag 2023/2024: Volumen, Liefermengen und Zeitplan
Der erste Rahmenvertrag wurde am 10. Juli 2023 zwischen dem Bundeswehr-Beschaffungsamt (BAAINBw) und der Arbeitsgemeinschaft DiNa155mm unterzeichnet. Im Juni 2024 erfolgte eine Erweiterung, die den größten Auftrag für konventionelle Artilleriemunition in der Firmengeschichte definiert.
- Rahmenvertragsvolumen: bis zu 15 Milliarden Euro (2024)
- Liefermenge: bis zu 2,35 Millionen komplette Geschosse inkl. Zünder (2024)
- Zeitraum: Abruf erster Lose unmittelbar nach Vertragsabschluss, weitere Lieferungen folgen nach Bedarf
Der Vertrag bildet die Grundlage für die langfristige Belieferung der Bundeswehr und ihrer verbündeten Staaten.
Technische Merkmale des DiNa155mm-Geschosses
Das DiNa155mm-Geschoss ist ein modernes HEER-Splitter-Sprenggeschoss, das in Norwegen entwickelt und international qualifiziert wurde. Es erfüllt die gängigen Ballistikstandards und ist bereits in mehreren Ländern im Einsatz.
- Sprengstofffüllung: mehr als 10 kg insensitiver Sprengstoff
- Komponentenverteilung: Diehl produziert den Geschossmantel und die Zünder (unter Nutzung von Junghans Microtec), Nammo liefert die Entwicklung, das geistige Eigentum und ausgewählte Bauteile
- Qualifikation: International anerkannt, bewährt im praktischen Einsatz
Wettbewerb und Risiken in der deutschen Artilleriemunitionsindustrie
Der Rheinmetall -Konzern aus Düsseldorf ist der größte Hersteller von Artilleriemunition in Deutschland und einer der größten weltweit. Sollte die Kooperation von Nammo und Diehl scheitern, könnte Rheinmetall seine Marktposition weiter stärken und damit die Versorgungssicherheit potenziell gefährden.
Dennoch wird durch die Zusammenarbeit ein neuer Wettbewerber geschaffen, der die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten reduziert.
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Häufige Fragen (FAQ)
Wie groß ist der Bundeswehr-Auftrag für DiNa155mm?
Der erweiterte Rahmenvertrag von 2024 umfasst Lieferungen von bis zu 2,35 Millionen Geschossen bei einem Gesamtvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro – der größte Auftrag für konventionelle Munition in der Firmengeschichte.
Was macht das DiNa155mm-Geschoss besonders?
Es handelt sich um ein modernes HEER-Splitter-Sprenggeschoss mit über 10 kg insensitivem Sprengstoff, das von Nammo entwickelt wurde, internationalen Ballistikstandards entspricht und bereits in mehreren Ländern im Einsatz bewährt ist.
Fazit
Die Freigabe des Gemeinschaftsunternehmens von Nammo und Diehl durch das Bundeskartellamt markiert einen entscheidenden Schritt für die strategische Unabhängigkeit der Bundeswehr. Mit einem Rahmenvertragsvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro und einer Liefermenge von bis zu 2,35 Millionen modernen 155-mm-Geschossen wird nicht nur die Versorgungssicherheit der deutschen Streitkräfte gestärkt, sondern auch ein neuer Wettbewerber in einem von Rheinmetall dominierten Markt geschaffen. Die Kombination aus Nammos Entwicklungs- und IP-Kompetenz sowie Diehls Produktionskapazität in Deutschland bildet die Basis für eine langfristige, zuverlässige Munitionserzeugung – sowohl für die Bundeswehr als auch für verbündete Staaten.
