GuardAero testet 36-Rohr-Turm APS1: Hard-Kill gegen FPV-Drohnen
Gründungsjahr2025Auszeichnung1. Platz Protection, 2026Rohrzahl36 RohreSensorabdeckung360 GradFPV-Verluste60-70 %
Hintergrund und Kooperation mit dem Bundesheer
GuardAero wurde 2025 in Graz als Rüstungs- und Technologie-Start-up gegründet. Von Beginn an arbeitete das Unternehmen eng mit dem österreichischen Bundesheer zusammen. Im selben Gründungsjahr gewann GuardAero die “Defense Innovation Garage Challenge” des Bundesheeres und präsentierte das System beim Technologie-Tag des Europa-Forums Wachau. Diese enge Zusammenarbeit ermöglichte eine frühe Testphase und die Anpassung des APS1 an die Anforderungen militärischer Fahrzeugplattformen.
Im Oktober 2026 erhielt GuardAero den “Protection Award” im Rahmen des Defence Innovation Pitch Day in München, wo das Unternehmen den ersten Platz in der Kategorie Protection belegte. Der Preis bestätigt das Interesse offizieller Streitkräfte an einer kinetischen Hard-Kill-Lösung für die Drohnenabwehr.
Funktionsprinzip: Sensorik und schrotbasierte Abfangeffektoren
Das Kernstück des APS1 ist ein motorisierter, drehbarer Geschützturm mit 36 Einzelläufen. Jeder Lauf ist sofort feuerbereit und kann eine Schrotladung abfeuern, die nach dem Shotgun-Prinzip eine dichte Schrot-Garben erzeugt. Die Schrotmunition zerstört die Propeller, Sensoren oder Zünder anfliegender Kleindrohnen im Nahbereich.
Zur Vorwarnung und Zielerfassung nutzt das System vier passive optische Sensorblöcke, die an den Fahrzeugdächern montiert sind. Diese Module liefern eine lückenlose 360-Grad-Luftraumüberwachung. Ergänzt wird die passive Erfassung durch eine zentrale elektrooptische Zieleinheit, die Wärmebild- und Tageslichtkamera kombiniert, um das anvisierte Ziel präzise zu verfolgen und den Abschusszeitpunkt zu steuern.
Durch die Kombination aus Rundum-Sensorik und schnell drehbarem Turm kann das APS1 Bedrohungen aus allen Richtungen innerhalb weniger Sekunden erfassen, anvisieren und mit der Schrotgarbe neutralisieren – die letzte Verteidigungslinie unmittelbar vor dem Aufprall.
Bedarfstreiber: Ausfall konventioneller EW-Maßnahmen
Moderne FPV-Drohnen werden zunehmend über glasfaserbasierte Steuerverbindungen (LWL) oder autonom gesteuerte KI-Zielerkennung im Endanflug gesteuert. Diese Technologien machen elektronische Störsender (Jammer) weitgehend wirkungslos. Laut Militäranalysen aus dem Jahr 2025 entfallen 60-70 % der Fahrzeug- und Personalausfälle an Fronten auf Angriffe mit FPV-Drohnen.
In solchen Szenarien ist eine physische Zerstörung der Drohne die einzige verlässliche Schutzmaßnahme. Das APS1 liefert genau diese Hard-Kill-Option und ergänzt damit bestehende elektronische Gegenmaßnahmen. Besonders für Logistik- und Gefechtsfahrzeuge, die in urbanen oder frontnahen Umgebungen operieren, wird die kinetische Abfanglösung zu einer Überlebensfrage.
Risiken und Gegenargumente
- Rasche Munitionserschöpfung bei SalvenfeuerVideoanalysen zeigen, dass APS1 bei einem Abfangversuch mehrere Schrotladungen abfeuert. Mit 36 Läufen reicht der Vorrat realistisch nur für 6 bis 12 Zielbekämpfungen, bevor eine manuelle Nachladung nötig ist – ein potenzielles Problem bei koordinierten Schwarmangriffen.
- Gefährdung von BegleitinfanterieDie beim Abschuss entstehende Schrot- und Splitterwolke kann in unmittelbarer Nähe befindliche eigene Kräfte verletzen, insbesondere wenn diese in Deckung hinter dem geschützten Fahrzeug stehen.
- Fehlende Sensorreichweite bei schlechter WitterungDas reine optische und thermische Sensorsystem kann bei dichtem Nebel, Rauchgranaten oder starkem Schneefall an Vorwarnzeit verlieren, weil kein ergänzendes Miniaturradar zum Einsatz kommt.
Schnellüberblick
Was genau verschießt der 36-Rohr-Turm des GuardAero APS1?
Das System nutzt schrotbasierte Munition (Shotgun-Prinzip), bei der eine dichte Schrotgarbe kinetisch die Propeller, Sensoren oder Zünder anfliegender Kleindrohnen im Nahbereich zerstört.
Warum reichen elektronische Störsender (Jammer) an Fahrzeugen nicht mehr aus?
Gegnerische FPV-Drohnen setzen vermehrt auf störresistente Glasfaserverbindungen oder autonome KI-Bilderkennung im Endanflug, wodurch elektronische Gegenmaßnahmen wirkungslos bleiben und nur kinetische Hard-Kill-Treffer Schutz bieten.
Auf welchen Fahrzeugklassen kann das APS1 montiert werden?
APS1 ist modular und gewichtsoptimiert konzipiert, sodass es neben Kampfpanzern primär auch auf ungeschützten Pick-ups, Transport-Lkws und leichten 4×4-Gefechtsfahrzeugen nachgerüstet werden kann.
Quellen · 4
Stand: 28.10.2026- unn.ua en/news/a-new-austrian-system-for-protection-against-fpv-drones-which-has-already-underg …
- militaeraktuell.at guardaero-protection-award-pitch-day-muenchen
- resiliencemedia.co fpv-drones-autonomous-warfare
- guard-aero.com news/defence-innovation-pitch-day-2026
Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.
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