Kinetic Countermeasures: HENSOLDT erweitert ASUL um Hard‑Kill‑Fähigkeiten
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat HENSOLDT beauftragt, das seit 2022 einsatzbewährte Drohnenabwehrsystem ASUL um kinetische Wirkmittel zu ergänzen. Durch die Integration einer KONGSBERG -Waffenstation und ein anstehendes Sensor-Update mit dem SPEXER-Radar wird das System künftig sowohl Soft-Kill- als auch Hard-Kill-Möglichkeiten bieten – ein entscheidender Schritt angesichts der steigenden Drohnenbedrohung, die im Ukraine-Krieg bereits bis zu 80 % der russischen Verluste ausmacht.
Hintergrund: Drohnenbedrohung im modernen Konflikt
Der anhaltende Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass ferngesteuerte FPV-Drohnen zu den effektivsten Waffen gehören. Laut einer Analyse von Oryx machen FPV-Drohnen bis zu 80 % der russischen Verluste aus. Soft-Kill-Methoden wie Störsender können von diesen autonomen Systemen häufig umgangen werden, wodurch ein physischer Eingriff – ein Hard-Kill – unverzichtbar wird.
FPV-Drohnen im Ukraine-Krieg
- Hohe Trefferwahrscheinlichkeit bei geringem Kostenaufwand
- Umgehung elektronischer Gegenmaßnahmen
- Verursachen bis zu 80 % der beobachteten Verluste
ASUL – bewährtes C-sUAS-System seit 2022
ASUL (Counter-small Unmanned Aircraft System) ist ein modulares System, das seit 2022 in unterschiedlichen Szenarien der Bundeswehr eingesetzt wird. Es kombiniert aktive und passive Radarsysteme, elektrooptische Sensoren und ein breites Spektrum an Gegenmaßnahmen. Die Führungssoftware Elysion Mission Core nutzt KI-gestützte Algorithmen, um Daten aus allen Quellen zu fusionieren und Entscheidungshilfen für die Einsatzkräfte zu bieten.
- Modularer Sensor-Effektor-Mix für Echtzeit-Detektion und -Bekämpfung
- Soft-Kill-Fähigkeiten (Jamming, Täuschung) bisher
- Einsatz seit 2022 mit kontinuierlicher Weiterentwicklung
Sensorik-Update 2025: SPEXER- Radar
Im Frühjahr 2025 wird das SPEXER-Radar der nächsten Generation in ASUL integriert. Das passive Radar bietet eine Erkennungsreichweite von bis zu 25 km für kleine UAS, abhängig von deren Radar-Cross-Section (RCS). Die verbesserte Reichweite und Klassifikation stärken die Detektionsbasis für die geplanten kinetischen Effektoren.
- Passives Radar mit hoher Genauigkeit
- Erkennungsreichweite: 0-25 km (kleine Drohnen)
- Update-Zeitpunkt: Anfang 2025
Hard-Kill-Integration: KONGSBERG PROTECTOR RWS im 10-Fuß-Container
Die KONGSBERG-Waffenstation PROTECTOR Remote Weapon Station wird in einen 10-Fuß-Container eingebaut und an die Bundeswehr-Waffen angepasst. Sie nutzt bewährte Bundeswehr-Waffen, darunter die 30-mm-MK30-2, und erreicht eine effektive Reichweite von bis zu 2 km gegen Drohnen. Der neue Führungscontainer ermöglicht die enge Zusammenarbeit von Kommandant, Elysion-Operator und Waffenbediener.
- Integration in 10-Fuß-Container für mobile Einsatzfähigkeit
- 30-mm-Maschinenwaffe, Reichweite bis 2 km (2024)
- Skalierbare Hard-Kill-Optionen je nach Bedrohungslage
KI-gestützte Führungssoftware Elysion – Datenfusion und Entscheidungsunterstützung
Elysion Mission Core fängt Sensordaten von SPEXER, elektrooptischen Systemen und vernetzten Luftabwehr-Komponenten auf, verarbeitet sie mittels KI-Algorithmen und liefert präzise Handlungsempfehlungen. Der neue Führungscontainer synchronisiert die Informationen zwischen Kommandant, Operator und Waffenbediener, sodass innerhalb von Sekunden auf erkannte Drohnen reagiert werden kann.
- Fusion von Radar-, EO- und Netzwerkdaten
- KI-gestützte Analyse für schnelle Entscheidungsfindung
- Unterstützt sowohl Soft-Kill- als auch Hard-Kill-Maßnahmen
Strategische Bedeutung für die Bundeswehr
Die Erweiterung von ASUL um kinetische Wirkmittel stärkt die Einsatzsicherheit der Bundeswehr in Szenarien, in denen Soft-Kill-Methoden allein nicht mehr ausreichen. „Die Integration kinetischer Wirkmittel stärkt die Einsatzsicherheit erheblich“, erklärte ein Sprecher von HENSOLDT in der offiziellen Pressemitteilung. Gleichzeitig reduziert die Kombination aus modernem Sensor-Update und KI-gestützter Führungssoftware die Reaktionszeit auf Bedrohungen und erhöht die Gesamtwirksamkeit des Luftverteidigungssystems.
Die Abhängigkeit von Technologiepartnern wie KONGSBERG birgt zwar Lieferkettenrisiken, bietet jedoch zugleich die Chance, europäische Souveränität im Verteidigungsbereich zu festigen. Während konkrete Kosten- und Beschaffungszeitrahmen bislang nicht veröffentlicht wurden, wird erwartet, dass die Hard-Kill-Komponente bis 2025 einsatzbereit ist.
Fazit
Durch die Kombination aus einem leistungsfähigen SPEXER-Radar, der KI-gestützten Elysion-Software und der KONGSBERG PROTECTOR-Waffenstation erhält das ASUL-System eine umfassende Hard-Kill-Fähigkeit. Dies ist ein notwendiger Schritt, um den wachsenden Bedrohungen durch autonome FPV-Drohnen, wie sie im Ukraine-Krieg bereits bis zu 80 % der Verluste ausmachen, wirksam zu begegnen. Die Weiterentwicklung von ASUL demonstriert die Fähigkeit der Bundeswehr, modulare und zukunftsfähige Luftverteidigungslösungen zu realisieren – ein entscheidender Beitrag zur europäischen Sicherheitsarchitektur.
