Lockheed Martin investiert 35 Mio. $ in modularen AGM-158 FLEX
Lockheed Martin stellt das modulare Flugkörperkonzept AGM-158 FLEX vor – ein flexibles Baukastensystem für die JASSM- und LRASM-Familie, das mit einer Eigeninvestition von 35 Millionen US-Dollar entwickelt wird. Das System soll die Anpassungsfähigkeit an Luft-, See- und Bodentruppen erhöhen, Technologie-Upgrades beschleunigen und langfristige Beschaffungs- sowie Modernisierungskosten senken.
Modularer Baukasten: Konzept und Vorteile
Der FLEX-Flugkörper setzt auf austauschbare Module, die den Rumpf in drei Hauptbereiche unterteilen: eine abnehmbare Nase, ein modularer Heckkonus und ein standardisierter Rumpf. Durch diese Trennung können unterschiedliche Sensor- und Suchkopfpakete sowie Startkonfigurationen schnell integriert werden.
- Schneller Austausch von Nasenmodulen ermöglicht das Einbauen neuer Infrarot-/IIR- oder Multimode-RF/ESM-Köpfe ohne komplette Neuzertifizierung.
- Der modulare Heckkonus unterstützt Startvorrichtungen von Boden-, Oberflächen- und Unterwasserplattformen.
- Standardisierte Rumpfstruktur reduziert Produktionskomplexität und senkt Kosten.
„Our modular design will also unlock future cost savings by giving customers the ability to change components and upgrade capabilities as needed to avoid obsolescence,“ betont ein Sprecher von Lockheed Martin.
Technische Details und Konfigurationen
FLEX wird in zwei Längenkonfigurationen angeboten, die den bestehenden JASSM-Varianten entsprechen:
- 168 Zoll (ca. 4,27 m) – Basisversion, entspricht JASSM-ER.
- 206 Zoll (ca. 5,23 m) – Langstreckenkonfiguration, entspricht JASSM-XR.
Beide Varianten nutzen denselben modularen Rumpf, während die Länge des Heckkonus je nach Einsatzprofil angepasst wird. Die modulare Bauweise erlaubt zudem die Integration von zukünftigen Sensor-Upgrades, ohne dass der gesamte Flugkörper neu gefertigt werden muss.
Produktionsstandort Troy, Alabama
Die Fertigung des FLEX-Konzepts erfolgt in der hochautomatisierten Produktionshalle von Lockheed Martin in Troy, Alabama. Die Erweiterung im Jahr 2022 vergrößerte die Fläche um 225 000 Quadratfuß (ca. 20 903 m²), um den wachsenden Bedarf des Pentagon an JASSM- und LRASM-Marschflugkörpern zu decken.
Die Anlage kombiniert robotergestützte Lackier- und Beschichtungsverfahren für Stealth-Oberflächen mit standardisierten Baugruppenprüfungen, um hohe Durchlaufzeiten sicherzustellen. „We recognized a demand from our customers for increased options to support their evolving strategic defense and mission needs,“ erklärt das Unternehmen.
Startoptionen und Multi-Domain-Operations
Der austauschbare Heckkonus von FLEX ist für verschiedene Abschussvorrichtungen konzipiert:
- Mark-41 Vertical Launching System (Mk-41 VLS) der U.S. Navy.
- Containerisierte Bodenstarter für mobile Bodeneinheiten.
- Start aus Oberflächen- und Unterwasserplattformen, unterstützt durch den modularen Boat-Tail.
Im Jahr 2016 demonstrierte Lockheed Martin bereits erfolgreiche Testabschüsse einer mit Booster versehenen LRASM aus Mk-41-Zellen, was die Serienreife des FLEX-Konzepts für diese Startoptionen unterstreicht.
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Wirtschaftliche Aspekte und Investition
Die Eigeninvestition von 35 Millionen US-Dollar deckt Entwicklung, Design, Test, Prototypenproduktion und die Qualifizierung wichtiger Zulieferer ab. Durch die Nutzung der bestehenden JASSM- und LRASM-Produktionslinie kann Lockheed Martin hohe Stückzahlen effizient fertigen, ohne separate Fertigungslinien für spezialisierte Varianten aufzubauen.
Der modulare Ansatz verspricht zudem Kosteneinsparungen über den gesamten Lebenszyklus, da Komponenten nach Bedarf ausgetauscht und aktualisiert werden können, anstatt das gesamte System zu ersetzen.
Risiken und offene Fragen
- Kein formeller Beschaffungsvertrag (Program of Record) – FLEX bleibt derzeit eine firmenfinanzierte Eigeninitiative.
- Strukturelle und aerodynamische Kompromisse durch Trennstellen – Steckverbindungen, Dichtungen und mechanische Verriegelungen können zusätzliches Gewicht bringen und die Stealth-Eigenschaften an den Fugen beeinträchtigen.
- Begrenzte Plattformkompatibilität der 206-Zoll-Variante – die gestreckte Version überschreitet die Innenwaffenschächte und Außenlastgrenzen kleinerer Kampfflugzeuge und bleibt vorrangig für schwere Bomber oder boden-/schiffsgestützte Startsysteme geeignet.
Schnellüberblick:
Was unterscheidet AGM-158 FLEX von bisherigen JASSM- und LRASM-Raketen?
Bisherige Varianten besitzen weitgehend feste Rumpfstrukturen, die werkseitig als Landangriffs- (JASSM) oder Seezielflugkörper (LRASM) gebaut werden. FLEX führt abnehmbare Nasen- und Heckmodule ein, wodurch derselbe Grundkörper flexibel für verschiedene Suchköpfe und Startumgebungen umgerüstet werden kann.
Welche Streitkräfte können von FLEX profitieren?
Neben der US Air Force und US Navy bietet das Konzept auch Heeresverbänden (U.S. Army) sowie internationalen Nutzern – darunter Australien, Finnland, Polen und Deutschland – die Möglichkeit, Munitionsdepots zu vereinheitlichen und flexibler zu disponieren.
Wann soll FLEX in Dienst gestellt werden?
Lockheed Martin stellte das Konzept im September 2026 auf der AFA-Konferenz vor; Prototypen wurden bereits getestet. Ein konkretes Indienststellungsdatum hängt von künftigen Auftragsvergaben des US-Militärs ab.
