Lockheed Martin verkürzt Entwicklung mit Strigo-Produktzentrum
Lockheed Martin hat die modulare Technologie-Familie „Strigo“ sowie das zugehörige „Strigo Product Center“ vorgestellt, um die Entwicklungszeiten von Raketensensoren und Suchköpfen von Jahren auf wenige Monate zu reduzieren. Der Ansatz kombiniert eine einheitliche Architektur für RF-Sensoren, Datenlinks und Suchköpfe mit proaktiven Eigeninvestitionen, die die schnelle Bereitstellung moderner Munition ermöglichen.
Modulare Strigo-Familie und das Strigo Product Center
Die Strigo-Familie besteht aus einer gemeinsamen technischen Basisarchitektur, die es erlaubt, unterschiedliche Komponenten – von Radar- bis zu Kommunikations- und Suchkopf-Systemen – innerhalb kürzester Zeit für verschiedene Einsatzszenarien umzurüsten. Das Strigo Product Center fungiert dabei als technologisches Lagerhaus, das bereits entwickelte Bausteine bereitstellt, bevor offizielle Militärausschreibungen vorliegen.
- Investition von 250 Millionen US-Dollar in das Produktzentrum (2026)
- Entwicklungszeit von Erstkonzept bis getesteter Lösung: wenige Monate
- Gemeinsame Architektur für RF-Sensoren, Datenlinks und Suchköpfe
„Indem wir proaktive Forschung in den Vordergrund stellen, ermöglicht das Strigo Product Center, neue Lösungen in bisher ungekanntem Tempo zu testen und einzusetzen“, erklärt Stacy Kubicek, Vice President und General Manager von Lockheed Martin Sensors and Global Sustainment.
Praxisnachweis: Precision Strike Missile (PrSM) Increment 2
Ein erstes großes Projekt, das die Strigo-Technologie nutzt, ist das Precision Strike Missile (PrSM) Increment 2-Programm der U.S. Army. Im März 2026 absolvierte die Rakete mit einem neuen, auf Strigo-Basis entwickelten Suchkopf einen erfolgreichen Testflug über eine Distanz von 350 Kilometern. Der Test belegt, dass die modulare Architektur nicht nur ein Labor-Konzept bleibt, sondern bereits in realen Waffensystemen eingesetzt wird.
- Testflug im März 2026 – 350 km Reichweite
- Erster erfolgreicher Einsatz von Strigo-basiertem Suchkopf im PrSM Increment 2
Durch die Wiederverwendung erprobter Architektur-Standards konnten die Entwicklungs- und Testzeiten erheblich verkürzt werden, was langfristig die Lebenszykluskosten für Beschaffungsbehörden senkt.
Paradigmenwechsel im Beschaffungswesen – Der Storefront-Ansatz
Das vor weniger als zwei Jahren gegründete Strigo Product Center arbeitet nach dem sogenannten „Storefront“-Ansatz. Anstatt auf detaillierte Lastenhefte und Ausschreibungen zu warten, entwickelt Lockheed Martin Schlüsselkomponenten proaktiv und stellt sie als sofort verfügbare Hardware bereit. Dieser Ansatz reagiert auf die weltweite Munitionsknappheit und den Wunsch des Pentagons, Beschaffungszyklen zu verkürzen.
- Produktzentrum etabliert < 2 Jahre (2026)
- Proaktive Entwicklung reduziert Beschaffungszeit und Lagerhaltungskosten
- Ermöglicht schnelle Anpassung an wechselnde Bedrohungslagen
Risiken und Herausforderungen
Der Storefront-Ansatz birgt jedoch auch Risiken. Die Vorab-Entwicklung ohne gesicherte Abnahme kann zu finanziellen Verlusten führen, falls spätere Spezifikationen der Streitkräfte abweichen. Zudem können standardisierte Schnittstellen potenzielle Schwachstellen gegenüber elektronischer Kriegsführung (Cyber- und EW-Verletzlichkeit) schaffen.
- Finanzielles Risiko bei fehlender Auftragsgarantie
- Erhöhte Angriffsfläche durch gemeinsame Architekturen
Schnellüberblick:
Wie stark verkürzt Strigo die Entwicklungszeit?
Das Strigo Product Center kann Konzepte von der Erstentwicklung bis zu getesteten Lösungen in wenigen Monaten realisieren – im Vergleich zu früheren Zeitrahmen von mehreren Jahren.
Wie hoch ist die Eigeninvestition von Lockheed Martin?
Lockheed Martin hat 250 Millionen US-Dollar in das Strigo Product Center investiert (2026).
Welcher Testflug demonstrierte die Praxisreife von Strigo?
Im März 2026 legte das PrSM Increment 2 mit einem Strigo-basierten Suchkopf eine Distanz von 350 Kilometern zurück.
Welche Risiken sind mit dem Storefront-Ansatz verbunden?
Finanzielle Risiken durch Vorab-Entwicklung ohne Auftragsgarantie sowie mögliche Cyber- und EW-Verletzlichkeiten durch standardisierte Schnittstellen.
Wird Strigo bereits in aktiven Waffenprogrammen eingesetzt?
Ja, Strigo-Komponenten lieferten wesentliche Grundlagen für das Suchkopf-System des PrSM Increment 2 der U.S. Army, das im März 2026 erfolgreich erprobt wurde.
