US Air Force fertigt C-17-Nasenpanel robotisch – ohne Werkzeug
Am 4. März 2025 verursachte ein starkes Unwetter am Perot Field Fort Worth Alliance Airport in Texas erhebliche Schäden an einer geparkten C-17 Globemaster III der 445th Airlift Wing. Während Rumpf und Tür vor Ort repariert werden konnten, blieb das linke Nasenpanel als Einzelteil ohne Lieferanten – die Produktion der C-17 wurde bereits 2015 von Boeing eingestellt. Das Rapid Sustainment Office (RSO) der US Air Force nutzte daraufhin das robotische Incremental Sheet Forming (ISG), um das Bauteil eigenständig zu fertigen und die Flugzeugflotte langfristig einsatzfähig zu halten.
Hintergrund des Schadensfalls an C-17 Tail 0194
Am 4. März 2025 wehten am Perot Field Fort Worth Alliance Airport Windböen von bis zu 130 km/h, die zwei Bombardier-Challenger-Geschäftsflugzeuge in das Rumpfsegment einer C-17 der 445th Airlift Wing schleuderten. Die strukturellen Schäden an Rumpf und Tür wurden sofort behoben, das linke Nasenpanel jedoch blieb unersetzlich, weil kein ziviler Zulieferer bereit war, für ein einzelnes Teil teure Pressformen zu fertigen.
Robotisches Incremental Sheet Forming (ISF) – Funktionsweise
ISF ist ein werkzeugloses Fertigungsverfahren, bei dem ein robotergesteuerter Stift ein flaches Metallblech schrittweise in die gewünschte dreidimensionale Form drückt. Ohne Guss- oder Presswerkzeuge entstehen Einzelteile direkt aus der Rohplatte, was insbesondere für seltene Ersatzteile von Vorteil ist.
- Kein dediziertes Guss- oder Presswerkzeug erforderlich
- Ermöglicht schnelle Produktion von Einzelstücken
- Reduziert Ausfallzeiten von Jahren auf wenige Monate
Unterschied zu 3D-Druck
Beim 3D-Druck wird Material Schicht für Schicht aufgebaut (additive Fertigung). ISF dagegen verformt ein bereits vorhandenes Blech lokal und schichtweise (subtraktive Formgebung), ohne Material hinzuzufügen.
Strategische Zusammenarbeit zwischen RSO und University of Dayton Research Institute (UDRI)
Das Fertigungsprojekt entstand im Rahmen des Advanced Manufacturing Program Office (AMPO) des RSO in enger Partnerschaft mit dem University of Dayton Research Institute (UDRI). Im Januar 2026 startete die ISF-Panelfertigung am RSO-Standort in Dayton. Der UDRI-Supportvertrag für das RSO erreichte einen Höchstwert von 850 Millionen USD (IDIQ-Vertrag 2026), was die massive Investition des DoD in universitäre Forschungsgruppen unterstreicht.
„Dies ist ein enormer Gewinn für unsere Instandhaltungsgruppe“, sagte Col. Karen Gharst, Kommandeurin der 445th Maintenance Group. „Durch die ISF-Technologie konnten wir ein ansonsten unbeschaffbares Teil schnell produzieren und einen langen Stillstand vermeiden.“
Vorteile und Herausforderungen von ISF
Die Technologie bietet klare Vorteile, birgt jedoch auch spezifische Risiken, die im Folgenden dargestellt werden.
- Vorteil: Vermeidung von bis zu zwei Jahren Stillstands- und Reparaturzeit (Quelle S2)
- Vorteil: Flexibilität für Einzel- und Kleinserienfertigung ohne teure Werkzeuge
- Herausforderung: Lange Fertigungszeit pro Einzelstück im Vergleich zu traditionellen Massenpressen
- Herausforderung: Aufwendige Material- und Lufttüchtigkeitszertifizierung für jedes Bauteil
Einsatz für weitere Flugzeugmuster
Parallel zur C-17-Reparatur prüft die US Air Force den Einsatz von ISF für weitere Flugzeugtypen:
- KC-135 Stratotanker – Betankungsflugzeug
- F-15 Eagle – Kampfflugzeug
Die Tests laufen derzeit, wobei die gleichen werkzeuglosen Prinzipien zur schnellen Beschaffung kritischer Komponenten genutzt werden sollen.
Schnellüberblick:
Wie unterscheidet sich Incremental Sheet Forming (ISF) vom 3D-Druck?
Beim 3D-Druck (additive Fertigung) wird Material Schicht für Schicht aufgebaut. Bei ISF drückt ein Roboterstift ein bestehendes flaches Metallblech lokal schrittweise in die gewünschte dreidimensionale Form, ohne dass eine Gussform nötig ist.
Warum konnte Boeing das Ersatzteil nicht mehr herstellen?
Boeing schloss die C-17-Produktionslinie bereits 2015. Kein ziviler Zulieferer war bereit, für ein einzelnes Bauteil kostspielige Werkzeuge und Pressformen anzufertigen, sodass der traditionelle Lieferweg blockiert war.
Für welche weiteren Flugzeugmuster wird ISF getestet?
Die US Air Force erprobt die Technologie aktuell für Komponenten des Betankungsflugzeugs KC-135 Stratotanker sowie des Kampfflugzeugs F-15.
