Neue Beschaffungsentscheidung im CaMo-Programm: Gesamtzahlen, industrielle Zusammenarbeit und NATO-Beitrag
Am 30. Dezember 2025 hat die französische Rüstungsdirektion DGA im Namen des belgischen Verteidigungsministeriums die Lieferung von 92 zusätzlichen Griffon- und 123 Serval-Fahrzeugen an KNDS France beauftragt. Gleichzeitig erhalten die luxemburgischen Streitkräfte im Rahmen des NATO Defence Planning Process (NDPP) 38 Jaguar- und 16 Griffon-Fahrzeuge. Diese Bestellung erweitert die bisherige CaMo-Flotte Belgiens, das bislang 417 Griffon, 60 Jaguar und 103 Serval bestellt hatte, und markiert die erste Serval-Beschaffung für Belgien. Damit erhalten beide Länder Zugang zur vollen Scorpion-Fahrzeugpalette, stärken die Interoperabilität innerhalb der NATO und erhöhen den lokalen industriellen Mehrwert.
Umfang der neuen Bestellung – Zahlen im Überblick
- Neue Griffon-Bestellung für Belgien: 92 Stück (Jahr 2025, Quelle S1)
- Erste Serval-Bestellung für Belgien: 123 Stück (Jahr 2025/2026, Quelle S1)
- Luxemburgs Beitrag für das Guide-Chasseurs-Bataillon: 38 Jaguar und 16 Griffon (Jahr 2026, Quelle S1)
- Gesamtbestand nach neuer Order (Stand 2025/2026):
- Griffon: 509 Stück (417 + 92)
- Serval: 226 Stück (103 + 123)
- Jaguar: 60 Stück (unverändert)
Bedeutung für die Interoperabilität und NATO-Verpflichtungen
Die Erweiterung der Flotte stellt einen direkten Beitrag zur Erfüllung der NATO-Fähigkeitszusagen Belgiens dar. Durch die Integration von Griffon, Jaguar und dem neuen Leichtpanzer Serval wird die gesamte Scorpion-Palette nutzbar, was gemeinsame Operationen mit anderen NATO-Partnern erleichtert.
„Die neue Order ergänzt das CaMo-Programm um 269 Fahrzeuge und markiert Belgiens erste Serval-Beschaffung, womit die Streitkräfte Zugang zur vollen Scorpion-Palette erhalten.“ – KNDS France, 2026
Der Zugang zu beiden 6×6- und 4×4-Plattformen ermöglicht flexible Einsätze von Aufklärung bis zu leichten Panzerungen und stärkt damit die gemeinsame Einsatzfähigkeit innerhalb des Bündnisses.
Industrielle Verteilung und lokaler Mehrwert
Die Produktion der Fahrzeuge erfolgt in einem temporären Industriekonsortium (Groupements Momentanés d’Entreprises, GME). Die Partnerstruktur lautet:
- Griffon und Jaguar: KNDS France, Arquus, Thales
- Serval: KNDS France, Texelis
Ein großer Teil der Montage findet im belgischen Werk MOL CY statt. Dort werden die Fahrzeuge nicht nur zusammengebaut, sondern auch mit fernbedienbaren Waffenstationen (Remote-Controlled Weapon Stations, RCWS) von FN Herstal ausgestattet. Für die Serval-Fahrzeuge wird der Montageanteil in Belgien bewusst erhöht, um die lokale Wertschöpfung zu steigern:
„Das CaMo-Programm generiert weiterhin einen hohen industriellen und volkswirtschaftlichen Mehrwert für Belgien.“ – KNDS, 2026
Zusätzlich wird ein Ersatzteil- und InstandhaltungsLogistiksystem aufgebaut, das die operative Verfügbarkeit der neuen Verbände langfristig sichern soll.
Ausblick für Belgien und Luxemburg – Zeitplan und Risiken
Die ersten Lieferungen der neuen Griffon- und Serval-Fahrzeuge sind für das Jahr 2025 geplant, während die vollständige Auslieferung bis 2026 abgeschlossen sein soll. Das luxemburgische Guide-Chasseurs-Bataillon soll laut NATO-Planungen erst ab 2030 vollständig operativ sein, da Ausbildung und Integration Zeit benötigen.
Gegenwärtig bestehen zwei wesentliche Gegenpunkte:
- Liefertermine: Die ersten Fahrzeuge werden ab 2025/2026 eintreffen, die volle operative Einsatzfähigkeit des luxemburgischen Bataillons wird jedoch erst 2030 erwartet.
- Kostentransparenz: Offizielle Kosten wurden nicht veröffentlicht; Schätzungen liegen bei rund 1,15 Mrd. €.
Diese Punkte verdeutlichen, dass die Beschaffung zwar strategisch wichtig ist, aber realistische Zeit- und Budgetrahmen berücksichtigt werden müssen, um Über- oder Fehlinterpretationen zu vermeiden.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Griffon, Jaguar und Serval?
Griffon (6×6) ist ein Mehrzweck-Trägerfahrzeug, Jaguar (6×6) ein Aufklärungskämpfer und Serval (4×4) ein leichter Mehrzweckpanzer. Alle drei Plattformen sind Scorpion-kompatibel und fördern die Interoperabilität.
Warum montiert Belgien die Fahrzeuge selbst?
Die Montage in Belgien schafft hohen volkswirtschaftlichen Mehrwert, erhöht die Verfügbarkeit durch ein lokales Logistiksystem und stärkt die industrielle Basis des Landes.
Wie trägt die Beschaffung zu NATO-Verpflichtungen bei?
Sie erfüllt Fähigkeitszusagen im NATO-Defence-Planning-Process, stärkt das gemeinsame Guide-Chasseurs-Bataillon von Belgien und Luxemburg und unterstützt einheitliche Operationen bis 2030.
Fazit
Die neue Beschaffungsentscheidung im CaMo-Programm erweitert die belgische Flotte um 92 Griffon- und 123 Serval-Fahrzeuge und integriert Luxemburg mit 38 Jaguar- und 16 Griffon-Einheiten. Damit erhalten beide Länder Zugang zur vollständigen Scorpion-Palette, stärken die NATO-Interoperabilität und erzeugen signifikante lokale Wertschöpfung durch erweiterte Montage in Belgien. Trotz realistischer Liefer- und Kostenrahmen bleibt die volle Einsatzbereitschaft des luxemburgischen Bataillons erst 2030 zu erwarten – ein wichtiger Hinweis für die langfristige Planung.
Quellen
KNDS, „The CaMo program reaches a new milestone with the order of 269 additional vehicles“, 2026-01, https://knds.com/en/press-releases/the-ca-mo-program-reaches-a-new-milestone-with-the-order-of-269-additional-vehicles
Europäische Sicherheit & Technik, „Zehn Jahre Scorpion mit Griffon, Serval, Jaguar, Leclerc und SICS“, 2025-03, https://esut.de/2025/03/meldungen/58045/zehn-jahre-scorpion-mit-griffon-serval-jaguar-leclerc-und-sics/
