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Rheinmetall modernisiert 35-mm-Zwillingskanonen zu Skyguard NG

Rheinmetall modernisiert 28 bestehende 35-mm-Zwillingsfliegerabwehrkanonen des österreichischen Bundesheeres zu Skyguard Next Generation, um Drohnen, Loitering-Munitions und Marschflugkörper effektiver abwehren zu können.

3 Min. Lesezeit

Netto-Auftragsvolumen532 Mio. EURGesamtkosten inkl. Infrastruktur690 Mio. EURAnzahl modernisierter Geschütze28 StückAnzahl taktischer Einheiten7 EinheitenVertragslaufzeit48 MonateBeschaffte Skyranger-30-Systeme36 FahrzeugeWolfram-Subprojektile pro Ahead-Patrone152 Stück

Modernisierungsprogramm “Mission Vorwärts” im Überblick

Im Rahmen des Bundesheer-Aufbauplans “Mission Vorwärts” hat das Bundesministerium für Landesverteidigung im Dezember 2023 Rheinmetall Air Defence mit einem Netto-Auftragsvolumen von 532 Millionen Euro beauftragt, 28 bestehende 35-mm-GDF-Zwillingsgeschütze zu modernisieren. Die Projektlaufzeit beträgt 48 Monate, beginnend im Februar 2024, und sieht die schrittweise Auslieferung von sieben taktischen Einheiten bis Anfang 2028 vor. Jede Einheit besteht aus vier modernisierten Geschützen, einer hochmodernen AESA-Multisensoreinheit und einem abgelegten Gefechtsstand, die zusammen ein autonomes, vernetztes Luftverteidigungssystem bilden.

Technische Details der Skyguard Next Generation (Skynex)

Die Modernisierung geht über eine reine Generalüberholung hinaus. Die alten Skyguard-Konsolen werden durch das digitale Skymaster-Feuerleitsystem ersetzt, das die Bediener in sicherer Entfernung zum Geschütz positioniert. Die Sensorik wird durch fest installierte Radar- und elektrooptische Paneele ersetzt, die kleinste Drohnen zuverlässig bis zu 4 000 Meter erkennen. Die Geschütze erhalten die programmierbare 35-mm-Ahead-Munition (PMD062), die per Mikrosekunden-Timing in der Mündungsbremse programmiert wird und kurz vor dem Ziel eine Wolke aus 152 wolframhaltigen Subprojektilen freisetzt.

Effizienz der Ahead-Munition

Jedes 35-mm-Ahead-Geschoss trägt 152 spin-stabilisierte Wolfram-Zylinder mit einem Gewicht von 3,3 Gramm pro Stück. Durch die Luftstoß-Wolke werden die Steuerflächen und die Elektronik von Drohnen und Loitering-Munitions physisch zerstört. Die Munition ist immun gegen elektronische Störmaßnahmen, da sie nicht auf aktive Zielverfolgung angewiesen ist, sondern auf die präzise programmierte Detonation.

Integration mit Skyranger-30 und European Sky Shield Initiative (ESSI)

Parallel zur Modernisierung der stationären 35-mm-Systeme plant Österreich die Beschaffung von 36 mobilen Skyranger-30-Flugabwehrsystemen auf dem 6×6-Radpanzer Pandur Evolution. Der Skyranger deckt den mobilen Nahbereich ab und ergänzt die stationären Skyguard-NG-Batterien, sodass ein digital gekoppeltes, mehrschichtiges Schutznetz entsteht. Beide Systeme teilen zentrale Komponenten des Skymaster-Feuerleitsystems, wodurch Ziel- und Lagedaten in Echtzeit ausgetauscht werden können.

Im Juli 2023 unterschrieb Österreich eine Absichtserklärung zum Beitritt zur European Sky Shield Initiative (ESSI). Die modernisierten 35-mm-Systeme bilden die unterste VSHORAD-Ebene des europäischen Mehrschichtschutzes, während mittlere und größere Lenkflugkörpersysteme die übergeordneten Ebenen ergänzen.

Risiken und Gegenargumente

  • ReichweitenbeschränkungDie Zwillingskanonen sind auf den Nah- und Nächstbereich bis 4 000 Meter begrenzt und können hochfliegende Kampfflugzeuge oder ballistische Ziele nicht abfangen. Sie benötigen ein übergeordnetes System aus Boden-Luft-Lenkflugkörpern.
  • Stationärer CharakterObwohl die Geschütze verlegbar sind, erfordern Positionswechsel Zugfahrzeuge, was im dynamischen Gefecht die Verwundbarkeit gegenüber Gegenfeuer erhöht im Vergleich zu komplett mobilen Rad- oder Kettenfahrzeugen.
  • Abhängigkeit von MunitionsnachschublinienDie spezialisierte Ahead-Patrone muss kontinuierlich in ausreichender Menge verfügbar sein. Engpässe in der europäischen Produktion könnten die Einsatzbereitschaft im Krisenfall gefährden.

Schnellüberblick

Worin liegt der Unterschied zwischen dem alten GDF-005 und dem neuen Skyguard Next Generation?

Die Geschütze werden vollständig digitalisiert, fernbedienbar ohne Personal an der Waffe und mit AESA-Sensoren sowie Ahead-Programmierspulen ausgerüstet, um Selbstkleinstdrohnen auf Distanz zu zerstören.

Warum setzt das Bundesheer auf Kanonen statt ausschließlich auf Lenkwaffen?

Kanonenmunition wie Ahead ist im Vergleich zu Lenkflugkörpern extrem kosteneffizient pro Bekämpfung, immun gegen elektronische Störsender und bietet im Nächstbereich unter 1 500 Meter eine unverzichtbare Reaktionsgeschwindigkeit.

Wann ist die Modernisierung aller Geschütze abgeschlossen?

Der im Dezember 2023 geschlossene Vertrag sieht eine Projektlaufzeit von 48 Monaten ab Februar 2024 vor; die vollständige Auslieferung aller sieben taktischen Einheiten soll bis Anfang 2028 erfolgen.

Quellen · 4

Stand: 26.10.2026
  1. rheinmetall.com de/media/pressemitteilungen/2023/12/2023-12-12-rheinmetall-mit-air-defence-in-oesterreic …
  2. ots.at presseaussendung/OTS20231212OTS0074/modernisierung-des-35-mm-luftabwehrsystems-durch-rhe …
  3. soldat-und-technik.de 2024/02/bewaffnung/36979/oesterreich-wird-erstkunde-fuer-skyranger-flugabwehrsystem
  4. rheinmetall.com de/produkte/mittelkaliber/mittelkalibermunition/35-mm-ahead
Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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