Technische Details zur Mesh-Struktur und Abschirmleistung von transparenten EMP-Schutzfenstern
Elektromagnetische Impulse (EMP) stellen eine wachsende Gefahr für kritische zivile und militärische Infrastrukturen dar. Eine neuartige Lösung aus Südkorea kombiniert ein asymmetrisches hexagonales Metallnetz mit herkömmlichem Glas und ermöglicht damit einen wirksamen Schutz vor EMP-Angriffen, ohne die optische Transparenz zu beeinträchtigen. Dieser Artikel fasst die technischen Grundlagen, experimentellen Ergebnisse und Anwendungsbereiche der Technologie zusammen und beleuchtet zugleich offene Fragen.
Problemstellung: EMP-Bedrohungen für kritische Infrastruktur
EMP-Wellen, ausgelöst durch nukleare Explosionen oder gerichtete Hochleistungsgeräte, können elektronische Systeme innerhalb von Mikrosekunden lahmlegen. Besonders gefährdet sind Rechenzentren, Krankenhäuser, Militärbasen und Flughäfen, deren Ausfall massive gesellschaftliche und sicherheitspolitische Folgen hätte. Traditionelle Abschirmungen sind häufig undurchsichtig und schränken architektonische Gestaltungsmöglichkeiten stark ein.
Asymmetrische hexagonale Metallnetzstruktur – Funktionsprinzip
Das Kernstück der neuen Fenster besteht aus einem dünnen Film aus einem asymmetrischen hexagonalen Metallnetz. Dieses Netz reflektiert, absorbiert und streut elektromagnetische Wellen über ein ultra-breites Frequenzspektrum. Durch die asymmetrische Anordnung wird die Effektivität der Abschirmung über verschiedene Frequenzbereiche hinweg erhöht, während die offene Netzstruktur das Licht nahezu ungehindert passieren lässt.
Wie Prof. Chang Won Jung erklärt: „Since the proposed structure can be integrated into transparent window systems, it offers a significantly broader range of architectural applications compared to conventional opaque shielding solutions.“
Mechanismen der Dämpfung
- Reflexion: Das Metallnetz wirkt als Spiegel für hochenergetische EMP-Wellen und verhindert das Eindringen in das geschützte Gebäude.
- Absorption: Das Metall wandelt einen Teil der elektromagnetischen Energie in Wärme um, wodurch die Impulsstärke reduziert wird.
- Streuung: Die asymmetrische Hexagonform erzeugt komplexe Interferenzeffekte, die die Energie über ein breites Frequenzband verteilen.
Leistungsdaten und experimentelle Validierung
Die im Jahr 2025 veröffentlichte Studie des Teams der Seoul National University of Science and Technology liefert präzise Messwerte:
- Abschirmdämpfung für zivile Anwendungen: >60 dB über ultra-breite Frequenzbänder (Jahr 2025).
- Abschirmdämpfung für militärische Anwendungen: >80 dB, erfüllt damit militärische Standards (Jahr 2025).
- Optische Transparenz: hoch, vergleichbar mit herkömmlichem Glas (keine quantitative Angabe, aber als „hoch“ beschrieben).
Die Messungen wurden ohne externe Stromversorgung oder komplexe Verkabelung durchgeführt, was die Integration in bestehende Bauwerke erleichtert.
Vergleich mit Vorgängerforschung
Frühere Arbeiten von Jung et al. (2021) nutzten ein Metallnetz in Kombination mit einer Salzwasserschicht. Diese Variante erreichte ebenfalls >80 dB Dämpfung, jedoch nur bei einer 45 %igen optischen Transparenz und erforderte zwei Mesh-Lagen sowie die Flüssigkeitsschicht.
Die neue asymmetrische Variante verbessert mehrere Punkte:
- Eliminierung von Flüssigkeiten – keine Wartungs- oder Korrosionsrisiken.
- Erhöhte Transparenz – „hoch“ im Vergleich zu 45 %.
- Breitere Frequenzabdeckung – ultra-breite Bänder ohne zusätzliche Schichten.
Damit stellt sie den ersten transparenten Schutz für ultra-breite Frequenzbänder dar, der ohne externe Energieversorgung auskommt.
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Anwendungsbereiche und praktische Relevanz
Die Technologie ist für verschiedene kritische Infrastrukturen geeignet:
- Regierungsgebäude und Militärbasen – Erfüllung militärischer >80 dB Standards.
- Daten-Center – Schutz von Serverfarmen, die für die digitale Wirtschaft unverzichtbar sind.
- Krankenhäuser – Sicherstellung der medizinischen Geräte und Notfallkommunikation.
- Flughäfen – Gewährleistung der Flugsicherungs- und Kommunikationssysteme.
Da die Fenster optisch klar bleiben, können Architekten die Lösung in modernen Gebäuden einsetzen, ohne das Design zu beeinträchtigen.
Kritische Betrachtung: Grenzen und offene Fragen
Trotz beeindruckender Leistungsdaten gibt es noch offene Punkte, die für die Marktreife entscheidend sind:
- Produktionskosten und Skalierbarkeit: In den verfügbaren Quellen fehlen Angaben zu Herstellungskosten, Fertigungsprozessen und Möglichkeiten zur großflächigen Produktion.
- Langzeitstabilität: Potenzielle Korrosion des Metalls über Jahre hinweg wurde nicht untersucht.
- Begrenzter Schutzumfang: Das Mesh schützt ausschließlich die Fensterfläche; ein vollständiger Gebäudeschutz erfordert ergänzende Maßnahmen wie wände- oder dacheigene Schirmungen.
Diese Punkte werden von Experten als wichtig erachtet, um die Technologie von einem Labor- zu einem kommerziellen Produkt zu entwickeln.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind die militärischen Standards für EMP-Abschirmung?
Militärische Anforderungen liegen bei einer Dämpfung von >80 dB über ultra-breite Frequenzbänder. Die neue Technologie erfüllt diese Vorgabe laut Jung et al., Engineering Science and Technology, 2025.
Wie wirkt das Mesh gegen EMP?
Durch die Kombination aus Reflexion, Absorption und Streuung von elektromagnetischen Wellen im ultra-breiten Frequenzbereich, experimentell validiert (Jung et al., 2025).
Gibt es bereits kommerzielle Produkte?
Technische Spezifikationen sind verfügbar, aber es wurden noch keine Produktionspläne angekündigt (Jung, PRNewswire, 2026).
Fazit
Das asymmetrische hexagonale Metallnetz stellt einen bedeutenden Fortschritt im Bereich der EMP-Abschirmung dar. Mit einer nachgewiesenen Dämpfung von >60 dB für zivile und >80 dB für militärische Anwendungen kombiniert es hohe optische Transparenz und die Möglichkeit, ohne externe Stromversorgung eingesetzt zu werden. Im Vergleich zu früheren Konzepten eliminiert es Flüssigkeits- und Mehrschicht-Komplexität und erweitert damit das Anwendungsspektrum auf moderne, transparente Architektur. Dennoch bleiben offene Fragen zu Kosten, Skalierbarkeit und Langzeitstabilität, die für eine breite Markteinführung geklärt werden müssen.
Quellen
- New SEOULTECH Study Reveals Transparent Windows That Shield Buildings from Powerful Electromagnetic Pulses – PRNewswire, 2026-02-02
- New Tech Could Help Military Sites Withstand Electromagnetic Pulse Attacks – The Defense Post, 2026-02-09
- New SEOULTECH Study Unveils Transparent Windows That Protect Buildings from Strong Electromagnetic Pulses – Bioengineer.org, 2026
- Optically transparent and very thin structure against electromagnetic pulse (EMP) using metal mesh and saltwater for shielding windows – Scientific Reports, 2021-01-28
