Trumps Executive Order zu Aktienrückkäufen und Dividenden bei US-Verteidigungsunternehmen: Umsetzung, Branchenreaktion und CapEx-Trends
Am 7. Januar 2026 unterzeichnete Präsident Donald Trump ein Executive Order, das US-Verteidigungsunternehmen dazu zwingt, ihre Kapitalallokation neu zu bewerten. Das Dekret richtet sich gegen „excessive“ Aktienrückkäufe und Dividenden, legt ein optionales Jahresobergrenze von 5 Millionen US-Dollar für die Vorstandsvergütung fest und verlangt, dass neue oder erneuerte Verträge Leistungskennzahlen für Liefer- und Produktionsgeschwindigkeit sowie Investitionen in Anlagen enthalten. Für Investoren, Politikgestalter und Analysten, die die Modernisierung der Verteidigungsindustrie und die Produktionsbereitschaft der US-Armee verfolgen, ist das regulatorische Umfeld, die Reaktionsstrategien der Unternehmen und die tatsächlich angekündigten Kapitalausgaben von zentraler Bedeutung.
Hintergrund des Executive Orders
Das Executive Order gibt dem Secretary of Defense weitreichende Durchsetzungsmöglichkeiten. Neben vertraglichen Vorgaben können die Behörde das Defense Production Act (DPA) sowie Bestimmungen der Federal Acquisition Regulation (FAR) und des Defense FAR Supplement (DFARS) einsetzen, um „underperforming“ Unternehmen zu sanktionieren. Parallel dazu wird die Securities-and-Exchange-Commission (SEC) angewiesen, die Safe-Harbor-Regel 10b-18 für Aktienrückkäufe von betroffenen Unternehmen zu ändern – ein Verfahren, das typischerweise 30-60 Tage für die öffentliche Kommentierung vorsieht.
„President Trump has been clear that all defense contractors should be prioritizing the on-time delivery of weapons to our warfighters over their own stock buy-backs, excessive corporate dividends, and inflated executive salaries“, sagte Anna Kelly, stellvertretende Pressesprecherin des Weißen Hauses. In einem Truth-Social-Post vom 7. Januar erklärte Trump: „Defense Contractors are currently issuing massive Dividends to their Shareholders and massive Stock Buybacks, at the expense and detriment of investing in Plants and Equipment. This situation will no longer be allowed or tolerated!“
Der Order nennt zudem eine von Trump auf Truth Social genannte Obergrenze von 5 Millionen US-Dollar für die jährliche Vergütung von Führungskräften. Zwar ist diese Zahl nicht explizit im Text des Executive Orders verankert, doch sie verdeutlicht die Absicht, die Vergütungsstruktur von Unternehmen, die Bundesmittel erhalten, stärker an operative Leistung zu koppeln.
Historische Ausschüttungen und finanzielle Dimension
Zwischen 2021 und 2024 haben die vier größten US-Verteidigungsprimes – Lockheed Martin, RTX, General Dynamics und Northrop Grumman – zusammen rund 89 Milliarden US-Dollar an Aktienrückkäufen und Dividenden ausgeschüttet. Diese Summe, die in einem Politico-Artikel zitiert wird, illustriert das Ausmaß der Kapitalabflüsse, die die Trump-Administration mit dem Order eindämmen will. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die Investitionen in Anlagen und Forschung (CapEx-to-Sales-Ratios) in den letzten Jahren stagnierten oder leicht zurückgingen:
- General Dynamics: CapEx-Quote sank von 2,6 % (2021-22) auf 2,1 % (2025).
- Northrop Grumman: R&D-Quote 2,6 % (2025) gegenüber einem Durchschnitt von 2,8-3,3 % (2019-24).
- Lockheed Martin: CapEx-Quote blieb bei etwa 2,2 % (2025), während die R&D-Quote von 2,3 % (2024) auf 2,7 % (2025) anstieg.
Die Kombination aus hohen Ausschüttungen und niedrigen Investitionsquoten bildet den Kern der Kritik des Weißen Hauses.
Branchenreaktionen auf das Executive Order
Dividenden bleiben ein Versprechen
Mehrere Unternehmen betonten öffentlich, dass sie ihre Dividenden beibehalten werden. General Dynamics-CEO Phebe Novakovic erklärte: „We’ve paid a dividend for over 25 years, and every year, in March, the board decides the extent of any increase… But we’re committed to the dividend.“ RTX-CEO Chris Calio ergänzte, dass Aktionäre „rely“ und „have come to expect“ Dividenden. Lockheed Martin-CEO Jim Taiclet und Novakovic selbst vermieden konkrete Aussagen zu zukünftigen Rückkäufen, verwiesen jedoch auf die aktuelle politische Sensibilität.
Strategien zu Aktienrückkäufen
Die Reaktionen zu Rückkäufen sind heterogener:
- Northrop Grumman CFO John Greene und HII-CEO Chris Kastner kündigten ausdrücklich an, dass in 2026 keine Aktienrückkäufe mehr stattfinden werden.
- L3Harris-CFO Kenneth Bedingfield plant, die Anzahl der ausstehenden Aktien auf dem Niveau Ende 2025 zu halten.
- Lockheed Martin und General Dynamics gaben keine Kommentare ab und verwiesen auf die „politische Sensibilität“ des Themas.
Analysten- und Marktmeinungen
Seth Seifman von JP Morgan fasste die Marktlogik zusammen: „The amount of cash that these companies expect to generate should leave them with an ability to pay their dividend and invest more in the business. And to the extent that something has to give, it’s going to be in share repurchases, because that’s considered more discretionary.“ Er warnte zudem, dass ein Dividendenschnitt „a fair amount of disruption“ bei dividendengeprägten Fonds auslösen würde. Ein nicht namentlich genannter Pentagon-Analyst bestätigte, dass Rückkäufe als „poor uses of cash“ gelten, während Dividenden als akzeptable Rückführung an Aktionäre angesehen werden.
Kapitalausgaben 2026 – ein Schub für die Produktion
Unter dem Druck des Executive Orders und im Kontext eines geplanten Verteidigungsbudgets von 1,5 Billionen US-Dollar für das Fiskaljahr 2027 haben alle großen Verteidigungsprimes signifikante CapEx-Erhöhungen für 2026 angekündigt. Die nachfolgende Tabelle fasst die erwarteten Ausgaben zusammen:
| Unternehmen | CapEx 2025 (Mrd. $) | CapEx 2026 (Mrd. $) |
|---|---|---|
| Boeing | 2.9 | 4.0 |
| RTX | 2.6 | 3.1 |
| Lockheed Martin | 1.6 | 2.5-2.8 |
| Northrop Grumman | 1.45 | 1.65 |
| General Dynamics | 1.2 | 2.1 |
| L3Harris | 0.42 | 0.6 |
| HII | 0.4 | 0.5-0.6 |
Die Erhöhungen spiegeln gezielte strategische Prioritäten wider:
- General Dynamics: rund 450 Mio. $ der zusätzlichen 900 Mio. $ fließen in die Electric-Boat-Division für die Columbia-Class- und Virginia-Class-U-Boote.
- HII: Investitionen von 500-600 Mio. $ in den Newport-News-Werftkomplex, u. a. ein neues Multi-Purpose-Carrier-Refuel-&-Overhaul-Werk, Pier-Updates und ein Parkhaus.
- RTX: Multijahres-Vertrag zur Erweiterung der Produktion von fünf Waffen, darunter der Tomahawk-Cruise-Missile.
- Boeing: Der Großteil des 2026-CapEx (ca. 4 Mrd. $) wird in das F-47-Programm (Next-Generation-Air-Dominance) investiert, das bereits vor Vertragsunterzeichnung vorangetrieben wird.
Analyst Byron Callan betonte, dass die bisherigen CapEx-Quoten zwar niedrig seien, die angekündigten Zahlen jedoch nicht „shockingly high“ seien, sondern im Rahmen der Erwartungen des Pentagon liegen.
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Rechtliche Durchsetzung und verbleibende Unsicherheiten
Die Durchsetzung des Executive Orders beruht auf mehreren rechtlichen Hebeln:
- Direkte Anordnung des Secretary of Defense, das DPA und die FAR/DFARS zu aktivieren, um bei „underperforming“ Unternehmen Sanktionen zu verhängen.
- SEC-Änderung von Regel 10b-18, die den Safe-Harbor-Schutz für Aktienrückkäufe von betroffenen Unternehmen einschränkt – ein Prozess mit einer 30-60-tägigen Kommentierungsphase.
Allerdings gibt es kritische Punkte:
- Durchsetzbarkeit des 5-Millionen-Dollar-Caps: Der Cap wurde von Trump auf Truth Social genannt, ist aber nicht explizit im Order verankert, sodass seine rechtliche Bindung unklar bleibt.
- Definition von „underperforming“: Der Order überlässt dem Secretary of Defense die Festlegung, ohne klare Schwellenwerte zu nennen, was zu möglichen Rechtsstreitigkeiten führen kann.
- Regulatorische Lücke bis zur SEC-Änderung: Bis die Regel 10b-18 angepasst ist, dürfen Unternehmen nach wie vor Rückkäufe im Rahmen des bestehenden Safe Harbors durchführen.
- Budgetabhängigkeit: Das geplante 1,5-Billionen-Dollar-Verteidigungsbudget für FY 2027 ist ein Vorschlag; eine spätere Kürzung könnte die Fähigkeit der Unternehmen, sowohl CapEx zu erhöhen als auch Dividenden zu halten, stark einschränken.
Markt- und Budgetkontext
Der vorgeschlagene Verteidigungsbudget-Anstieg von 1,5 Billionen US-Dollar für das Fiskaljahr 2027 hat laut BNP Paribas-Analyst Matthew Akers die Sorge der Investoren gemindert: „Growth accelerates and cash is little changed; DoW acquisition reform appears less of an issue than feared.“ Das erwartete Budgetwachstum schafft Spielraum, sowohl die geforderten CapEx-Steigerungen zu finanzieren als auch die historisch stabilen Dividenden beizubehalten. Dennoch bleibt das Risiko bestehen, dass der Kongress das Budget nicht vollständig verabschiedet oder später anpasst.
FAQ – häufig gestellte Fragen
- Welche Unternehmen sind vom Executive Order betroffen? Alle US-Verteidigungsauftragnehmer, insbesondere die „Big Five“ – Lockheed Martin, RTX, General Dynamics, Northrop Grumman – sowie Boeing, L3Harris und HII.
- Können Unternehmen nach dem Order noch Dividenden zahlen? Ja, solange die Dividenden nicht als „excessive“ eingestuft werden. Die Praxis, Dividenden beizubehalten, wird von vielen Unternehmen aktiv betont.
- Wie werden Aktienrückkäufe behandelt? Für als „underperforming“ eingestufte Unternehmen sind Rückkäufe sofort untersagt; bei anderen Unternehmen wird ein Verzicht oder ein flacher Share-Count erwartet.
- Welche Durchsetzungsinstrumente stehen dem Pentagon zur Verfügung? DPA, FAR/DFARS-Sanktionen und die geplante SEC-Änderung von Regel 10b-18.
- Wie hoch waren die historischen Ausschüttungen? Etwa 89 Mrd. US-Dollar an Rückkäufen und Dividenden von den vier größten Primes zwischen 2021 und 2024.
- Wie wirken sich mögliche Dividendenkürzungen auf die Märkte aus? Analysten warnen vor erheblichem Druck auf dividendengeprägte Fonds und potenziellen Kursverlusten bei den betroffenen Aktien.
Fazit
Trumps Executive Order von Januar 2026 stellt einen bedeutenden Eingriff in die Kapitalpolitik der US-Verteidigungsindustrie dar. Durch die Kombination aus rechtlichen Durchsetzungsmöglichkeiten, einem klaren Fokus auf Investitionen in Anlagen und Forschung sowie einer differenzierten Haltung zu Dividenden gegenüber Rückkäufen versucht die Administration, die Produktionskapazität zu erhöhen, ohne die langfristige Attraktivität der Unternehmen für institutionelle Investoren zu untergraben. Die bislang angekündigten CapEx-Steigerungen – von Boeing’s fast 4 Mrd. $ bis zu General Dynamics‘ 900 Mio. $ für U-Boot-Programme – zeigen, dass die Primes bereit sind, auf den regulatorischen Druck zu reagieren. Gleichzeitig bleiben offene Fragen zur Durchsetzbarkeit des Vergütungs-Caps, zur genauen Definition von „underperforming“ und zur Verlässlichkeit des geplanten 1,5-Billionen-Dollar-Verteidigungsbudgets. Investoren, Aufsichtsbehörden und politische Entscheidungsträger sollten diese Unsicherheiten im Auge behalten, da sie das zukünftige Gleichgewicht zwischen Produktionsinvestitionen und Aktionärsrenditen maßgeblich beeinflussen werden.
