Uplift360s ChemR-Technologie: Nachhaltiges Recycling von Militärkompositen für Europa
In Großbritannien erhalten beschädigte Militärflugzeuge ein zweites Leben – nicht als Schrott, sondern als hochwertige Bauteile für nächste-Generation-Drohnen. Das Start-up Uplift360 hat mit seiner proprietären ChemR-Technologie einen chemischen Recycling-Ansatz entwickelt, der Carbon-, Kevlar- und Luftfahrtlaminate aus komplexen Verbundwerkstoffen zurückgewinnt, ohne deren strukturelle Integrität zu beeinträchtigen. Die Methode verspricht, strategische Materialengpässe in Europa zu mindern, die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und gleichzeitig die Nachhaltigkeitsziele der Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie zu unterstützen.
Was ist die ChemR-Technologie?
Der ChemR-Prozess arbeitet bei Raumtemperatur und nutzt ein nicht-schwefelsäurebasiertes, recycelbares Lösemittel. Dieses löst die Bindungen in den Verbundwerkstoffen, sodass die Fasern – Carbon, Aramid (z. B. Kevlar) und Luftfahrtlaminate – in einer Qualität zurückgewonnen werden, die nahezu der von neuem („virgin“) entspricht. Im März 2025 demonstrierte Uplift360 die Rückgewinnung von Aramid-Fasern mit fast virgin-starker Festigkeit, was die Eignung für Hochleistungs-Blends bestätigt (Uplift360, 2025).
- Prozesstemperatur: Raumtemperatur (2025)
- Lösemittel: recycelbar, nicht-schwefelsäurebasiert
- Materialien: Carbon-Faser, Kevlar, Luftfahrtlaminate
Der nicht-degenerative Charakter des Verfahrens bedeutet, dass die mechanischen Eigenschaften der Fasern nach dem Recycling erhalten bleiben – ein entscheidender Unterschied zu herkömmlichen thermischen oder mechanischen Recycling-Methoden.
Strategische Partnerschaften und Anwendungsbeispiele
Leonardo: Von Hubschrauber zu Drohnenarm
Im Mai 2025 startete Uplift360 ein Forschungs- und Entwicklungs-Projekt mit Leonardo, bei dem Carbon-Fasern aus einem EH-101-Rotorblatt mittels ChemR regeneriert wurden. Aus den zurückgewonnenen Fasern fertigte das Team einen Prototyp-Drohnenarm, der die Wiederverwendbarkeit in Hochleistungs-Anwendungen belegt. Das Projekt unterstützt die britische Strategie zur Lieferketten-Resilienz.
Babcock International: Typhoon-Recycling
Am 10.09.2025 unterzeichneten Babcock und Uplift360 auf der DSEI in London eine Vereinbarung, um Kompositteile aus Eurofighter-Typhoon-Trümmern zu recyceln und das Konzept auf weitere Plattformen auszuweiten. Babcocks Expertise im Zerlegen von Flugzeugstrukturen kombiniert mit dem ChemR-Prozess soll Lieferkettenlücken, die durch geopolitische Spannungen entstehen, schließen. Chloe Barker von Babcock betonte: „Praktische Lösungen für Ressourcennutzung und Nachhaltigkeit.“ (Babcock, 2025)
Rolls-Royce und NATO Innovation Fund
Uplift360 arbeitet zudem mit Rolls-Royce an Projekten zur Wiederverwendung von Verbundmaterialien in Triebwerken. Der NATO Innovation Fund unterstützt das Vorhaben finanziell und mit strategischer Sichtweise. Sander Verbrugge, ein Beamter des Fonds, erklärte: „Durable, high-quality advanced materials are of strategic importance to securing the future of NATO nations.“ Und fügte hinzu: „Uplift360’s platform is exactly the kind of dual-use innovation Europe needs – tackling a real supply-chain vulnerability, reducing carbon emissions and bolstering the resilience of the sectors that underpin European industrialization and competitiveness.“
Finanzierung und Skalierung der Produktion
Im Jahr 2026 erhielt Uplift360 eine Finanzierungsrunde in Höhe von 7,4 Millionen Euro (entsprechend 8,8 Millionen USD) von dem Deep-Tech-Venture-Capital-Unternehmen Extantia. Die Mittel werden eingesetzt, um die Pilot-Scale-Produktionslinie aufzubauen, die Verarbeitung härterer Materialien zu ermöglichen und die Produktionskapazität für Kunden zu erhöhen.
- Finanzierungsrunde: 7,4 Mio. Euro (2026)
- Umrechnung: 8,8 Mio. USD (2026)
- Gründungsjahr von Uplift360: 2021
CEO Sam Staincliffe kommentierte: „This investment is a clear signal that Europe intends to lead in sustainable advanced-materials manufacturing.“ Die neue Pilotanlage in Großbritannien ermöglicht kundennahe Integration, höhere Volumina und verkürzt die Time-to-Market für recycelte Komponenten.
Anwendungsbereiche und Pilotprojekte
Die zurückgewonnenen Fasern finden Anwendung in mehreren Hochtechnologie-Sektoren:
- Militär- und Verteidigungsdrohnen
- Kommerzielle Luftfahrt (z. B. leichte Strukturbauteile)
- Windenergie (Rotorblätter)
- High-Performance-Automotive (Karosserieteile)
Durch die Partnerschaft mit Babcock werden ab 2025 erstmals wiederverwendete Typhoon-Komposite in neue Drohnen- und UAV-Plattformen integriert. Das Leonardo-Projekt demonstrierte bereits die Machbarkeit eines Drohnenarms aus recycelten Rotorblatt-Fasern. Diese Beispiele zeigen, dass der ChemR-Prozess nicht nur ein Labor-Proof-of-Concept, sondern ein produktionsreifes Verfahren für dual-use-Anwendungen ist.
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Risiken und Gegenargumente
Obwohl die Technologie vielversprechend ist, gibt es kritische Punkte, die beachtet werden müssen:
- Die ChemR-Technologie befindet sich noch in der Pilotphase; eine kommerzielle Skalierung ist noch nicht vollständig bewiesen.
- Geopolitische Faktoren können weiterhin Lieferketten-Probleme verursachen – das Recycling allein garantiert keine vollständige Unabhängigkeit.
Diese Aspekte werden von Analysten als wichtige Realitäts-Check-Punkte hervorgehoben, um überzogene Erwartungen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was macht ChemR von herkömmlichem Recycling unterschiedlich?
ChemR verwendet ein recycelbares, nicht-schwefelsäurebasiertes Lösemittel bei Raumtemperatur und erhält Fasern in virgin-naher Qualität für Hochleistungsanwendungen (Uplift360, 2025).
In welchen Sektoren außer Verteidigung einsetzbar?
Die Technologie ist anpassbar für kommerzielle Luftfahrt, Windenergie und High-Performance-Automotive (Interesting Engineering, 2026).
Wo hat Uplift360 Standorte?
Uplift360 betreibt Standorte in Großbritannien und Luxemburg, um die europäischen Lieferketten zu stärken (Interesting Engineering, 2026).
Fazit
Uplift360s ChemR-Prozess stellt einen bedeutenden Schritt hin zu einer zirkulären Wirtschaft für hochentwickelte Verbundwerkstoffe dar. Durch die Kombination aus Raumtemperatur-Chemie, strategischen Partnerschaften mit Leonardo, Babcock, Rolls-Royce und dem NATO Innovation Fund sowie einer soliden Finanzierungsrunde von 7,4 Millionen Euro wird die Technologie nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich gestärkt. Während die Pilotphase noch Herausforderungen birgt, zeigen die bereits realisierten Projekte – vom recycelten EH-101-Rotorblatt bis zum Typhoon-Komposit-Recycling – das Potenzial, Europas strategische Materialabhängigkeit zu reduzieren, CO₂-Emissionen zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit der Luft- und Raumfahrtindustrie nachhaltig zu sichern.
Quellen
- New tech turns military aircraft scrap into high-performance drones – Interesting Engineering
- Babcock, Uplift360 explore recycling for Typhoon aircraft parts – Airforce Technology
- Babcock explores options with Uplift360 to recycle Typhoons – Aerotime
- From Helicopter to Drone – Leonardo and Uplift360 Partnership – Uplift360.tech
- World-First: Uplift360’s Defence-Backed Process Converts Waste – Uplift360.tech
