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Yaroslav Azhnyuk – Vom Consumer-Tech-Gründer zum Architekten der ukrainischen Verteidigungstechnologie

Yaroslav Azhnyuk – Vom Consumer-Tech-Gründer zum Architekten der ukrainischen Verteidigungstechnologie

10. Februar 2026 von Anna Schröder

Yaroslav Azhnyuk, ein 37-jähriger Unternehmer aus Kiew, hat seine Karriere nach der russischen Invasion 2022 radikal umgekrempelt. Vom Gründer des weltweit führenden Smart-Pet-Geräts Petcube wechselte er zu den Verteidigungsunternehmen Odd Systems und The Fourth Law. In diesem Artikel wird gezeigt, wie seine Erfahrung mit Kameratechnologie den Grundstein für hochmoderne Drohnenkameras und autonome KI-Drohnen legte und warum ukrainische Innovationen die europäische Rüstungsindustrie nachhaltig verändern könnten.

Von Petcube zur Verteidigung – die Basis für Kameratechnologie

Petcube wurde 2012 von Azhnyuk zusammen mit Oleksandr Neskin und Andrii Klen gegründet. Das Unternehmen verkaufte über eine Million smarte Haustierkameras, die GPS-Tracker, Laserpointer und Treat-Dispenser kombinierten. 2016 zog Petcube als erstes ukrainisches Startup in das Y Combinator -Programm ein und sammelte bis 2018 insgesamt 14 Millionen USD an Finanzierung. Büros wurden in den USA, China und der Ukraine eröffnet. Diese Erfahrung in der Massenproduktion von Kameramodulen bildete die technische Grundlage für die spätere Entwicklung von Drohnen-Thermalkameras bei Odd Systems.

Odd Systems – Weltbeste Thermalkameras für Drohnen

Odd Systems stellt Kameras für Drohnen her, wobei die firmeneigene Thermalkamera „Kurbas“ als „weltbeste“ für großflächige Drohneneinsätze beworben wird. Die Kamera wird in FPV-Drohnen, Interceptor-Drohnen und Aufklärungsplattformen eingesetzt. Azhnyuk erklärt:

„Eine Kamera, die Leckerlis an Hunde verteilt, ist technisch nicht weit entfernt von einer Kamera, die Sprengstoffe an feindliche Ziele wirft.“

Technische Fakten zu den Sensoren

  • Europäische Jahresproduktion: 400 000-500 000 Sensoren
  • Ukrainischer Jahresverbrauch: 400 000-500 000 Sensoren in 4-5 Monaten
  • Importquelle: überwiegend China
  • Geplante eigene Fertigung: Fabrik, die die europäische Kapazität verdreifachen soll

The Fourth Law – Die weltweit erste systematisch eingesetzte KI-Killer-Drohne

Der Name „The Fourth Law“ verweist auf Asimovs dritte Robotergesetze und signalisiert die Entwicklung vollautonomer Verteidigungssysteme. Das Unternehmen bietet laut Azhnyuk die erste KI-gestützte Killer-Drohne, die bereits systematisch auf dem ukrainischen Schlachtfeld eingesetzt wird. Neben dem Einsatz in der Ukraine gibt es weitere Anwendungsfälle, die nicht öffentlich gemacht werden.

Vision für autonome Systeme

  • Massive Skalierung autonomer Systeme auf Luft, See und Land
  • Integration von KI-Modellen, die über Bild- und Objekterkennung hinausgehen
  • Entwicklung von KI-Hardware, die künftig die heutigen LLM-basierten Systeme ergänzt

Persönliche Motivation und Auszeichnungen

Azhnyuk war nicht nur Gründer, sondern auch aktiver Unterstützer von Initiativen wie Brave1, Spend with Ukraine und D3 Ventures. Für sein Engagement erhielt er 2024 vom Präsidenten Wolodymyr Zelenskyj den „Orden für Verdienste“. In einem Interview sagte er:

„Wenn wir nicht die Werkzeuge bauen, die andere benötigen, dann haben wir vielleicht kein Leben, kein Zuhause, keine Elektrizität mehr.“

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Finanzierung und Geschäftsmodell im Kriegsumfeld

Ein Teil des Kapitals stammt aus Azhnyuks Eigeninvestitionen, die bislang keinen Verlust verzeichneten. Neben einigen privaten Investoren erhält Odd Systems staatliche Zuschüsse von 50 000 USD bis zu mehreren Millionen USD. Der Margen-Ceiling für Verkäufe an die ukrainische Regierung liegt bei 25 %, was dennoch ausreichendes Wachstum ermöglicht. Azhnyuk betont, dass in der aktuellen Situation das Verkaufen von Produkten oft profitabler sei als reines Fundraising.

Exportbarrieren und die Notwendigkeit europäischer Gesetzgebung

Der Export ukrainischer Verteidigungstechnologie nach Europa wird durch ein kleines Netzwerk von Gatekeeper-Firmen verlangsamt, die als offizielle Exporteuren fungieren. Viele Unternehmen, darunter Odd Systems, gründen internationale Tochtergesellschaften, um diese Hürden zu umgehen – ein Aufwand, der Zeit und Ressourcen kostet. Azhnyuk fordert klare EU-Gesetze, die den Direktexport aus der Ukraine ermöglichen und damit die Kapital- und Human-Flows beschleunigen.

Ukraine als „Defense Valley“ – Autonomie und lokale Lieferketten

Durch den Krieg hat sich die Ukraine zu einem Innovationszentrum für Verteidigungstechnologie entwickelt. Azhnyuk sieht die Zukunft in der „federalization of supply chains“ – also einer stärkeren lokalen Beschaffung von Komponenten, Mineralien und Know-how. Er betont, dass die souveräne Produktion von Schlüsselkomponenten heute das „neue Öl“ sei.

Fazit

Yaroslav Azhnyuk demonstriert, wie ein erfolgreicher Seriengründer aus dem Consumer-Tech-Segment in kürzester Zeit zu einem Schlüsselakteur der ukrainischen Verteidigungsindustrie werden kann. Die Kombination aus tiefgreifender Kameratechnologie, dem Aufbau lokaler Lieferketten und der Vision autonomer KI-Drohnen positioniert sowohl Odd Systems als auch The Fourth Law als potenzielle Treiber einer neuen, kostengünstigen und skalierbaren europäischen Rüstungslandschaft. Gleichzeitig zeigen die genannten Export- und Lieferketten-Herausforderungen, dass politische Rahmenbedingungen und Investoren-Support entscheidend sind, um das volle Potenzial ukrainischer Innovationen zu entfalten.

Quellen

  • In conversation with Yaroslav Azhnyuk, founder of The Fourth Law – Resilience Media
  • Top 30 Under 30: Yaroslav Azhnyuk – Kyiv Post (YouTube)

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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