Enforce Tac 2026: Volkswagen präsentiert Military Vehicles MV.1 und MV.2 – Neue Plattformen für das Militär
Auf der diesjährigen Enforce Tac 2026 stellte Volkswagen seine ersten eigens für militärische Einsätze entwickelten Fahrzeuge vor: das MV.1 auf Amarok-Basis und das MV.2 auf Crafter-Basis. Die beiden Modelle zeigen, wie das Unternehmen mit modularen Konzepten und flexiblen Antriebstechnologien in das europäische Rüstungssegment einsteigt – ein Schritt, der insbesondere in Zeiten hybrider Bedrohungen für Heer, Polizei und Spezialkräfte von wachsender Bedeutung ist.
Enforce Tac 2026 – zentrale Plattform für Mobilität und hybride Sicherheit
Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Friedrich Merz, die es 2026 erstmals gab, bündelte die Messe über 1.400 Aussteller aus 45 Ländern und zog rund 26.500 Fachbesucher an (2025: 998 Aussteller, rund 18.600 Besucher). Der Fokus liegt auf Mobilitätslösungen für Rad- und Kettenfahrzeuge, Drohnenabwehr und Kommunikationssysteme. Damit verbindet Enforce Tac Innen- und Außensicherheit und schafft ein Umfeld, in dem VWs modulare Konzepte optimal zur Geltung kommen.
Volkswagen steigt ins Militärgeschäft – Vorstellung der Military Vehicles MV.1 und MV.2
Bislang wurden VW-Plattformen von Aus- und Umrüstern für militärische Sonderausstattungen (hümS) genutzt. Mit den neuen MV.1 und MV.2 geht Volkswagen nun von der Aufrüstung bestehender Zivilfahrzeuge zu eigens entwickelten Militärfahrzeugen über. Beide Modelle benötigen laut CPM Defence Network eine eigene militärische Zulassung, gegebenenfalls mit Ausnahmegenehmigungen, und setzen auf Multifuel-Fähigkeit nach EURO 3.
Zitat von Volkswagen
“Der MV.1 folgt dem Prinzip, ein robustes Grundfahrzeug mit klar definierten Schnittstellen bereitzustellen, das sich flexibel an unterschiedliche Missionsprofile anpassen lässt”, so Volkswagen bei der Vorstellung des Fahrzeugs (nach Angaben von CPM Defence Network).
Technische Highlights des MV.1 (Amarok-Basis)
- Motor: 3-l-TDI V6, 10-Gang-Automatik, Allradantrieb
- Radstand 3.270 mm, Länge 5.700 mm, Breite 1.950 mm
- Multifuel-Fähigkeit (EURO 3), 12 V- und 24 V-Stromsysteme, geplante 230 V-Versorgung
- Modulare Missionsplattform (MMP) mit Schienensystem für Ladungssicherung
- Militärische Mittelkonsole aus Aluminium für Funk- und Laptop-Anbindung
- Stealth-Modus, Blackout-Schalter, Kill-Switch für komplette Elektrik-Deaktivierung
- Notlaufreifen, Unterbodenschutz, Seilwinden (3,6 t Zugkraft) vorne und hinten
Technische Highlights des MV.2 (Crafter-Basis)
- Motor: 2.0 TDI (130 kW), 6-Gang-Automatik, Allradantrieb, Jet-Fuel-Kompatibilität
- Radstand 3.640 mm, Länge 5.986 mm, Breite 2.040 mm, Höhe 2.400 mm
- Modulare Innenraumgestaltung mit MMB-Kompatibilität
- Identische Sicherheits- und Tarnausstattung wie beim MV.1 (Stealth-Modus, Blackout-Schalter, etc.)
- Optionale Tablet-Arbeitsplätze, modulare Sitzkonzepte und Ladestationen für Elektro-Motorräder/Quads
Modulare Missionsplattform (MMP) und Modularer Missionsbaukasten (MMB)
Die MMP verbindet das Grundfahrzeug mit einem variablen Missionsbaukasten (MMB). Auf der Enforce Tac wurden fünf MMB-Varianten vorgestellt:
- Rescue-Module (RSQ): Platz für bis zu vier liegende Patienten, medizinisches Begleitpersonal.
- Troop-Transport-Module (TTM): Vier Sitzplätze auf dem Flatbed, erweiterbar auf sechs.
- Drone-Operations-Module (DOM): Steuerung und Überwachung von Drohneneinsätzen.
- Logistic-Module 1 & 2 (LOG): Transport von zwei Motorrädern bzw. einem Quad, inklusive Lademöglichkeit über Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit bis zu 6 kW Leistung.
Die Module können im Feldlager von den Nutzern selbst ausgetauscht werden, wodurch die Fahrzeuge für unterschiedliche Einsatzszenarien – von Logistik über Rettung bis hin zu Spezialkräfteeinsätzen – schnell umgerüstet werden können.
Werk Osnabrück – Produktionshub für Kleinserien und Prototypen
Das VW-Werk in Osnabrück, mit rund 2.300 Beschäftigten, ist auf Nischenmodelle und geringe Stückzahlen spezialisiert. Dort wurden die MV.1-Konzepte in nur vier Monaten entwickelt. Die Flexibilität des Werks ermöglicht kundenspezifische Militärmodifikationen, ohne die zivile Plattform grundlegend zu verändern. Hintergrund ist auch die Zukunft des Standorts: Die Fertigung der dort gebauten Porsche-Modelle endet 2026, das T-Roc Cabrio läuft voraussichtlich 2027 aus.
Marktumfeld und Konkurrenz – Herausforderungen für Volkswagen
Obwohl VW mit den MV-Modellen ein neues Kapitel aufschlägt, gibt es etablierte Akteure: Rheinmetall hat mit dem Caracal-Luftlandefahrzeug bereits einen Rahmenvertrag über bis zu 3.058 Fahrzeuge für Deutschland und die Niederlande (Stand 2023; zunächst fest bestellt: 1.508 Fahrzeuge). Zudem liegen bislang keine offiziellen VW-Militäraufträge oder Serienbestellungen vor – die gezeigten Fahrzeuge bleiben Konzepte. Volkswagen selbst spricht von einer Prüfung möglicher Marktchancen und betont, dass keine Waffenproduktion geplant sei.
Häufig gestellte Fragen
Wann findet Enforce Tac 2026 statt?
Enforce Tac 2026 fand vom 23. bis 25. Februar 2026 in Nürnberg statt und ist die führende Messe für Sicherheit und Verteidigung in Deutschland mit Fokus auf Mobilität und Drohnenabwehr.
Sind VW MV.1/MV.2 bereits serienreif?
Gezeigt werden die Fahrzeuge als Konzepte; das Werk Osnabrück ermöglicht schnelle Prototypen, aber es liegen keine bestätigten Serienbestellungen vor.
Fazit
Mit den Military Vehicles MV.1 und MV.2 positioniert Volkswagen sich als neuer Akteur im europäischen Rüstungsmarkt. Die modularen MMP- und MMB-Konzepte bieten hohe Flexibilität für unterschiedliche Einsatzprofile, während das Werk Osnabrück die nötige Produktionsagilität liefert. Gleichzeitig muss sich VW gegen etablierte Anbieter wie Rheinmetall behaupten und reale Aufträge generieren, um die Konzepte in die Serienproduktion zu überführen. Die Enforce Tac 2026 liefert dafür die ideale Bühne, um die strategische Bedeutung von flexiblen, rückrüstbaren Fahrzeugen für Heer, Polizei und Spezialkräfte zu unterstreichen.
Quellen · 2
Stand: 25.03.2026- enforcetac.com en
- youtube.com watch?v=qbS9ijbzeR8
Michael Bauer ist Technologie-Analyst mit Schwerpunkt auf unbemannten Systemen, autonomen Plattformen und der Verteidigungstechnologie der nächsten Generation. Er hat langjährige Erfahrung in der Evaluierung technologischer Trends und ist regelmäßiger Sprecher bei internationalen Fachkonferenzen zu Robotik- und Drohnentechnologien. Bei Defence-Tech.de deckt er technologische Entwicklungen ab, die Cybersicherheit, KI-Integration und autonome Einsatzsysteme verbinden. Bauers Beiträge kombinieren technisches Know-how mit klarer, journalistischer Aufbereitung.
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