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ENFORCER x GEREON – Konzeptdemonstrator auf der Enforce Tac 2026

ENFORCER x GEREON – Konzeptdemonstrator auf der Enforce Tac 2026

25. März 2026 von Dr. Lena Hoffmann

MBDA Deutschland und ARX Robotics präsentieren im Rahmen der Enforce Tac 2026 in Nürnberg erstmals den Konzeptdemonstrator ENFORCER x GEREON. Das unbemannte Bodenfahrzeug GEREON RCS wird dabei als Trägerplattform für bis zu acht MBDA-Lenkflugkörper vom Typ ENFORCER bzw. ENFORCER X eingesetzt. Ziel ist eine skalierbare, witterungs- und tageszeitunabhängige Panzerabwehrfähigkeit, die per Fernsteuerung im Human-in-the-Loop-Modus operiert.

Kontext und Bedeutung der Enforce Tac 2026

Die Enforce Tac 2026 gilt als Deutschlands führende Fachmesse für Sicherheit und Verteidigung. Sie findet vom 23. bis 25. Februar 2026 in Nürnberg statt und wird von Bundeskanzler Friedrich Merz unter Schirmherrschaft geleitet. Die Veranstaltung dient als Plattform für politische Entscheidungsträger, Industrie und Sicherheitsexperten und fokussiert auf europäische Netzwerksicherheit, Hybrid-Threat-Abwehr sowie unbemannte Systeme.

Die Auswahl dieses Messestandorts unterstreicht die strategische Bedeutung der vorgestellten Technologien für europäische Streitkräfte.

Die Trägerplattform GEREON RCS – ein bewährtes UGV

Nach Angaben von ARX Robotics ist das GEREON RCS das am häufigsten an die ukrainischen Streitkräfte gelieferte westliche unbemannte Bodenfahrzeug (UGV). Damit ist es bereits unter realen Kampfbedingungen erprobt.

„Kein anderes westliches UGV-Modell wurde ARX zufolge häufiger an die ukrainischen Streitkräfte geliefert.“ – ARX Robotics

  • Einsatzgebiet: Ukraine (höchste Liefermenge 2022-2026)
  • Antriebstyp: Elektrisch – geringe akustische und optische Signatur
  • Abmessungen: ca. 1,35 m Breite × 1,5 m Höhe
  • Reichweite (Radio): bis 5 km
  • Reichweite (Satellit/LTE/5G): um ein Vielfaches größer
  • Maximale Nutzlast: bis 500 kg
  • Reichweite mit einer Ladung: 40 km
  • Standby-Ausdauer: 72 Stunden
  • Waffen-Kapazität: bis zu 8 ENFORCER-/ENFORCER X-Lenkflugkörper

ENFORCER und ENFORCER X – Lenkflugkörper im Überblick

Der ENFORCER ist in der Bundeswehr als Leichtes Wirkmittel 1800+ eingeführt und wird zudem von mindestens einem nicht genannten Exportkunden beschafft. Er ist ein schultergestützter, Fire-and-Forget-Mehrzweck-Präzisionseffektor, der auf Basis von Anforderungen deutscher Spezialkräfte entwickelt wurde.

  • Reichweite: bis 2.000 m (teilweise darüber hinaus)
  • Zündermodi: Multi-Modus-Zünder für bewegliche und verdeckte Ziele
  • Gefechtskopf (ENFORCER): Multi-Effekt-Kopf
  • Gefechtskopf (ENFORCER X): Tandem-Hohlladung für stark gepanzerte Gefechtsfahrzeuge

ENFORCER X erweitert die Panzerabwehrkompetenz, indem die Tandem-Hohlladung reaktive Panzerung durchdringen kann.

Integration von ENFORCER x GEREON – Technische Umsetzung und Human-in-the-Loop

Das Gesamtsystem verbindet die Mobilität des GEREON RCS mit der Präzision der ENFORCER-Lenkflugkörper. Der Einsatz erfolgt nach dem Human-in-the-Loop-Prinzip: Der Bediener steuert das UGV fern, nutzt dessen Sensorik zur Zielerfassung, prüft das Zielbild auf der Bedienstation und erteilt den Feuerbefehl. Anschließend fliegt der Flugkörper autonom im Fire-and-Forget-Modus zum Ziel.

„Der Bediener bestätigt die Zielerfassung über UGV-Sensorik, koppelt den Tracker und erteilt den Feuerbefehl. Der Flugkörper fliegt danach autonom zum Ziel.“ – Vertreter von MBDA

  1. Aufklärung: Sensorik des UGV oder externe Aufklärungsmittel identifizieren potenzielle Ziele.
  2. Annäherung: Das UGV fährt zum Zielbereich (max. 2 km Reichweite des Flugkörpers).
  3. Zielerfassung: Der Werfer richtet sich, die Verschlusskappen öffnen sich, das Zielbild wird auf der Bedienstation angezeigt.
  4. Entscheidung: Der Bediener schaltet den Tracker ein und erteilt den Feuerbefehl.
  5. Abschuss: Der ENFORCER/ENFORCER X fliegt autonom zum Ziel.

Taktische Einsatzszenarien

Das System kann in verschiedenen Szenarien eingesetzt werden:

  • Unbemannte, abstandsfähige Panzerabwehr – das UGV positioniert sich, erfasst Ziele und greift sie per Lenkflugkörper aus sicherer Entfernung an.
  • Unterstützung von Infanterie – das Fahrzeug transportiert bis zu acht Flugkörper, die von Soldaten vor Ort aus der Schulter abgefeuert werden können.
  • Kooperatives Vorgehen – in Verbindung mit anderen Aufklärungssystemen kann das UGV „heranpirschen“ und Ziele gezielt neutralisieren.
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Position im europäischen Wehrtechnik-Ökosystem und CUGS-Initiativen

MBDA nutzt das langjährige Know-how aus dem EU-Verbundprojekt Combat Unmanned Ground Systems ( CUGS ) der European Defence Agency (EDA). Dort wurden bereits vergleichbare Datenintegrations-Herausforderungen zwischen unbemannten Fahrzeugen und Waffensystemen gelöst.

„Im Rahmen des seit Jahren laufenden Vorhabens CUGS haben wir das notwendige Know-how gesammelt und bereits nachgewiesen, dass vergleichbare Herausforderungen gelöst werden können.“ – MBDA-Vertreter

Die Einbindung dieses europäischen Forschungsrahmens unterstreicht die institutionelle Reife des Projekts und reduziert technische Risiken.

Weitere Entwicklungsschritte und offene Herausforderungen

ENFORCER x GEREON bleibt ein Konzeptdemonstrator. Wesentliche Entwicklungsaufgaben, insbesondere der bidirektionale Datenaustausch zwischen UGV und Lenkflugkörper (Zielbildübertragung, Statusrückmeldung), müssen noch realisiert werden. Der weitere Fortschritt hängt vom Kundeninteresse ab.

Zusätzlich bestehen Diskussionen zu:

  • Autonomie und Völkerrecht: Das Human-in-the-Loop-Prinzip adressiert Bedenken, doch Fragen zur Einhaltung zukünftiger Normen für autonome Waffen bleiben.
  • Kosten und Logistik: Keine Kostendaten wurden veröffentlicht; die Kombination zweier spezialisierter Systeme könnte hohe Anschaffungs- und Instandhaltungskosten bedeuten.
  • Exportkontrolle: ENFORCER unterliegt deutschen Exportbeschränkungen, was die potenzielle Kundschaft einschränken könnte.

Fazit

Der Konzeptdemonstrator ENFORCER x GEREON verkörpert einen bedeutenden Schritt in der europäischen Wehrtechnik: Er verbindet ein bewährtes, elektrisch betriebenes UGV mit einem flexiblen, schultergestützten Lenkflugkörper. Die Präsentation auf der Enforce Tac 2026 liefert einen ersten Blick auf eine potenzielle, abstandsfähige Panzerabwehrlösung, die Wetter- und Geländebedingungen trotzt und gleichzeitig menschliche Kontrolle über kritische Entscheidungen wahrt. Während die technische Basis dank EU-Forschungsprogrammen solide ist, bleiben Entwicklungs- und Regulierungsfragen offen. Die weitere Realisierung hängt maßgeblich vom Interesse der NATO-Streitkräfte und von Export- bzw. Kostenaspekten ab.

Quellen

  • https://www.enforcetac.com/en
  • https://www.enforcetac.com/en/programme/conference

Die genannten Quellen bieten weiterführende Informationen.

FAQ

Wie funktioniert das Human-in-the-Loop-Prinzip bei ENFORCER x GEREON?

Der Bediener prüft das von den UGV-Sensoren gelieferte Zielbild, gibt den Feuerbefehl und das System schaltet anschließend in den autonomen Fire-and-Forget-Modus.

Welche Reichweite haben die ENFORCER-Lenkflugkörper?

Der ENFORCER erreicht bis zu 2.000 Meter, während ENFORCER X dank seiner Tandem-Hohlladung ähnliche Reichweiten bei gleichzeitig höherer Durchschlagskraft bietet.

Ist das System bereits einsatzbereit?

Derzeit ist ENFORCER x GEREON ein Konzeptdemonstrator; wesentliche technische Integration und Zulassungsfragen müssen noch abgeschlossen werden.

Welche Länder könnten von dieser Technologie profitieren?

Primär NATO-Mitglieder und andere europäische Streitkräfte, die eine flexible, abstandsfähige Panzerabwehrlösung suchen, stehen im Fokus.

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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