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Boeing F-15EX: Kandidat für Österreichs Eurofighter-Nachfolge

Das Bundesheer sucht einen Nachfolger für seine 15 Eurofighter der Tranche 1 und plant 36 Überschall-Kampfflugzeuge für rund zehn Milliarden Euro. Die Boeing F-15EX zählt laut Militär Aktuell zu sieben möglichen Mustern, ein Angebot oder eine Bestellung für Österreich ist nicht bekannt.

6 Min. Lesezeit

Warum das Bundesheer 36 Kampfflugzeuge plant

Österreich betreibt 15 Eurofighter der Tranche 1. Sie wurden Anfang der 2000er-Jahre aus politischen Gründen anstelle der moderneren Tranche 2 beschafft. Andere Nutzerstaaten stellen ihre Tranche-1-Flugzeuge in den kommenden Jahren außer Dienst. Österreich bliebe dann als nahezu letzter Betreiber einer kleinen Restflotte zurück, mit Folgen für Ersatzteile, Softwarepflege und Kosten. Länger als bis 2035 können die Flugzeuge nach Angaben des Bundesheeres nicht betrieben werden.

Die Zahl 36 leiten Rüstungschef Generalleutnant Harald Vodosek und Air Chief Generalmajor Gerfried Promberger aus Einsatzlogik, Wartung und Ausbildung ab. Das Bundesheer rechnet vereinfacht mit einer Klarstandsquote von etwa zwei Dritteln. Um dauerhaft Alarmrotten zu stellen, auszubilden und eine Einsatzreserve vorzuhalten, braucht es diese Größenordnung. Aus militärischer Sicht wäre zudem eine Verteilung auf mehrere Basen sinnvoll.

Gesucht ist kein reines „Luftraumüberwachungsflugzeug“ mehr, sondern ein überschallfähiges Mehrzweck-Kampfflugzeug (Supersonic Multi-role Fighter Aircraft, SMFA). Es soll Teil eines integrierten Luftverteidigungssystems mit Radar, Führungssystemen und bodengebundener Luftabwehr sein. Zu den Anforderungen zählen hohe Geschwindigkeit und Steigleistung, große Reichweite, moderne Sensorik, Datenlinks wie Link 16 und perspektivisch die Fähigkeit zur Luftbetankung.

Zeitplan und Kosten der Eurofighter-Nachfolge

Der Typ ist nicht festgelegt, das Bundesheer befindet sich in einer frühen Analysephase. Nach dem vorgestellten Zeitplan läuft sie vom dritten Quartal 2026 bis zum zweiten Quartal 2027. Das Beschaffungsverfahren soll zwischen dem dritten Quartal 2027 und dem zweiten Quartal 2028 eingeleitet werden. Bewertung, Vergabe und Vertragsabschluss sind zwischen dem dritten Quartal 2028 und dem ersten Quartal 2029 vorgesehen. Damit fiele die Entscheidung wie im Regierungsprogramm angekündigt noch in dieser Legislaturperiode. Erste neue Flugzeuge sollen ab 2032 zulaufen, die Eurofighter würden so lange parallel weiterbetrieben.

  • Systemkosten: ab rund 200 Millionen Euro pro Flugzeug, inklusive Ausbildung, Simulation, Materialerhaltung und Logistik (Größenordnung des Rüstungschefs)
  • Gesamtvorhaben: rund 10 Milliarden Euro für 36 Maschinen, eine Planungsgröße und kein beschlossenes Budget
  • Betrieb: Eine Eurofighter-Flugstunde kostet laut Vodosek schon heute rund 70.000 Euro, bei einem Nachfolger werde der Wert eher höher liegen
  • Finanzierung: Die Entscheidung müsste Ende 2027 oder Anfang 2028 fallen, nach Ansicht des Bundesheeres über ein Sonderbudget statt des regulären Verteidigungsbudgets

Sieben Kandidaten, die F-15EX als Überraschung

In einem Pressegespräch nannte das Bundesheer unter anderem Eurofighter, Rafale, F-35, Gripen E/F, F-15 und F-16 als geprüfte Muster. Militär Aktuell kommt nach eigenen Recherchen auf sieben Kandidaten. Die F-16 Block 70 zählt das Magazin nicht mehr dazu.

  • Lockheed Martin F-35A
  • Eurofighter Neo
  • Saab Gripen E/F
  • Dassault Rafale F5
  • KAI KF-21
  • TAI Kaan
  • Boeing F-15EX Eagle II

Die F-15EX führt Militär Aktuell als Überraschungskandidaten. Festgelegt hat sich das Bundesheer nicht.

Technik der Boeing F-15EX Eagle II

Die F-15EX baut auf der Exportversion F-15QA für Katar auf, die ihrerseits von der F-15E Strike Eagle abstammt. Sie hat eine digitale Fly-by-Wire-Steuerung, das AESA-Radar AN/APG-82 und das elektronische Kampfsystem EPAWSS. Zwei Triebwerke vom Typ General Electric F110-GE-129 leisten mit Nachbrenner je 131,65 kN Schub. Boeing gibt eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,5 an.

  • Maximales Startgewicht: 81.000 lb (36.741 kg), laut Boeing
  • Nutzlast: 29.500 lb (13.381 kg), darunter bis zu zwölf AMRAAM-Lenkwaffen oder ein gleichwertiger Mix großer Waffen, laut Boeing
  • Zellenlebensdauer: mehr als 20.000 Flugstunden, laut Boeing

Laut Militär Aktuell spricht Boeing von bis zu 22 Luft-Luft-Lenkwaffen, praktisch nachgewiesen hat das US Air Force Materiel Command zwölf AMRAAM. Tarnkappeneigenschaften hat die F-15EX nicht. Das Magazin sieht ihre Stärken in der hohen Waffenlast, dem großen Radar und langen Patrouillenflügen, etwa gegen Langstreckendrohnen und Marschflugkörper.

Lebensdauer und Betriebskosten im Vergleich

Für den Eurofighter waren laut Militär Aktuell 6.000 Flugstunden Zellenlebensdauer angegeben, die F-35A ist mit 8.000 Stunden gelistet. Boeing nennt für die F-15EX mehr als 20.000 Stunden und bewirbt eines der niedrigsten Kostenprofile pro Flugstunde in ihrer Klasse.

Die Flugstundentabellen des Pentagons weisen laut Militär Aktuell für die F-15EX rund 14.000 Euro aus, für die F-35 26.000 bis 31.000 Euro. Diese Werte enthalten nur Treibstoff und verbrauchsabhängige Wartung, nicht aber Personal, große Wartungsereignisse und Infrastruktur. Ob die 70.000 Euro, die das Bundesheer für eine Eurofighter-Flugstunde nennt, auf derselben Grundlage beruhen, geht aus den Angaben nicht hervor.

US-Beschaffung: Produktionslos, Planziel und Rahmenvertrag

Boeing hat Ende September 2026 einen Auftrag über 22 weitere F-15EX für 2,38 Milliarden US-Dollar erhalten. Laut Militär Aktuell ist es das siebte Produktionslos, Triebwerke und teils die EW-Systeme laufen über eigene Verträge. Damit hat die US Air Force 120 F-15EX bestellt. Boeing will die Fertigung in St. Louis auf zwei Flugzeuge pro Monat steigern.

Das Planziel der US Air Force liegt laut The War Zone mit dem Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2027 bei rund 267 Jets, zuvor waren es 129. Der Kongress muss den Entwurf noch billigen. Die ersten Maschinen gehen an die Air National Guard, die den Luftraum über den USA sichert. Zu ihren Aufgaben gehört das Abfangen von Flugzeugen sowie die Abwehr von Marschflugkörpern und weitreichenden Einweg-Angriffsdrohnen.

Am 24. August 2026 hat die US Air Force Boeing ohne Ausschreibung den Rahmenvertrag „F-15 Eagle Crest“ mit einer Obergrenze von 131,23 Milliarden US-Dollar zugesprochen. Er umfasst Neuproduktion, Modernisierung, Nachrüstung und Instandhaltung der F-15. Bestellt werden kann bis August 2031, mit Option bis 2036. Der Betrag ist eine Obergrenze, kein fester Auftrag. Als Exportkunden über Foreign Military Sales nennt der Vertrag Japan, Israel, Saudi-Arabien, Südkorea, Singapur, Indonesien und Polen. Österreich ist nicht darunter.

Risiken und Gegenargumente

  • Kein Angebot, keine TypenentscheidungFür Österreich ist weder eine Bestellung noch ein Angebot oder eine Vorauswahl der F-15EX belegt.
  • Verlässlichkeit der USAGanz oben unter den Gegenargumenten nennt Militär Aktuell die sicherheitspolitische Verlässlichkeit der USA.
  • EU-LeitlinieEin Kauf in den USA stünde laut Militär Aktuell im Widerspruch zur Leitlinie, gemeinsam in Europa zu investieren.
  • Keine TarnkappeMilitär Aktuell beschreibt die F-15EX als ergänzenden Waffenträger, der nicht selbst in dichte Luftabwehr eindringen soll.
  • Offene FinanzierungDas Bundesheer hält ein Sonderbudget für nötig. Eine politische Entscheidung darüber steht aus.

Schnellüberblick

Ist die F-15EX für Österreich bestellt?

Nein. Das Bundesheer befindet sich in einer frühen Analysephase, der Typ ist nicht festgelegt. Laut Militär Aktuell ist die F-15EX einer von sieben möglichen Kandidaten.

Warum plant das Bundesheer 36 statt bisher 15 Kampfflugzeuge?

Bei einer Klarstandsquote von etwa zwei Dritteln braucht es diese Größenordnung, um dauerhaft Alarmrotten zu stellen, auszubilden und eine Einsatzreserve vorzuhalten. Aus militärischer Sicht wäre zudem eine Verteilung auf mehrere Basen sinnvoll.

Wann fällt die Entscheidung über die Eurofighter-Nachfolge?

Vergabe und Vertragsabschluss sind zwischen dem dritten Quartal 2028 und dem ersten Quartal 2029 geplant. Erste neue Flugzeuge sollen ab 2032 kommen. Die Eurofighter der Tranche 1 können nach Angaben des Bundesheeres nicht länger als bis 2035 betrieben werden.

Was kostet die Eurofighter-Nachfolge?

Der Rüstungschef nennt für 36 Maschinen rund zehn Milliarden Euro bei Systemkosten ab rund 200 Millionen Euro pro Flugzeug. Das ist eine Planungsgröße, kein beschlossenes Budget.

Quellen · 7

Stand: 18.10.2026
  1. militaeraktuell.at bundesheer-eurofighter-nachfolger-stueck-kosten
  2. militaeraktuell.at eurofighter-nachfolge-sieben-kandidaten-rennen
  3. militaeraktuell.at bundesheer-schaut-auf-boeing-f-15ex-eagle-ii
  4. boeing.com defense/fighters-and-bombers/f-15ex-eagle
  5. boeing.com features/2026/09/boeing-secures-order-for-22-more-f-15ex-fighters
  6. twz.com air/f-15ex-buy-was-just-doubled-by-the-usaf-which-makes-perfect-sense
  7. defensenews.com news/your-military/2026/08/28/air-force-awards-boeing-131-billion-ceiling-contract-for-f …
Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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