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Leonardo liefert 12. AW169 ‚Lion‘ an Österreich – erster mit MX-15

Leonardo liefert 12. AW169 ‚Lion‘ an Österreich – erster mit MX-15

30. August 2026 von Michael Bauer

Am 30. Juli 2026 hat das österreichische Bundesheer den zwölften Leonardo AW169 ‚Lion‘ (Kennzeichen 5M-IL) am Fliegerhorst Fiala-Fernbrugg in Aigen im Ennstal übernommen. Damit ist ein Drittel der insgesamt 36 bestellten Mehrzweckhubschrauber bereits im Land und der erste mit dem elektro-optischen Sensorsystem MX-15 von Wescam ausgerüstet. Die Lieferung markiert einen wichtigen Meilenstein im Modernisierungsprogramm der österreichischen Luftstreitkräfte, das die Lücke nach der Ausmusterung der Alouette III schließen und die Fähigkeiten im Katastrophenschutz sowie bei militärischen Einsätzen im Alpenraum deutlich erweitern soll.

Bestellübersicht und Lieferplan

Das Bundesheer hat insgesamt 36 Leonardo AW169 ‚Lion‘ bestellt, aufgeteilt in:

  • 12 AW169B – Basisausbildungs- und leichte Transportvariante
  • 24 AW169MA – taktische Mehrzweck-Advanced-Variante

Die Auslieferungen sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Nach der Ankunft von 5M-IL sind bislang elf Hubschrauber einsatzbereit; ein weiteres Exemplar musste nach einer harten Landung im März zur Werkreparatur nach Italien zurückkehren.

Government-to-Government-Vertrag und Finanzrahmen

Die Beschaffung erfolgt über ein bilaterales Government-to-Government-Abkommen (G2G) mit dem italienischen Verteidigungsministerium. Im Dezember 2022 wurde eine Optionsziehung beschlossen, die das ursprüngliche Paket von 18 Maschinen auf insgesamt 36 verdoppelte. Der gesamte Finanzaufwand beläuft sich auf rund 873 Millionen Euro und umfasst neben den Hubschraubern auch Simulatoren, Infrastruktur, Bewaffnung und Mehrwertsteuer.

  • G2G-Vertragswert Erstpaket (18 Maschinen) – ca. 346 Mio. € (2021)
  • G2G-Vertragswert Optionsziehung (weitere 18 Maschinen) – ca. 304 Mio. € (2022)
  • Gesamtaufwand inkl. Infrastruktur, Simulatoren, Bewaffnung – ca. 873 Mio. € (2022)

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner kommentierte die Entscheidung: „Mit dem AW169 Lion machen die Luftstreitkräfte wieder einen großen Schritt in die Zukunft. Die Vielseitigkeit des Hubschraubers bringt wichtige Fähigkeiten für das Bundesheer, um militärische Aufgaben noch besser zu erfüllen. Aber auch bei Evakuierungen nach Unwettern und bei der Waldbrandbekämpfung hat der AW169 Lion in den vergangenen Monaten mit seiner Leistung überzeugt.“

Stationierungsstruktur und operative Einsatzbereiche

Die Verteilung der Flotte auf die österreichischen Militärflugplätze ist wie folgt geplant:

  • Fliegerhorst Brumowski (Langenlebarn, Niederösterreich): 24 Stück (12 AW169B + 12 AW169MA)
  • Fliegerhorst Fiala-Fernbrugg (Aigen im Ennstal, Steiermark): 12 Stück (AW169MA) plus zentrale Wartungswerft

Zusätzlich wird der Hubschrauberstützpunkt Vomp bei Schwaz in Tirol für den AW169 angepasst. Für die Pilotenausbildung stehen in Langenlebarn und Aigen im Ennstal jeweils Hubschraubersimulatoren zur Verfügung, die realitätsnahe Trainingsszenarien ermöglichen.

Technische Daten und Leistungsfähigkeit

Der Leonardo AW169 ‚Lion‘ kombiniert moderne Avionik mit hoher Nutzlastkapazität und Reichweite:

  • Maximales Abfluggewicht (MTOW): 4.600 – 5.100 kg (2023)
  • Höchstgeschwindigkeit: 283 km/h (2023)
  • Reichweite ohne Zusatztanks: ca. 816 km (2023)
  • Außenlast bis zu 2.000 kg – ermöglicht den zwei- bis dreifachen Wassertransport bei Waldbränden im Vergleich zur Alouette III

Die taktische AW169MA ist mit einem integrierten Waffenleitrechner, ballistischem Schutz, Radar-/Raketenwarnsystemen und Pylonen für 12,7-mm-Maschinengewehre sowie Thales-Raketen ausgestattet. Die erste MA-Variante soll voraussichtlich im Dezember 2024 in Österreich eintreffen.

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Risiken und Herausforderungen

Bei der Umsetzung des Flottenaufbaus gibt es zwei zentrale Risikofaktoren:

  • Abhängigkeit von italienischer Zertifizierung: Die Auslieferung der 24 taktisch bewaffneten AW169MA hängt von der Erteilung des Military Type Certificate (MTC) durch Italien ab. Verzögerungen könnten den Zeitplan bis 2028 gefährden.
  • Instandsetzungs- und Flottengrößenengpässe: Beschädigte Maschinen, wie das im März verunfallte Exemplar, müssen zur Werkreparatur nach Italien zurückgeführt werden, was die Einsatzverfügbarkeit in der Einführungsphase einschränkt.

Brigadier Wolfgang Luttenberger, Kommandant der Luftunterstützung, betonte: „Die Integration des MX-15-Sensors erweitert unser Aufklärungs- und Zielerfassungsvermögen erheblich. Wir werden die neue Technologie Schritt für Schritt in die bestehenden Einsatzkonzepte einbinden.“

Schnellüberblick:

Wie viele AW169-Hubschrauber hat das Bundesheer bestellt?

36 Stück (12 AW169B und 24 AW169MA).

Bis wann soll die Auslieferung abgeschlossen sein?

Ende 2028.

Welches Sensor-System ist bei der 5M-IL verbaut?

Das elektro-optische System MX-15 von Wescam.

Welche Flugplätze erhalten die neuen Hubschrauber?

Langenlebarn (Brumowski) und Aigen im Ennstal (Fiala-Fernbrugg); zusätzlich wird Vomp angepasst.

Wie hoch ist das Gesamtbudget der Beschaffung?

Rund 873 Millionen Euro inklusive Infrastruktur, Simulatoren, Bewaffnung und Steuern.

Quellen

  • https://www.bundesheer.at/aktuell/detail/fragen-und-antworten-zur-beschaffung-des-mehrzweckhubschraubers-leonardo-aw169
  • https://www.bundesheer.at/waffen-und-geraet/aw-169-lion

Michael Bauer

Michael Bauer ist Technologie-Analyst mit Schwerpunkt auf unbemannten Systemen, autonomen Plattformen und der Verteidigungstechnologie der nächsten Generation. Er hat langjährige Erfahrung in der Evaluierung technologischer Trends und ist regelmäßiger Sprecher bei internationalen Fachkonferenzen zu Robotik- und Drohnentechnologien. Bei Defence-Tech.de deckt er technologische Entwicklungen ab, die Cybersicherheit, KI-Integration und autonome Einsatzsysteme verbinden. Bauers Beiträge kombinieren technisches Know-how mit klarer, journalistischer Aufbereitung.

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