Operation Vivaldi durchbricht russische Zangenbewegung um Lyman
Im September 2026 startete das ukrainische 3. Armeekorps die Gegenoffensive „Operation Vivaldi“ nördlich von Lyman. Durch die systematische Unterdrückung gegnerischer Logistik, den massiven Einsatz von Drohnen und unbemannten Bodensystemen (UGVs) sowie die gezielte Schwächung russischer EloKa-Stromversorgungen konnte die ukrainische Streitmacht die geplante russische Zangenbewegung um den Festungsgürtel Slowjansk-Kramatorsk durchkreuzen.
Strategische Ziele und die russische Zangenoperation
Nach Angaben von Brigadegeneral Andrij Bilezkyj, Kommandeur des 3. Armeekorps, sollte die russische Seite über einen 18-monatigen Vorstoß einen Frontvorsprung von Lyman über Swjatohirsk nach Barwinkowe aufbauen. Dort war ein Ringschluss mit Einheiten aus dem Raum Dobropillja geplant, um den befestigten Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk zu umschließen. Bilezkyj erklärte, dass die ukrainische Gegenoffensive diese Zangenbewegung „vorerst undurchführbar“ gemacht habe.
Technische Umsetzung: Drohnen, UGVs und EloKa-Stromabschaltung
Die Vorphase der Operation wurde vom Institute for the Study of War (ISW) detailliert analysiert. Ukrainische Präzisionsschläge richteten sich gezielt gegen Treibstofflager und Dieselgeneratoren in der Oblast Luhansk. Da die russischen Hochleistungs-Stör- und Richtfunksysteme (EloKa) stark von Strom aus Dieselaggregaten abhängig sind, führte der Ausfall der Energieversorgung zu einer temporären Lücke im elektronischen Abwehrschirm.
Durch diese Lücke konnten ukrainische Bomberdrohnen die Lufthoheit im betroffenen Sektor erzwingen. Gleichzeitig setzten schwere Bomberdrohnen unbemannte Kamikaze-Bodenfahrzeuge (UGVs) mehr als zehn Kilometer hinter die russischen Stellungen ab. Diese UGVs, per schwerer Transportdrohnen in das feindliche Hinterland gebracht, bildeten die Speerspitze der Bodenoperationen.
Bilezkyj erklärte laut Kyiv Post, das Korps sei „das erste weltweit, das begonnen hat, unbemannte Bodensysteme per Luft abzusetzen“.
Erfolge in Phase 1 und Phase 2
Phase 1 konzentrierte sich auf das Säubern infiltrierter Korridore in den Ortschaften Jarowa, Nowoseliwka, Oleksandriwka und Korowij Jar. Zusätzlich wurde das Dorf Serednje zurückerobert. Das 3. Armeekorps meldete dafür eine bereinigte Infiltrationsfläche von 75 km² sowie zehn weitere Quadratkilometer, die zuvor fest besetzt waren.
Phase 2 erweiterte die Geländegewinne um weitere 40 km² und befreite die Dörfer Schandryholowe und Derylowe. Zudem fiel Drobyschewe vollständig in ukrainische Kontrolle. Insgesamt beanspruchte Kiew nach beiden Phasen 125 km², davon 50 km² de-okkupiertes Gebiet.
- Bereinigte Infiltrationsfläche (Phase 1): 75 km²
- De-okkupiertes Gebiet (Phase 1 & 2): 50 km²
- Geländegewinne (Phase 2): 40 km²
- Russische Personalverluste (Phase 2): 800 Personen
- Gesamtausfälle (Phase 1 & 2): >3 000 Personen (Gefallene, Verwundete, Gefangene)
Verluste, Gegenpressungen und Risikobewertung
Obwohl die ukrainischen Kräfte signifikante Geländegewinne erzielten, bleibt die Gesamtinitiative an anderen Frontabschnitten bei Russland stark. Beobachter berichteten von über 250 Gefechten täglich in den Bereichen Pokrowsk, Huljajpole und Kostjantyniwka. Can Kasapoğlu vom Hudson Institute betonte, dass der russische Druck dort „ungebrochen hoch bleibe“.
Die Genauigkeit der gemeldeten Geländegewinne ist zudem von OSINT-Analysten abhängig. In unübersichtlichem Wald- und Schluchtengelände lassen sich Grenzziehungen oft erst Tage später per Satellitenbild bestätigen.
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Schnellüberblick:
Warum nennt das ukrainische Militär die Offensive „Operation Vivaldi“?
Der Deckname bezieht sich auf Antonio Vivaldis Werk „Die vier Jahreszeiten“. Die Militärführung gliedert den Gesamteinsatz in vier aufeinander aufbauende Phasen, von denen bislang die ersten beiden bilanziert wurden.
Welche Rolle spielten Drohnen und Robotersysteme?
Schwere ukrainische Bomberdrohnen setzten unbemannte Kamikaze-Bodenfahrzeuge (UGVs) mehr als zehn Kilometer hinter den russischen Stellungen ab, um Stützpunkte vor dem Vormarsch der Infanterie zu schwächen.
Was war das strategische Ziel der russischen Seite bei Lyman?
Russland baute über 18 Monate einen Frontvorsprung auf, um über Swjatohirsk nach Barwinkowe vorzustoßen. Dort sollte ein Ringschluss mit Einheiten aus dem Raum Dobropillja erfolgen, um den befestigten Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk abzutrennen.
