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Vom homothetischen Heer zu flexiblen, missionsorientierten Streitkräften: Command by Intent, ePoints und die Zukunft der Verteidigungs-Tech-Startups

Vom homothetischen Heer zu flexiblen, missionsorientierten Streitkräften: Command by Intent, ePoints und die Zukunft der Verteidigungs-Tech-Startups

2. Februar 2026 von Anna Schröder

Die traditionellen Militärstrukturen, die seit Jahrhunderten nach einem einheitlichen Skalierungsprinzip gebaut sind, stehen vor einer tiefgreifenden Transformation. Der Paradigmenwechsel von einer homothetischen Armee – einer starren, hierarchisch replizierten Struktur – hin zu flexiblen, missionsorientierten Einheiten, die nach dem Prinzip Command by Intent (Subsidiarität) operieren, wird bereits in der Ukraine praktisch umgesetzt. Dieser Wandel eröffnet nicht nur taktische Vorteile auf dem modernen, drohnen-dominierten Schlachtfeld, sondern schafft auch ein Milliarden-Marktpotenzial für Defence-Tech-Startups in NATO-Ländern.

Was ist die „homothetische Armee“?

Der Begriff wurde von Michael Shurkin in seinem War-on-the-Rocks-Artikel von 2021 geprägt. Er beschreibt ein Modell, bei dem jede Ebene einer Armee eine vergrößerte Kopie der darunter liegenden Einheit ist – gleiche Form, unterschiedliche Größe, zentraler Kommandopunkt. Shurkin fasst das prägnant zusammen:

„Homothety denotes fixity or rigidity of shape“ [1].

Dieses Modell hat historisch zwar Skalierbarkeit ermöglicht, erweist sich jedoch in einer Ära, in der Drohnen, Echtzeit-Sensorik und transparente Schlachtfelder dominieren, als unflexibel.

Quelle: Kill the Homothetic Army – War on the Rocks (2021)

Command by Intent – Gen. Guy Hubins Vision

Gen. Guy Hubin, ein Verfechter der französischen Doktrin, argumentiert, dass Fortschritte in Präzisionssensoren, verteilte Lethalität und vernetzte Operationen das homothetische Modell überflüssig machen. Statt starrer Einheiten fordert er flüssige Formationen und die Delegation von Entscheidungsbefugnissen nach unten:

„Hubin, consistent with French doctrine, is pushing the mandate for initiative down to junior officers and noncommissioned officers in a context in which he does not expect unit structures to be relevant.“ [1]

Der Kern von Command by Intent ist, dass Vorgesetzte lediglich den allgemeinen Zweck kommunizieren und die Untergebenen eigenverantwortlich die Umsetzung steuern. Dieser Ansatz wurde von Shurkin bereits 2022 in einem RAND-Papier als Subsidiarität definiert.

Französische Doktrin der Subsidiarität und GTIA-Modularität

Frankreich hat diese Idee praktisch seit den 2000er-Jahren umgesetzt. Die sogenannten GTIA (Groupes Tactiques Interarmes) bzw. SGTIA (Groupes Tactiques Interarmes de Soutien) operieren auf Bataillon- oder Kompanie-Ebene und verfügen über hohe Autonomie. Sie ermöglichen die Zusammenstellung maßgeschneiderter Kräfte ohne starre Hierarchien.

  • Größe: Bataillon-/Kompanie-Niveau
  • Jahr: 2000er
  • Nutzen: Kombinierte Kampfeinheiten für spezifische Missionen

Quelle: French Army Approaches to High Intensity Warfare – Wavell Room (2022)

NATO-Diskussionen zu Force Protection jenseits Homothetie

Der NATO-Lessons-Learned-Portal kritisiert die homothetische Struktur als unzureichend für moderne Bedrohungen. Stattdessen wird ein adaptives System mit interner Arbitration gefordert, das Resilienz und politische Effizienz priorisiert.

  • Empfohlene Anpassung: Adaptives System mit Arbitration
  • Jahr: unbekannt
  • Hinweis: Priorisiert Resilienz und politische Effizienz

Quelle: FORCE PROTECTION – NATO JALLC

ePoints – Praxisbeispiel aus der Ukraine

Im Jahr 2025 führte die Ukraine das ePoints-System (auch „Bonus“ genannt) ein. Es verknüpft nachweisbare Kampfeffekte mit direktem Zugriff auf fortschrittliche Ausrüstung über den Brave1-Marktplatz – ein „Amazon-style“-Online-Store für Drohnen, elektronische Kriegsführungskits und weitere Tools.

Funktionsweise:

  1. Soldaten reichen Video-Beweise für bestätigte Effekte ein (z. B. feindliche Kills, Zerstörung von Ausrüstung, Evakuierungen mit Robotern).
  2. Die DELTA-Kommando- und Kontrollplattform bewertet und vergibt Punkte.
  3. Die Punkte können im Brave1-Marktplatz gegen passende Ausrüstung eingetauscht werden.

Dieses System setzt auf zwei Prinzipien: Performance over bureaucracy und tailored enhancements. Ressourcen fließen nicht mehr nach Rang, sondern nach nachweisbarer Wirkung – ein klarer Bruch mit dem homothetischen Paradigma.

Was bedeutet das für Defence-Tech-Startups?

Der Wandel eröffnet ein Marktpotenzial von mehreren Milliarden Euro. Traditionelle Rüstungsunternehmen, die auf lange Entwicklungszyklen und standardisierte Systeme setzen, können die Anforderungen von Command by Intent kaum erfüllen. Startups dagegen agieren agil, dezentral und können in degradierten Netzen funktionieren.

Beispiele aus der Praxis

  • Unbound Autonomy (Litauen, 2024): AI-gestützte Wearables, die Battlefield-Daten automatisch erfassen und an C2-Systeme übermitteln – ohne manuelle Funkberichte.
  • LE\VECTOR (Frankreich): Kognitive Infrastruktur, die menschliche Intent-Signale in koordinierte Aktionen für tausende autonome Systeme übersetzt.

Beide Unternehmen setzen genau dort an, wo das ePoints-Modell dezentrale, leistungsbasierte Beschaffung verlangt.

Handlungsempfehlungen für Gründer

  1. Dezentralisierung statt Zentralisierung: Lösungen, die kleine Einheiten eigenständig operieren lassen, sind gefragt.
  2. Robustheit in degradierter Umgebung: On-Device-Verarbeitung, Mesh-Netzwerke und graceful degradation sind Pflicht.
  3. Integration, nicht Ersatz: Produkte sollten sich nahtlos in bestehende C2-Systeme wie DELTA oder NATO-Plattformen einfügen.
  4. Live-Labor Ukraine: Programme wie das EU4UA Defence Tech Program (Fördervolumen €3,3 Mio., 2025) ermöglichen Feldtests unter realen Bedingungen.
  5. Feedback-Loop schließen: Zeigen Sie, dass Ihre Technologie messbare Kampfeffekte erzeugt – das ist das Kernprinzip von ePoints.

Quelle für das EU-Programm: War on the Rocks – EU4UA Defence Tech Program (2025)

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Gegenargumente und Risiken

Der vollständige Übergang von Homothetie zu flexiblen Strukturen birgt Herausforderungen:

  • Skalierbarkeit: Homothetie ermöglicht bewährte Massenmobilisierung; Flexibilität erhöht Trainings- und Koordinationsaufwand.
  • Verifikation von ePoints: Das System beruht auf Video-Beweisen, die in chaotischen Umgebungen gefälscht oder verzerrt werden können.

Diese Punkte zeigen, dass hybride Modelle – eine Kombination aus bewährten Skalierungsprinzipien und adaptiven Elementen – realistischer sein könnten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was genau bedeutet „homothetische Armee“?Ein Modell, bei dem Einheiten hierarchisch skaliert sind wie geometrische Homothetien: gleiche Form, variierende Größe, zentraler Kommandopunkt (Shurkin, 2021, War on the Rocks).Wie funktioniert Subsidiarität in der Praxis?Kommandeure teilen Intent, Untergebene handeln autonom; die französische Doktrin nutzt dies in GTIA-Einheiten für Improvisation (Wavell Room, 2022).Gibt es NATO-Programme ähnlich Brave1?Ja, UNITE – Brave NATO verbindet ukrainische Innovation mit alliierten Beschaffungen; EU4UA fördert Tests in der Ukraine (Artikel, 2025).

Fazit

Der Übergang von einer homothetischen Armee zu flexiblen, missionsorientierten Strukturen ist kein theoretisches Gedankenspiel mehr – er wird bereits auf dem Boden der Ukraine realisiert. Command by Intent, unterstützt durch das ePoints-System, demonstriert, dass Wirkung, nicht Rang, künftig die Beschaffungsentscheidungen bestimmt. Für NATO-Staaten bedeutet das nicht nur eine taktische Neuausrichtung, sondern auch ein enormes wirtschaftliches Potenzial: Defense-Tech-Startups, die dezentrale, robuste und integrierbare Lösungen anbieten, stehen an der Schwelle zu einem Milliarden-Markt. Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen – insbesondere in Bezug auf Skalierbarkeit, Trainingsaufwand und die Verlässlichkeit von Evidenzdaten. Ein ausgewogener Ansatz, der bewährte Elemente der Homothetie mit den flexiblen Prinzipien von Command by Intent kombiniert, dürfte den Weg in die Zukunft der Streitkräfte ebnen.

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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