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IWI ARBEL steigert Präzision und Drohnenabwehr auf AR-15 und NEGEV

IWI ARBEL steigert Präzision und Drohnenabwehr auf AR-15 und NEGEV

6. September 2026 von Dr. Lena Hoffmann

Das von Israel Weapon Industries (IWI) entwickelte, rechnergestützte Feuerleitsystem ARBEL ermöglicht Infanteristen, kleine, schnelle Drohnen mit erhöhter Treffergenauigkeit zu bekämpfen – und das sowohl an AR-15-Sturmgewehren als auch am leichten Maschinengewehr NEGEV. Das System ersetzt den Lower Receiver, wiegt etwa 400 Gramm und arbeitet emissionsfrei, ohne zusätzliche Optik oder Radarsensoren.

Entwicklungsursprung und Plattformkompatibilität

Die Entstehung von ARBEL geht auf eine fast neunjährige Forschungsinitiative zurück, die 2024 von israelischen Spezialkräften angestoßen wurde (CPM Defence Network 2025). Ziel war zunächst, Zielfehler zu reduzieren, die durch Erschöpfung und hohen Stress entstehen. Nach der Grundentwicklung wurde das System an die wachsende Bedrohung durch FPV– und Kleinstdrohnen angepasst.

  • Plattform AR-15 (z. B. IWI ARAD, 5,56 mm, .300 BLK)
  • Modifikation für das leichte Maschinengewehr IWI NEGEV

Bei der NEGEV-Variante wird das Griffstück durch ein 900 Gramm schwereres Modul ersetzt, das die computerunterstützte Dosierung von Feuerstößen ermöglicht.

Funktionsprinzip und Einsatzreichweite

ARBEL nutzt Mikrosensoren, die die Bewegungen des Gewehrs erfassen, sowie einen elektronischen Abzug, der den Schusszeitpunkt autonom steuert. Der Schütze hält den Abzug gedrückt, das System löst jedoch erst aus, wenn die Visierlinie das Ziel kreuzt. Dadurch entsteht ein emissionsfreier Betrieb und die Möglichkeit, sämtliche vorhandene Visierarten (Eisen, Rotpunkt, Low-Power-Optik, Thermal, Nachtsicht) unverändert zu nutzen.

  • Gewichtszuwachs AR-15-Konfiguration: 400 g (2024)
  • Gewichtszuwachs NEGEV-Konfiguration: 900 g (2025)
  • Akkulaufzeit im aktiven Modus: 50-60 Stunden (2025)
  • Maximale Bekämpfungsdistanz Tag: bis 450 m (2026)
  • Maximale Bekämpfungsdistanz Nacht: bis 250 m (2026)

Herstellerangaben zufolge erhöht das System die Trefferwahrscheinlichkeit unter Stress um das Zwei- bis Dreifache.

Abgrenzung zu optronischen Feuerleitsystemen

Im Vergleich zu optronischen Visieraufsätzen wie Smart Shooter SMASH, die Kameras und ein schweres Visiergehäuse benötigen, ist die ARBEL-Elektronik vollständig im Gehäuseunterteil der Waffe integriert. Sie analysiert lediglich Mikrobewegungen und greift erst ein, wenn die Visierlinie das Ziel trifft. Dadurch bleibt das Gewicht der Waffe unverändert und Standardoptiken können weiterverwendet werden.

Internationale Nachfrage und Beschaffungsinteresse

Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg, wo faseroptisch gesteuerte und FPV-Drohnen häufig eingesetzt werden, haben das Interesse an ARBEL geweckt. Mehrere NATO– und Partnerstaaten prüfen das System als Nahbereichs-Selbstschutz für reguläre Infanterieeinheiten. Laut Herstellerangaben prüfen, erproben oder beschaffen derzeit rund 25 Nationen das System, darunter 10-15 europäische Länder.

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Kritische Bewertung und Gegenargumente

Obwohl ARBEL eine vielversprechende Technologie darstellt, gibt es mehrere kritische Punkte:

  • Fehlende unabhängige Validierung: Bisher liegen fast ausschließlich Herstellerdaten vor; unabhängige Schusstests unter extremen Witterungsbedingungen sind öffentlich kaum dokumentiert.
  • Abhängigkeit vom menschlichen Vorhaltemaß: Ohne eigene optische Zielerfassung bleibt der Erfolg stark von der Schätzgenauigkeit des Schützen abhängig.
  • Batterieabhängigkeit: Ein leerer Akku erfordert das Umschalten auf den rein mechanischen Abzug, was im Gefecht Verzögerungen verursachen kann.

Ein Sprecher von IWI betont jedoch, dass das System „military and law enforcement personnel enable[s] to engage aerial threats while maintaining mobility, familiarity with their primary weapon, and operational effectiveness“ (IWI-Pressemitteilung, 2026).

Schnellüberblick:

Erkennt ARBEL Drohnen automatisch?

Nein. Das System besitzt keine Kameras oder Radarsensoren; die Erkennung, Verfolgung und Berechnung des Vorhaltewinkels muss vollständig durch den Schützen erfolgen.

Was passiert, wenn die Batterie im Einsatz leer ist?

Die Waffe bleibt funktionsfähig: Der Schütze kann das System deaktivieren oder den Standard-Feuerwahlhebel nutzen, um wie bei einem herkömmlichen mechanischen Abzug weiterzufeuern.

Auf welchen Waffen kann ARBEL montiert werden?

Das System ist für Gewehre im AR-15-Standard (z. B. IWI ARAD in 5,56 mm und .300 BLK) sowie als modifizierte Abzugsgruppe für leichte Maschinengewehre der Serie IWI NEGEV verfügbar.

Quellen

  • https://soldat-und-technik.de/2024/04/bewaffnung/37320/iwi-arbel-waffenunterstuetzungssystem/
  • https://www.military.com/daily-news/2026/09/02/new-rifle-system-can-help-soldiers-shoot-down-drones-450-meters-away.html

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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