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Roketsan testet ÇAKIR vom 8×8-Lkw – Treffer auf Land und See

Roketsan testet ÇAKIR vom 8×8-Lkw – Treffer auf Land und See

3. September 2026 von Anna Schröder

Roketsan hat im August 2026 erfolgreich den türkischen Marschflugkörper ÇAKIR von einer mobilen 8×8-Abschussplattform aus gegen getrennte Land- und Seeziele abgeschossen. Der Test demonstrierte, dass das System nun nicht mehr ausschließlich luftgestützt, sondern auch boden- und überwasserbasiert operieren kann – ein klarer Schritt hin zu einem plattformübergreifenden Multi-Domain-Waffensystem.

Technische Daten und Startkonfiguration

Für den Boden- bzw. Überwasserstart wird ÇAKIR mit einem abwerfbaren Feststoff-Booster ausgestattet. Dieser Booster liefert die Anfangsgeschwindigkeit, die nötig ist, um das im Inland entwickelte Turbojet-Triebwerk KTJ-1750 zu zünden. Durch den Booster erhöht sich das Startgewicht auf 330 – 350 kg und die Gesamtlänge auf 3,8 m, verglichen mit 275 kg und 3,3 m in der reinen Luft-Variante.

  • Gewicht inkl. Booster: 330 – 350 kg (2026)
  • Länge inkl. Booster: 3,8 m (2026)
  • Gefechtskopf: 70 kg Sprengkopf (2026)
  • Reichweite: > 150 km (2026)
  • Marschgeschwindigkeit: Mach 0,75 – 0,85 (2024)

Der Feststoff-Booster wird nach Erreichen der Zündgeschwindigkeit für das Turbojet-Triebwerk abgeworfen, sodass das Flugkörper-System anschließend mit dem eigenständigen KTJ-1750 weiterfliegt.

Präzision und Reichweite

Während der beiden Testflüge traf ÇAKIR beide Zieltypen exakt – ein Landziel und ein maritimes Ziel. Die Treffergenauigkeit wurde durch das integrierte Infrarot-Such- und Verfolgungssystem (IIR) sowie durch ein inertiales Navigationssystem, ein anti-Jamming-GNSS und Terrain-referenzierte Navigation sichergestellt. Die erweiterte Reichweite von über 150 km wurde durch ein modifiziertes Treibstoff- und Antriebssystem ermöglicht.

Mobile 8×8-Abschussplattform und Einsatzflexibilität

Die Abschussrampe ist auf einem taktischen 8×8-Lkw montiert, was ein rasches „Shoot-and-Scoot“ ermöglicht. Durch die Mobilität lässt sich das System schnell verlegen, wodurch gegnerische Gegenmaßnahmen erschwert werden. Die Plattform kann sowohl an Land als auch auf unbemannten Überwasserfahrzeugen (USVs wie MARLIN) eingesetzt werden.

  • Radmobile Abschussrampe für schnelle Verlegung
  • Kompatibel mit landgestützten Fahrzeugen und USVs
  • Kein Bedarf an teuren Luft- oder Marineplattformen

Netzwerk- und Steuerungsfähigkeiten

ÇAKIR ist mit einem bidirektionalen Datenlink ausgestattet, der Man-in-the-Loop-Funktionen ermöglicht. Während des Flugs können Zielzuweisungen aktualisiert, die Flugroute geändert oder der Angriff abgebrochen werden. Diese Vernetzung erlaubt zudem Schwarmangriffe, bei denen mehrere Flugkörper koordiniert ein Ziel anvisieren.

  • Verschlüsselter Datenlink für Echtzeit-Updates
  • Man-in-the-Loop-Steuerung von Ziel und Route
  • Unterstützung von Schwarmtaktiken
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Strategische Einbettung und Doktrin

Die fahrzeuggebundene ÇAKIR ergänzt schwere Seezielflugkörper wie Atmaca im küstennahen Raum. Sie ist Teil einer umfassenden Doktrin, die auf maritime Abriegelungs- und Anti-Access/Area-Denial-Szenarien (A2/AD) abzielt. Durch die Integration in USVs wird ein verteiltes Verteidigungssystem geschaffen, das ohne feste Raketenbatterien auskommt.

Der Test folgt dem ersten Flug der türkischen Kampfdrohne Akıncı im Mai 2023, bei dem ein Wurf aus 7.000 m Höhe demonstriert wurde. Beide Entwicklungen zeigen den Trend, türkische Rüstungsindustrie-Kompetenzen in den Bereichen autonomer Systeme und Netzwerk-Kampf zu stärken.

Risiken und Grenzen

Obwohl ÇAKIR präzise Treffer liefert, gibt es kritische Punkte:

  • Fehlende veröffentlichte Telemetrie- und Seriendaten erschweren die Bewertung der tatsächlichen Trefferdistanz und Zielkonfiguration.
  • Der 70-kg-Gefechtskopf ist primär gegen Korvetten, Schnellboote und ungeschützte Küsteninfrastruktur wirksam, nicht jedoch gegen stark gepanzerte Großkampfschiffe.

Schnellüberblick:

Welcher Motor treibt den ÇAKIR-Marschflugkörper an?

Der Flugkörper wird von dem im Inland entwickelten KTJ-1750-Turbojet-Triebwerk des türkischen Herstellers Kale Arge angetrieben, ergänzt durch einen Feststoffbooster bei Boden- und Seestarts.

Welche Vorteile bietet der Start von einem 8×8-Lkw?

Radmobile Abschussrampen ermöglichen ein rasches Verlegen (Shoot-and-Scoot), erschweren feindliche Gegenschläge und erlauben flexible Küstenverteidigung ohne Bindung an feste Stellungen.

Kann die Flugroute nach dem Abschuss noch geändert werden?

Ja, über einen verschlüsselten bidirektionalen Datenlink kann die Flugroute im Flug aktualisiert, das Ziel gewechselt oder der Angriff abgebrochen werden (Man-in-the-Loop).

Zitat aus der Unternehmenskommunikation

„No Escape from Bold-Eyed #ÇAKIR with a Single Target! The ÇAKIR Cruise Missile, successfully launched from the Black Platform, hit land, and sea targets with pinpoint accuracy in two different firing tests“, erklärte Roketsan nach dem Test. Der Hersteller fügte hinzu: „We are determined to continue advancing our deterrence across all platforms with resolve.“

Quellen

  • https://www.roketsan.com.tr/en/products/cakir-cruise-missile
  • https://www.navalnews.com/naval-news/2026/08/roketsan-tests-ground-launched-cakir-missile/
  • https://armyrecognition.com/news/aerospace-news/2026/ground-launched-cakir-cruise-missile-tests-reshape-turkiyes-precision-strike-posture

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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