Zuri startet 679-km-Hybrid-VTOL für Logistik
Zuri, das tschechische Luftfahrtunternehmen, präsentiert sein erstes kommerzielles unbemanntes Hybrid-Kipprotor-VTOL. Die Drohne ist für zivile und militärische Mittelstrecken-Logistik konzipiert und soll ab Anfang 2027 in die Flugtest-Phase gehen, bevor Lieferungen zwischen 2027 und 2029 erfolgen.
Technische Daten des Zuri Hybrid-VTOL
- Konstruktionsreichweite: 679 km (569 km mit 30 Minuten Reserve)
- Reisegeschwindigkeit: 220 km/h
- Nutzlastpotenzial: bis zu 165 kg (maximale Kurzstrecken-Nutzlast 145 kg)
- Energiedichte des hybriden Antriebs: rund 1.500 Wh/kg
- ISR-Modus-Reichweite (mit zusätzlichem Tank & Sensorik): ca. 1.908 km
Hybrid-Antrieb und Reichweitenvorteil
Der Antrieb kombiniert einen Verbrennungsmotor-Generator als Range-Extender mit Pufferbatterien. Laut Unternehmensangaben erreicht das Gesamtsystem eine Energiedichte von etwa 1.500 Wh/kg – das Fünf- bis Sechsfache der typischen Batteriedichte von 230-280 Wh/kg bei reinen eVTOL-Konstruktionen. Dieser Unterschied erklärt die deutlich höhere Reichweite bei vergleichbarer Nutzlast.
Regulatorische Zulassungsstrategie über das EASA-SORA-Framework
Um langwierige Musterzulassungen für Passagier-eVTOLs zu umgehen, setzt Zuri beim Frachtmodell auf die „Specific“-Kategorie des Specific Operations Risk Assessment (SORA). Gemeinsam mit der tschechischen Zivilluftfahrtbehörde wird ein operativer Betrieb nach diesem europäischen Risikobewertungsrahmen vorbereitet. Der Fokus liegt auf risikoärmeren maritimen und Offshore-Routen, die über unbewohntem Gebiet stattfinden.
Finanzierungs- und Lieferketten-Status
- Bisher eingeworbenes Gesamtkapital (bis Mitte 2026): 7,6 Mio. €
- Geplante Serie-A-Tranche: 6 Mio. €
- Lieferkette: ausschließlich europäische, ITAR-freie Zulieferer für Dual-Use-Einsatz (Zivil- und Verteidigungssektor)
„Wir haben neun Jahre und mehr als fünfzehn Flugzeuge investiert, um zu verstehen, was diese Architektur leisten kann“, erklärt Gründer und CEO Michal Illich.
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Flugtest-Kampagne und Zeitplan
Der Technologie-Demonstrator 2.0 (TD 2.0) befindet sich seit 2018 in der Entwicklung; über 15 Prototypen wurden gebaut und getestet. Der geplante Flugtest-Zyklus für das Vollmaßstab-Modell soll ab Anfang 2027 starten und eine Dauer von etwa neun Monaten umfassen.
Anwendungsbereiche und Missionen
Das VTOL kann von einer einzelnen Person am Boden gesteuert werden, während die Bordautomation die Flugdynamik übernimmt. Mögliche Einsätze umfassen:
- Versorgung von Offshore-Windparks und Bohrinseln
- Insel- und Katastrophenlogistik ohne vorhandene Landebahninfrastruktur
- Transport kritischer Ersatzteile in schwer zugängliche Gebiete
- Intelligence, Surveillance & Reconnaissance (ISR) mit erweiterter Reichweite von rund 1.900 km
Im Falle eines Generator- oder Rotorausfalls bleibt das System dank acht verteilter Kipprotoren und redundanter Fly-by-Wire-Steuerungen steuerbar. Die Bordbatterie ermöglicht eine kontrollierte vertikale Landung.
Schnellüberblick:
Warum wechselte Zuri von einem bemannten Lufttaxi zu einer unbemannten Frachtdrohne?
Laut Gründer Michal Illich ermöglicht die Frachtdrohne eine wesentlich schnellere Markteinführung und Umsatzgenerierung via EASA-SORA-Verfahren, da aufwendige Musterzulassungen für Passagierflüge zunächst entfallen (Aviation Week, 2026).
Wie gewährleistet das VTOL Sicherheit bei Generator- oder Rotorausfall?
Das System nutzt acht verteilte Kipprotoren und redundante Fly-by-Wire-Steuerungen; bei Ausfall eines Rotors bleibt das Fluggerät steuerbar, und bei einem Generatorausfall liefert die bordeigene Pufferbatterie genügend Energie für eine kontrollierte vertikale Landung.
Welche Treibstoffe können für den hybriden Generator verwendet werden?
Der Range-Extender ist für herkömmliches AVGAS, Autokraftstoffe sowie nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) und Bioethanol ausgelegt, um operative Flexibilität an abgelegenen Standorten zu sichern.
