AEVEX und Divergent beschleunigen Drohnenproduktion mit KI-3D-Druck
Die amerikanischen Unternehmen AEVEX Corp. und Divergent Technologies haben eine strategische Zusammenarbeit angekündigt, um die Entwicklung und Serienfertigung autonomer Drohnen zu beschleunigen. Im Zentrum steht das Divergent Adaptive Production System (DAPS), das KI-gestütztes Design, industriellen Metall-3D-Druck und werkzeuglose Robotermontage kombiniert. Ziel ist es, militärische UAVs der US-Kategorien Group 2 und Group 3 schneller, flexibler und in größeren Stückzahlen zu produzieren – ein entscheidender Schritt für die westliche Rüstungsindustrie.
Strategische Partnerschaft zwischen AEVEX und Divergent Technologies
- Gemeinsame Entwicklung einer autonomen Drohnenplattform der nächsten Generation.
- Verknüpfung von AEVEX-Erfahrung im Betrieb von Drohnensystemen mit Divergents digitaler Fertigungstechnologie.
- Fokus auf skalierbare Serienfertigung, um im Krisenfall rasch große Stückzahlen zu liefern.
„Working with Divergent allows us to evaluate next-generation manufacturing concepts that could improve responsiveness and bring new flexibility to how future unmanned systems are developed and delivered,“ sagte Manan Patel, Chief Technology Officer bei AEVEX.
Divergent Adaptive Production System (DAPS) – Kerntechnologie
DAPS nutzt KI-basierte Ingenieur-Software, um Flugzellen-Designs zu generieren, die gleichzeitig für Leistung und Fertigung optimiert sind. Sobald das Design freigegeben ist, werden die strukturellen Knotenpunkte in hochpräzisen Metall-3D-Druckern gefertigt. Anschließend übernimmt ein robotergesteuertes System die Montage ohne Spezialwerkzeuge – ein komplett werkzeugloser Prozess, der Änderungen in Stunden statt Monaten ermöglicht.
„We’re proud to collaborate with AEVEX to deliver mass at the pace of need,“ betonte Lukas Czinger, Mitgründer und CEO von Divergent Technologies. „Divergent is a force multiplier for our customers‘ programs, and we’re excited to integrate DAPS with AEVEX’s field-proven expertise to set a new standard for delivering capability at speed and scale.“
Fokus auf US-Kategorien Group 2 und Group 3
Die Partnerschaft zielt explizit auf Drohnensysteme und Loitering-Munition im taktischen Segment ab, das vom US-Verteidigungsministerium als Group 2 (ca. 9 kg bis 25 kg) bis Group 3 (ca. 25 kg bis 600 kg) definiert ist. Diese Gewichtsklassen umfassen sowohl leichte Aufklärungs-UAVs als auch mittlere, weitreichende Munition, die für vielseitige Einsatzszenarien in modernen Konflikten konzipiert sind.
- Group 2: ca. 9 kg – 25 kg – taktische Aufklärungsdrohnen.
- Group 3: ca. 25 kg – 600 kg – Loitering-Munition und mittlere Einsatzdrohnen.
Industrielle Skalierung: Mega-Fabrik und Monolith One-Drucker
Um die ambitionierten Produktionsziele zu erreichen, errichtet Divergent in Long Beach eine rund 40.000 m² große Fertigungsanlage. Die Anlage wird mit 64 industriellen „Monolith One“-Metalldruckern ausgestattet, wobei jeder Drucker über zwölf 2-kW-Laser verfügt. Durch diese Konfiguration wird der Durchsatz im Vergleich zu Vorgängermodellen verdoppelt.
- Geplante Anzahl Monolith One-Drucker: 64 Stück (Jahr 2026).
- Jeder Drucker: 12 × 2 kW Laser – halbiert Fertigungszeit gegenüber älteren Anlagen.
- Projektierte Jahreskapazität: über 30.000 Flugkörper-Zellen (für 500-Pfund-Klassen).
- Komponenten-Durchsatz bei Vollauslastung: 275.000 Bauteile pro Jahr.
Die Kombination aus hoher Druckkapazität und automatisierter Montage ermöglicht es, große Stückzahlen autonomer Systeme rasch zu liefern – ein entscheidender Vorteil in einem potenziellen Krisenfall.
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Praxisnachweis: Replicator-Drohne und Marschflugkörperprogramme
Das DAPS-Verfahren ist bereits praktisch erprobt. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Lockheed Martins Skunk Works wurde innerhalb von weniger als zwölf Monaten eine flugfähige Drohne („Replicator“) von der Konzeptphase bis zum Erstflug gebracht. Zusätzlich fertigt Divergent strukturelle Komponenten für US-Marschflugkörperprogramme wie RAACM und LCCM, was die Anwendbarkeit des Systems auf unterschiedliche Waffenklassen belegt.
- Entwicklungszeit Replicator-Drohne: < 12 Monate (2025).
- Weitere Anwendungen: Strukturelle Bauteile für RAACM- und LCCM-Marschflugkörper.
Risiken und offene Fragen
- Fehlende Angaben zu konkreten Regierungsaufträgen und Stückpreisen: Bisher wurden weder staatliche Abnahmeverträge noch Preisinformationen veröffentlicht. Der kommerzielle Erfolg hängt stark von zukünftigen Pentagon-Beschaffungen ab.
- Herausforderung der Serienqualifizierung und Zertifizierung: Militärische Luftfahrtstrukturen unterliegen strengen Ermüdungs- und Belastungstests. Die generativen, 3D-gedruckten Metallgitter erfordern neue, modellbasierte Zertifizierungsverfahren, deren Dauer und Akzeptanz noch nicht abschließend geklärt sind.
Schnellüberblick:
Um welche Art von Drohnen handelt es sich bei dem Projekt konkret?
Branchenberichten zufolge konzentriert sich das Vorhaben auf Systeme der US-Kategorien Group 2 und Group 3, also taktische Aufklärungsdrohnen und Loitering-Munition im mittleren Gewichtsbereich von etwa 10 bis 600 Kilogramm.
Was unterscheidet das DAPS-Verfahren von herkömmlichem Flugzeugbau?
Klassischer Flugzeugbau benötigt teure, unflexible Fräs- und Presswerkzeuge (Hard Tooling), deren Herstellung Monate dauert. DAPS druckt tragende Knotenpunkte direkt per Multilaser-3D-Druck aus Metallpulver, woraufhin Roboter die Zelle ohne Speziallehren zusammenfügen. Designänderungen können rein softwareseitig in Stunden umgesetzt werden.
Wurden bereits fliegende Systeme mit dieser Technologie realisiert?
Ja. Die Skunk-Works-Sparte von Lockheed Martin entwickelte mit DAPS eine Drohne mit 2,7 Meter Spannweite in weniger als einem Jahr vom Entwurf bis zum Flug. Divergent liefert zudem gedruckte Rumpfstrukturen für das US-Marschflugkörperprogramm RAACM.
