Belgien verhandelt zusätzlichen Kauf von 11 F-35A – Fokus auf europäische Industriebeteiligung
Im Zuge der Gespräche zwischen Belgien und dem US-Rüstungsriesen Lockheed Martin steht ein möglicher Nachkauf von elf zusätzlichen F-35A-Kampfflugzeugen im Mittelpunkt. Dabei legt die belgische Regierung besonders Wert auf eine möglichst hohe europäische Industriepartizipation, um sowohl die nationale Luftverteidigung zu stärken als auch industrielle Rückvergütungen für die heimische Wirtschaft zu sichern.
Geplanter Zukauf von 11 F-35A und Vertragsstatus
Nach Angaben des belgischen Verteidigungsministers Theo Francken soll der Vertrag für die Aufstockung der Flotte noch im laufenden Jahr unterzeichnet werden. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Geplanter Zukauf: 11 weitere F-35A-Jets zu den bereits bestellten 34 Exemplaren.
- Vertragssignatur: Erwartet für das Jahr 2026, Gespräche bereits im März 2024 in München.
- Industrie-Offset: Ziel ist ein „as European as possible“-Ansatz, insbesondere durch Fertigung in der italienischen Basis Cameri.
- CEO-Treffen: Lockheed Martin-CEO Jim Taiclet traf sich mit Francken auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Francken betonte: “ We want to make the F-35 as European as possible, and there’s a lot of opportunities and possibilities “ und fügte hinzu: “ We have to produce it in Cameri „.
Aktueller Lieferstatus der belgischen F-35-Flotte
Bis Oktober 2025 hat Belgien bereits elf F-35A erhalten. Drei dieser Flugzeuge wurden in Florennes stationiert, während acht weitere für die Ausbildung der Piloten und Wartungsteams an der Luke Air Force Base in Arizona eingesetzt werden.
- Gelieferte F-35A (2025): 11 Stück – 3 in Belgien, 8 in Arizona (Lockheed Martin, 2025).
- Geplante Basen (2030): 26 Jets an den Standorten Florennes und Kleine-Brogel, plus 4 weitere für NATO Quick Reaction Alert (The Defense Post, 2025).
- Übergang von F-16: 45 F-16 verbleiben, von denen 30 ab 2026 an die Ukraine übergeben werden sollen.
Europäische F-35-Wall und Trainingsherausforderungen
Belgien ist Teil einer wachsenden „Wall of F-35s“ in Europa, die laut Generalstabschef Vansina mehr als 700 Jets umfasst. Dieser kollektive Schutzschild soll die NATO-Lufträume stärken.
Aufgrund des begrenzten belgischen Luftraums ist jedoch ein erheblicher Teil des Trainings im Ausland nötig. Belgien kooperiert hierfür mit Nachbarländern wie den Niederlanden, Italien, Norwegen und den USA.
- Europäische F-35-Bestellungen (2025): >700 Jets (The Defense Post, 2025).
- Trainingsstandorte: Luke AFB (USA), zusätzliche Übungen in den Niederlanden, Italien und Norwegen.
Produktionsstandort Cameri und industrielle Rückvergütungen
Der Fokus auf Cameri in Norditalien ist strategisch, da dort die Endmontage der italienischen und niederländischen F-35 stattfindet. Durch die Einbindung in diesen Standort soll Belgien nicht nur von Lieferungen profitieren, sondern auch eigene industrielle Kapazitäten ausbauen.
Ein weiteres Element der industriellen Zusammenarbeit ist die im Oktober abgeschlossene Vereinbarung zwischen Belgien und Pratt & Whitney. Diese ermöglicht es Safran Aero Boosters, Komponenten des F135-Triebwerks in Belgien zu fertigen, und stärkt die Kooperation mit dem flämischen Unternehmen BMT Aerospace.
- Produktionsziel: Fertigung von Schlüsselkomponenten in Cameri.
- Industrie-Offset: Safran Aero Boosters produziert F135-Teile indigen, Zusammenarbeit mit BMT Aerospace.
- Erwartete wirtschaftliche Effekte: Schaffung von Arbeitsplätzen und Stärkung der europäischen Lieferkette.
Globale Lieferzahlen von Lockheed Martin 2025
Lockheed Martin meldete für das Jahr 2025 ein Rekordvolumen von 191 ausgelieferten F-35-Jets weltweit. Damit demonstriert das Programm trotz geopolitischer Spannungen und Preisdebatten eine hohe Robustheit.
- Gesamtlieferungen 2025: 191 F-35-Jets (Lockheed Martin, 2026).
- Belgiens Einbindung: Teil von Los 18-19, aus denen ab 2026 fast 300 weitere Jets folgen sollen.
Risiken und Gegenargumente
Obwohl die strategischen Vorteile klar sind, gibt es kritische Punkte, die von Experten hervorgehoben werden:
- Begrenzter Luftraum: Der kleine belgische Luftraum zwingt zu umfangreichen Auslands-Trainings, was Betriebskosten und Abhängigkeiten erhöhen kann (Francken, 2025).
- Potenzielle Preissteigerungen: Die Schweiz musste 2023-2024 ihre Bestellung wegen einer geschätzten Preissteigerung von 610 Mio. USD reduzieren. Francken betont jedoch, dass die industriellen Rückvergütungen die möglichen Mehrkosten ausgleichen sollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele F-35 hat Belgien bereits erhalten?
Bis Oktober 2025 wurden elf F-35A ausgeliefert – drei in Florennes und acht an der Luke Air Force Base in Arizona (Lockheed Martin, 2025).
Wann erreicht die Flotte volle Einsatzfähigkeit?
Die volle Einsatzbereitschaft wird für das Jahr 2030 erwartet, mit 26 Jets an den Basen Florennes und Kleine-Brogel sowie vier zusätzlichen Jets für die NATO-Quick-Reaction-Alert (The Defense Post, 2025).
Warum wird die Produktion in Cameri angestrebt?
Cameri ist der Endmontagestandort für italienische und niederländische F-35 und bietet damit eine etablierte europäische Lieferkette. Belgien will durch die Einbindung in Cameri die europäische Wertschöpfung erhöhen (Breaking Defense, 2026).
Fazit
Der geplante Zukauf von elf F-35A-Jets stellt einen bedeutenden Schritt für die belgische Luftverteidigung dar und festigt zugleich die Position Belgiens innerhalb der europäischen F-35-Gemeinschaft. Durch die konsequente Ausrichtung auf industrielle Offsets – insbesondere die Fertigung in Cameri und die Zusammenarbeit mit Safran Aero Boosters – soll ein erheblicher Teil der Investition in die heimische Wirtschaft zurückfließen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, den begrenzten Luftraum für Trainingszwecke zu kompensieren und mögliche Preissteigerungen zu managen. Insgesamt verdeutlicht das Vorhaben, wie kleine NATO-Staaten ihre strategische Autonomie stärken können, ohne die enge Anbindung an das globale F-35-Programm zu verlieren.
