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Ineffiziente Verteidigungsausgaben Europas – Warum smarte Investitionen jetzt nötig sind

Ineffiziente Verteidigungsausgaben Europas – Warum smarte Investitionen jetzt nötig sind

26. März 2026 von Michael Bauer

Europa gibt enorme Summen für die Verteidigung aus, bleibt aber im militärischen Vergleich ein Zwerg. Im Jahr 2025 belaufen sich die gesamten Militärausgaben des Kontinents auf rund 550 Milliarden US-Dollar – das sind 60 % des US-Verteidigungshaushalts, mehr als die Ausgaben Chinas und etwa das Dreifache der russischen Budgets. Trotz dieses finanziellen Engagements zeigen sich gravierende Lücken in den Kernkompetenzen, die durch eine stark fragmentierte Beschaffungsstruktur und zu geringe Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) verursacht werden.

Ineffizienz der Verteidigungsausgaben

„Europa muss sich darauf konzentrieren, den militärischen Output seiner sehr hohen finanziellen Eingaben zu maximieren – es muss mehr Ertrag aus jedem Euro ziehen, um endlich seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen“, erklärt Moritz Schularick, Präsident des kiel Instituts und Co-Autor des Berichts. Die Fragmentierung der nationalen Armeen führt zu niedrigen Produktionsvolumina, hohen Stückkosten und einer schwachen Innovationskraft. So verfügt Europa über 14 unterschiedliche Hauptkampfpanzer-Modelle im Vergleich zu einem US-Modell und 16 U-Boot-Typen gegenüber vier amerikanischen Typen.

„Die Streitkräfte bleiben auf nationaler Ebene fragmentiert, was zu niedrigen Produktionsvolumina von Waffen, hohen Stückkosten, begrenzter Spitzentechnologie und politisch mächtigen nationalen Champions führt“, sagt Schularick.

Aktuelle F&E-Ausgaben und Lücken

Ein besonders kritischer Punkt ist die Forschung und Entwicklung. Europa investiert im Jahr 2025 lediglich 13 Milliarden Euro in F&E, während die USA 145 Milliarden US-Dollar ausgeben – ein Verhältnis von fast 1 zu 11. Diese Diskrepanz zeigt sich besonders bei Drohnen, Raketen und digitaler Kriegsführung, wo Europa hinter den USA zurückbleibt. Deutschland, das größte Verteidigungsbudget Europas, setzt nur 2 % seiner Verteidigungsausgaben für F&E ein, also weniger als ein Fünftel des US-Niveaus.

  • F&E-Ausgaben Europa 2025: 13 Mrd. €
  • F&E-Ausgaben USA 2025: 145 Mrd. $
  • Deutschland: 2 % der Verteidigungsausgaben für F&E

„Deutschland und Europa sollten sich ein Beispiel an der Ukraine nehmen und massiv in autonome, unbemannte Systeme und andere Innovationen investieren“, fordert Johannes Binder, Forscher am Kiel Institut und Ko-Autor des Berichts.

Benötigte Aufrüstung ohne USA

Eine Analyse von IfW Kiel und Bruegel schätzt, dass Europa ohne Unterstützung der USA etwa 300 000 zusätzliche Soldaten und jährlich 250 Milliarden Euro mehr benötigen würde, um Russland wirksam zu kontern. Die aktuelle Struktur mit 28 nationalen Armeen erschwert die Koordination im Vergleich zu den einheitlichen US-Korps.

  • Zusätzliche Soldaten: 300 000 (Prognose 2030)
  • Zusätzliche Ausgaben EU: 250 Mrd. €/Jahr
  • Erforderlicher Verteidigungsanteil am BIP: 3,5 – 4 %

Wirtschaftliche Effekte höherer Ausgaben

Steigt der Verteidigungsanteil auf 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts, könnte das EU-BIP jährlich um 0,9 % bis 1,5 % wachsen – vorausgesetzt, die Produktion erfolgt in europäischen High-Tech-Werken. Der US-Verteidigungshaushalt beträgt 2025 850 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 20 % seit 2022, und dient als Mahnung, dass Europa seine Ausgaben anpassen muss, um nicht dauerhaft von den USA abhängig zu bleiben.

  • EU-BIP-Wachstum bei 3,5 % BIP-Ausgaben: 0,9 – 1,5 % pro Jahr
  • US-Verteidigungsbudget 2025: 850 Mrd. $
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Fünf Prinzipien für kluge Verteidigungsausgaben

Der Kiel Policy Brief „Time to Spend Smart: Ökonomische Leitlinien für kluge Verteidigungsausgaben“ stellt fünf Handlungsprinzipien vor, die Europa helfen sollen, die vorhandenen Ressourcen effizienter zu nutzen:

  1. Erhöhung der F&E-Investitionen: Deutschland sollte 10 % des Verteidigungsbudgets – also 10-15 Mrd. € jährlich – in Forschung und Entwicklung stecken.
  2. Kapazitätsverträge: Langfristige Verträge mit der Industrie sichern Produktionsstätten, die bei Bedarf schnell hochgefahren werden können.
  3. Lernen von der Ukraine: Die militärische Unterstützung auf 5-6 % des Verteidigungsbudgets erhöhen und die Integration von Innovationen beschleunigen.
  4. Zentralisierung der Beschaffung: Einen europäischen Verteidigungsmarkt schaffen, um Skaleneffekte zu nutzen und die Interoperabilität zu verbessern.
  5. Gemeinschaftliche Eurobonds: Finanzierung hochkapitalintensiver Assets wie Satelliten, Langstreckenraketen und KI-Systeme über gemeinschaftliche Anleihen.

Gegenargumente und Risiken

Einige Experten warnen, dass eine rein eigenständige Selbstversicherung teurer sein kann als die kollektive NATO-Sicherheit, weil nationale Alleingänge die Kosten durch Fragmentierung erhöhen. Gleichzeitig könnte ein starker staatlicher Fokus auf Rüstungsausgaben den privaten Sektor verdrängen, abhängig von Finanzierungs- und Zentralbankreaktionen.

Häufige Fragen

Wie hoch sind Europas F&E-Ausgaben im Vergleich zu den USA?

Europa investiert 13 Mrd. € in F&E, während die USA 145 Mrd. $ ausgeben (Stand 2025). Europa liegt damit deutlich hinter den USA, insbesondere bei Drohnen, Raketen und digitaler Kriegsführung.

Was kostet die Verteidigung gegen Russland ohne USA?

Zusätzlich zu den bestehenden Budgets wären jährlich 250 Mrd. € und 300 000 Soldaten nötig, um Russland ohne US-Unterstützung zu kontern. Das entspricht einer Steigerung des Verteidigungsanteils auf 3,5 – 4 % des BIP.

Fördert Aufrüstung das Wirtschaftswachstum?

Ja. Laut IfW-Kiel-Report kann ein Verteidigungsanteil von 3,5 % des BIP das EU-BIP um 0,9 % bis 1,5 % pro Jahr steigern, wenn die Produktion in europäischen High-Tech-Werken erfolgt.

Fazit

Europa steht vor der Herausforderung, massive Verteidigungsausgaben in echte militärische Schlagkraft umzuwandeln. Die aktuelle Fragmentierung, zu niedrige F&E-Investitionen und fehlende Koordination verhindern, dass das Geld den gewünschten strategischen Ertrag liefert. Durch die Umsetzung der fünf Prinzipien – insbesondere die Erhöhung der F&E-Quote, zentrale Beschaffung und gemeinschaftliche Finanzierungsinstrumente – kann die EU nicht nur ihre Verteidigungsfähigkeit stärken, sondern gleichzeitig ein signifikantes Wirtschaftswachstum erzeugen. Ohne diese Reformen bleibt Europa abhängig von externen Mächten und verliert an strategischer Autonomie.

Quellen

  • https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verteidigung-studie-warnt-vor-unzureichender-aufruestung-in-europa/100136747.html
  • https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/ein-vorschlag-zur-governance-und-finanzierung-der-europaeischen-verteidigung-19373/

Michael Bauer

Michael Bauer ist Technologie-Analyst mit Schwerpunkt auf unbemannten Systemen, autonomen Plattformen und der Verteidigungstechnologie der nächsten Generation. Er hat langjährige Erfahrung in der Evaluierung technologischer Trends und ist regelmäßiger Sprecher bei internationalen Fachkonferenzen zu Robotik- und Drohnentechnologien. Bei Defence-Tech.de deckt er technologische Entwicklungen ab, die Cybersicherheit, KI-Integration und autonome Einsatzsysteme verbinden. Bauers Beiträge kombinieren technisches Know-how mit klarer, journalistischer Aufbereitung.

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