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Pentagon-Review: Wie Trumps Executive Order die US-Rüstungsindustrie zur Produktionssteigerung zwingt

Pentagon-Review: Wie Trumps Executive Order die US-Rüstungsindustrie zur Produktionssteigerung zwingt

10. Februar 2026 von Anna Schröder

Am 7. Januar 2026 unterzeichnete Präsident Donald Trump die Executive Order „Prioritizing the Warfighter in Defense Contracting“, die US-Rüstungsunternehmen dazu verpflichtet, ihre Investitionen in die Produktionskapazität zu erhöhen, bevor sie Aktienrückkäufe oder Dividenden auszahlen dürfen. Das Pentagon hat bereits eine erste Überprüfung der betroffenen Auftragnehmer abgeschlossen, benötigt jedoch noch Zeit, um die endgültige „Naughty List“ zu finalisieren – eine Liste, die bei Nicht-Einhaltung zu sofortigen Sanktionen führen kann. Die Maßnahme soll die Waffenproduktion beschleunigen und potenziell Milliarden an Aktionärsauszahlungen umleiten, wodurch die gesamte US-Verteidigungsindustrie stark beeinflusst wird.

Executive Order „Prioritizing the Warfighter in Defense Contracting“ – Kernpunkte und Fristen

Die EO definiert klare Vorgaben für die Bewertung und Sanktionierung von Auftragnehmern:

  • Identifikationsfrist: Innerhalb von 30 Tagen nach dem Order-Datum muss das Pentagon unter-performende Contractor benennen (White House, 2026).
  • Remediation-Periode: Benannte Unternehmen erhalten 15 Tage, um einen vom Board genehmigten Sanierungsplan vorzulegen (White House, 2026).
  • Vertragsbedingungen: Zukünftige Verträge dürfen keine Aktienrückkäufe (Buybacks) oder Dividenden zulassen, solange das Unternehmen nicht in die Modernisierung seiner Waffenproduktionsanlagen investiert.
  • Executive Compensation: Die Vergütung von Führungskräften wird an Leistungsmetriken wie pünktliche Lieferung gekoppelt (Sec. 3b).

Diese Vorgaben bilden den rechtlichen Rahmen, der die aktuelle Überprüfung des Pentagons leitet.

Der aktuelle Stand der Pentagon-Review

Das Pentagon hat die initiale Review abgeschlossen, muss jedoch noch mehr Zeit aufwenden, um die finale „Naughty List“ zu bestimmen. Chief Pentagon Spokesman Sean Parnell betonte in einer Erklärung:

„Defense contractors have been notified and made aware that today marks the start of an extended review period in which we will make noncompliance determinations,“

und fügte hinzu, dass das Pentagon detaillierte Verhandlungen mit vielen Unternehmen führe, um deren Leistungsfähigkeit tiefgehend zu analysieren. Die EO gab Defense Secretary Pete Hegseth bis zum 6. Februar 2026 Zeit, die Performance zu prüfen und mögliche Verstöße zu identifizieren. Sollte ein Unternehmen die geforderten Investitionen nicht nachweisen, können sofortige Maßnahmen über das Defense Production Act ergriffen werden.

Was bedeutet die „Naughty List“ für Unternehmen?

Ein Eintrag auf dieser Liste kann dazu führen, dass:

  • Aktienrückkäufe sofort untersagt werden.
  • Dividendenzahlungen an Aktionäre ausgesetzt werden.
  • Executive Compensation angepasst oder reduziert wird.
  • Rechtliche Schritte über das Defense Production Act eingeleitet werden.

Fallbeispiel RTX: Von „least responsive“ zum Produktions-Deal

RTX wurde von Präsident Trump im Januar 2026 als das „least responsive“ Unternehmen kritisiert. Das Unternehmen reagierte darauf, indem es einen Vertrag mit dem Pentagon abschloss, um die Produktion von fünf Munitionstypen zu erhöhen – darunter der Tomahawk-Marschflugkörper und die AMRAAM-Luft-zu-Luft-Rakete. Der Deal wird als erster Erfolg der Remediation-Phase gewertet:

„RTX has inked a deal with the Pentagon to ramp up production of five munitions, including the Tomahawk cruise missile and AMRAAM air-to-air missile,“ (Breaking Defense, 2026).

Damit zeigt RTX, dass Unternehmen, die schnell auf die EO-Anforderungen reagieren, konkrete Produktionssteigerungen realisieren können.

Reaktionen der Branche und mögliche Finanzfolgen

Mehrere große Rüstungsunternehmen – RTX, General Dynamics, Northrop Grumman und L3Harris – haben öffentlich erklärt, dass sie ihre Dividenden beibehalten wollen, während sie gleichzeitig ihre Investitionen in die Produktionskapazität erhöhen. Laut Seth Seifman von JP Morgan:

„The amount of cash that these companies expect to generate should leave them with an ability to pay their dividend and invest more in the business. And to the extent that something has to give, it’s going to be in share repurchases, because that’s considered more discretionary,“

Dies deutet darauf hin, dass Share-Buybacks künftig stärker eingeschränkt werden könnten, während Dividenden als weniger „discretionary“ gelten.

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Risiken und offene Fragen

  • Definition „defense contractor“: Unklar, ob Sub-Contractors oder kommerzielle Firmen mit geringem Pentagon-Aufwand einbezogen werden (WTAQ, 2026).
  • Geheimhaltung der Liste: Die nicht veröffentlichte „Naughty List“ erschwert die Vorbereitung von Unternehmen; die SEC könnte Safe-Harbors für Buybacks entziehen (WTAQ, 2026).

Häufig gestellte Fragen

Welche Kriterien machen einen Contractor „underperforming“?
Antwort: Unter-Performance umfasst mangelnde Investition in Produktion, unzureichende Priorisierung von US-Verträgen oder zu langsame Produktion (White House EO, 7. Januar 2026).

Wann wird die finale Liste veröffentlicht?
Antwort: Es gibt keinen festen Termin; das Pentagon startete die erweiterte Review am 9. Februar 2026 und führt Verhandlungen (Parnell-Statement, Breaking Defense, 10. Februar 2026).

Gilt das auch für Sub-Contractors?
Antwort: Unklar; Branchenquellen berichten von Unsicherheit über den Umfang der Definition (WTAQ, 6. Februar 2026).

Ausblick: Wie könnte sich die Verteidigungsindustrie verändern?

Die Executive Order zwingt Rüstungsunternehmen, ihre Prioritäten neu zu gewichten: Investitionen in Produktionskapazitäten werden stärker in den Vordergrund rücken, während freiwillige Aktionärs-Auszahlungen künftig stärker reguliert werden. Unternehmen, die frühzeitig auf die Vorgaben reagieren – wie RTX – können nicht nur Sanktionen vermeiden, sondern auch ihre Marktposition stärken. Gleichzeitig bleibt das Risiko bestehen, dass unklare Definitionen und die Geheimhaltung der „Naughty List“ zu Unsicherheit an den Finanzmärkten führen.

Fazit

Trumps Executive Order von Januar 2026 stellt einen Wendepunkt für die US-Verteidigungsindustrie dar. Durch die Verknüpfung von Produktionsinvestitionen mit finanziellen Anreizen zwingt die Regierung Unternehmen, ihre Ressourcen stärker in die Waffenproduktion zu stecken. Die laufende Pentagon-Review zeigt, dass die Behörden bereit sind, konsequent zu handeln – doch die endgültige „Naughty List“ ist noch nicht veröffentlicht. Unternehmen, die proaktiv Sanierungspläne vorlegen und Produktionskapazitäten ausbauen, können sowohl regulatorische Risiken minimieren als auch ihr langfristiges Wachstum sichern.

Quellen

  • President Donald Trump (2026-01-07). Prioritizing the Warfighter in Defense Contracting. The White House.
  • Valerie Insinna et al. (2026-02-10). Pentagon needs more time to finalize defense firms on naughty list after initial review. Breaking Defense.
  • Unbekannt (2026-02-06). Pentagon poised to curb some defense contractors‘ payouts under Trump order. WTAQ.

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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