Rüstungsbeschaffung der Bundeswehr bis 2025: Hohe Ausgaben, sinkender Technologievorsprung
Die Bundeswehr plant bis zum Jahr 2025 Rüstungsgüter im Gesamtwert von rund 85 Milliarden Euro zu bestellen – mehr als die kombinierten Beschaffungen von Großbritannien (25 Mrd. €) und Polen (21 Mrd. €). Gleichzeitig sinkt der Anteil moderner Technologien an den deutschen Aufträgen von 21 % vor dem Ukraine-Krieg auf nur noch 9 % im Jahr 2023. Dieser Trend steht im Gegensatz zu Polen, das den Anteil von 3 % im Jahr 2020/2021 auf 16 % im Jahr 2023 gesteigert hat. Die Zahlen zeigen, dass die Quantität der Beschaffungen stark steigt, während die Qualität – gemessen an innovativen, disruptiven Systemen – stagniert oder rückläufig ist.
Gesamtvolumen der deutschen Rüstungsaufträge bis 2025
- Geplantes Beschaffungsvolumen für 2025: 85 Milliarden Euro
- Gesamtwert aller Rüstungsaufträge in Deutschland, Polen und Großbritannien (2020-2026): 422 Milliarden Euro
- Rekordmonat Dezember 2025: über 53 Milliarden Euro an Bestellungen
Der Kiel Military Procurement Tracker (Version 3) dokumentiert, dass im Jahr 2025 allein 137 Milliarden Euro an europäischen Rüstungsaufträgen vergeben wurden – ein historischer Höchststand.
Rückgang moderner Technologien in deutschen Beschaffungen
Vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs flossen noch 21 % der deutschen Rüstungsbestellungen in innovative Systeme. Im Jahr 2023 beträgt dieser Anteil nur noch 9 % – ein Rückgang, den das Kiel Institut als alarmierend bezeichnet.
„Deutschland beschafft mehr vom Gleichen – aber nicht das Richtige“, sagt Guntram Wolff, Hauptautor des Reports und Fellow am Kiel Institut.
Moderne Technologien, die im Kontext aktueller Konflikte besonders relevant sind, umfassen:
- (Semi-)autonome Plattformen
- Drohnen und unbemannte Luftfahrtsysteme
- KI-gestützte Führungs- und Entscheidungsunterstützung
- Vernetzte Luftverteidigungssysteme
Obwohl die absoluten Ausgaben für diese Technologien seit 2020 weitgehend konstant geblieben sind, sinkt ihr Anteil am Gesamtbeschaffungsvolumen weiter.
Polen und Großbritannien im Vergleich
Polen hat den Anteil moderner Technologien von 3 % im Jahr 2020/2021 auf 16 % im Jahr 2023 erhöht – ein deutliches Zeichen für eine zielgerichtete Modernisierung. Großbritannien liegt mit 11 % zwischen den beiden Ländern.
- Polen: 16 % moderner Technologien (2023)
- Großbritannien: 11 % (2023)
- Deutschland: 9 % (2023)
Der Report betont, dass nur Polen seine Beschaffungsstrategie spürbar zugunsten der für den Ukraine-Krieg relevanten Technologien umgestellt hat.
Lieferunsicherheit und fehlende Liefertermine
Ein weiteres Problem der deutschen Beschaffungsstrategie ist die mangelnde Transparenz bei Lieferzeiten. Rund 70 % der deutschen Bestellungen haben kein festgelegtes Lieferdatum, was die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr gefährden könnte.
„Die deutsche Strategie wird nur vom Verteidigungsminister getragen, nicht vom Kanzler“, warnt Wolff.
Im Gegensatz dazu weisen Polen und Großbritannien klarere und besser regulierte Zustellzeiten auf.
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Politische Konsequenzen und Handlungsbedarf
Die Autoren des Kiel-Reports fordern eine Neuausrichtung der deutschen Beschaffungsstrategie: Vorrang für autonome Systeme, KI-gestützte Führung und kostengünstige, skalierbare Waffensysteme, begleitet von einer Anpassung von Doktrin und Ausbildung.
„Wenn Deutschland den aktuellen Kurs fortsetzt, läuft es Gefahr, Europas größte konventionelle Armee aufzubauen – bereit für den Krieg von gestern, aber nicht für den von morgen“, warnt Guntram Wolff.
Ein entscheidender Faktor ist die politische Unterstützung. Während in Großbritannien und Polen die Premierminister die Modernisierungsagenda persönlich vorantreiben, fehlt in Deutschland ein entsprechender politischer Rückhalt auf höchster Ebene.
Schnellüberblick:
Wie hoch ist das geplante Beschaffungsvolumen der Bundeswehr bis 2025?
85 Milliarden Euro.
Welcher Anteil moderner Technologien wurde 2023 in deutschen Rüstungsbestellungen verzeichnet?
9 % des Gesamtvolumens.
Wie entwickelt sich der Anteil moderner Technologien in Polen?
Er ist von 3 % im Jahr 2020/2021 auf 16 % im Jahr 2023 gestiegen.
Welcher Prozentsatz der deutschen Bestellungen hat kein festgelegtes Lieferdatum?
70 %.
Welche politischen Risiken werden für die Umsetzung von Beschaffungsreformen genannt?
Ein Mangel an politischem Willen und unzureichende Unterstützung seitens der Bundesregierung.
