Verteidigungsausgaben und Marktchancen für den Mittelstand – Das Defense Forum Starnberg
Das Defense Forum Starnberg brachte im Juli 2026 den deutschen Mittelstand und Bundeswehr zusammen, um die wachsenden Verteidigungsausgaben und die daraus entstehenden Marktchancen zu diskutieren. Angesichts eines Anstiegs der Verteidigungsausgaben auf 1,5 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 eröffnet sich für mittelständische Unternehmen ein bedeutendes Potenzial, innovative Technologien für die Streitkräfte bereitzustellen und damit zur Kriegstüchtigkeit Deutschlands beizutragen.
Defense Forum Starnberg – Zielsetzung und Bedeutung für den Mittelstand
Die zweitägige Konferenz, organisiert vom Management Forum Starnberg, richtete sich gezielt an mittelständische Unternehmen, die in den Verteidigungsmarkt einsteigen wollen. Sie verband Beschaffer der Bundeswehr, OEMs und Vertreter des Mittelstands, um Wissen über aktuelle Sicherheitslagen, Beschaffungsprozesse und juristische Rahmenbedingungen zu vermitteln.
- 17 Vorträge zu Themen von Sicherheitslage bis öffentlicher Auftragsvergabe
- Direkter Austausch zwischen Beschaffungsbehörden (BAAINBw) und Unternehmen
- Präsentation des Innovationszentrums der Bundeswehr in Erding
„Defence Network ist eine Informationsquelle, die sich immer lohnt“, erklärte Tobias Ehlke, Inhaber des CPM Verlags, und betonte damit die zentrale Rolle von Transparenz und Netzwerkbildung im Verteidigungssektor.
Wirtschaftlicher Kontext: Verteidigungsausgaben und Marktpotenzial
Der Anstieg der Verteidigungsausgaben auf 1,5 % des BIP im Jahr 2022 ist maßgeblich auf den Ukraine-Krieg und den daraus resultierenden erhöhten Sicherheitsbedarf zurückzuführen. Dieses Budget schafft ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro, das gezielt für Beschaffungen bereitsteht.
- Verteidigungsausgaben 2022: 1,5 % des BIP (Quelle S2)
- Bundeswehr-Sondervermögen 2022: 100 Mrd. € (Quelle S1)
Die Zahlen verdeutlichen, dass nicht das Geld, sondern die Geschwindigkeit der Umsetzung entscheidend ist. Wie Marc Helmig, Abteilungsleiter Mittelstand beim BDSV, betonte: „Zeit ist der limitierende Faktor“.
Herausforderungen der Rüstungsbeschaffung für mittelständische Unternehmen
Der Beschaffungsprozess der Bundeswehr ist durch mehrere strukturelle Engpässe gekennzeichnet. Eine der größten Hürden ist die Sicherheitsüberprüfung neuer Mitarbeiter, die im Durchschnitt bis zu sechs Monate dauern kann (2023). Solche Verzögerungen können Mittelständler abschrecken und die Markteintrittszeit erheblich verlängern.
- Dauer der Sicherheitsüberprüfung: bis zu 6 Monate (2023)
- Parlamentarischer Kontrollvorbehalt ab 25 Mio. € bindet zusätzliche Ressourcen
- Zulassungsverfahren können 12-18 Monate beanspruchen
Der Artikel weist darauf hin, dass Unternehmen diese Faktoren kennen müssen, um fundierte wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen.
Innovationszentrum der Bundeswehr: Brücke zwischen Idee und Beschaffung
Jens Tenter vom Innovationszentrum der Bundeswehr erläuterte, dass das Zentrum die klassische Lücke zwischen Produktidee und formellem Vergabeverfahren schließen soll. „Wir gehen davon aus, dass der Bedarf bereits festgestellt ist, wenn die Vergabe einsetzt. Die Idee ist, diese Schnittstelle zu schließen“, erklärte Tenter und forderte Unternehmen auf, frühzeitig Kontakt aufzunehmen: „Wenn Sie die Frage haben, wenn Sie die Idee haben – schreiben Sie uns.“
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Zeitfenster 2029 – Warum die Geschwindigkeit entscheidend ist
Das Ziel, die Streitkräfte bis 2029 voll auszustatten, impliziert ein noch engeres Zeitfenster für die Industrie. Marc Helmig betonte: „2028 müssen die Systeme schon zulaufen, weil die Kameraden in diesem System noch ausgebildet werden müssen.“ Damit ist das eigentliche Lieferdatum bereits ein Jahr vor dem offiziellen Zieljahr festgelegt, was den Druck auf Lieferanten erhöht.
Führung mit Fragen – Was der Mittelstand von der Bundeswehr lernen kann
Tobias Ehlke teilte persönliche Erfahrungen aus seiner Zeit als Offizier und übertrug militärische Führungsprinzipien auf das Unternehmertum. „Führung beginnt nicht mit den Antworten, sondern mit den richtigen Fragen“, zitierte er das ABF-Verfahren der Bundeswehr. Weiterhin betonte er: „Unter Stress vergessen Menschen nicht das Schwierige. Sie vergessen meistens das Selbstverständliche.“
Ein weiterer Aspekt war der Reservistendienst, den Ehlke als unterschätztes Führungsentwicklungsinstrument bezeichnete: „Reservistendienst ist nicht die Abwesenheit im Unternehmen, sondern eine Führungsausbildung.“ Mitarbeiter, die diesen Dienst leisten, kehren häufig mit frischen Ideen und einem besseren Verständnis für militärische Entscheidungsprozesse zurück.
Schnellüberblick:
Wie schnell kann ein mittelständisches Unternehmen im Verteidigungsmarkt Fuß fassen?
Die Geschwindigkeit hängt von mehreren Faktoren ab, darunter innovative Produkte, Anpassung an die Vergaberichtlinien und direktes Networking mit Beschaffungsorganisationen.
Welche finanziellen Ressourcen stehen für die Beschaffung bereit?
Im Jahr 2022 standen der Bundeswehr ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro sowie ein Verteidigungsausgabenanteil von 1,5 % des BIP zur Verfügung.
Wie lange dauern Sicherheitsüberprüfungen für neue Mitarbeiter?
Im Durchschnitt können die Prüfungen bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen (2023).
Bis wann müssen die Systeme für die Ausbildung der Soldaten bereitstehen?
Die Systeme müssen bereits 2028 ausgeliefert sein, damit die Ausbildung rechtzeitig erfolgen kann.
