Thales erhöht Investitionen in europäische Verteidigungsproduktion – Zahlen, Strategien und europäische Kontext
Angesichts einer steigenden Nachfrage nach Verteidigungsgütern in Europa hat Thales seine Investitionen in den Kontinent massiv ausgebaut. Bis 2026 sollen die Ausgaben auf rund 830 bis 850 Millionen Euro steigen, die Produktionskapazitäten in Schlüsselbereichen werden deutlich erhöht und weltweit mehr als 9.000 neue Mitarbeitende – etwa 70 % davon in Europa – eingestellt werden. Dieser Schritt spiegelt nicht nur die Unternehmensstrategie wider, sondern steht im Einklang mit einem breiteren Trend steigender Verteidigungsausgaben und der EU-Zielsetzung zur Verteidigungsautonomie.
Thales‘ Investitionsplan bis 2026
Thales hat konkrete Zahlen veröffentlicht, die das Ausmaß der geplanten Investitionen verdeutlichen:
- Investitionen von rund 830 bis 850 Millionen Euro bis 2026 (mehr als 40 % Steigerung gegenüber 2024-2026).
- Geplante Einstellung von über 9.000 neuen Mitarbeitenden weltweit, davon rund 6.300 in Europa.
„Verteidigungsbereitschaft beginnt mit industrieller Bereitschaft. Durch unsere Präsenz in mehr als 20 europäischen Ländern … tragen wir dazu bei, Europa mit interoperablen und souveränen Lösungen auszustatten“, erklärte Pascale Sourisse, Senior Executive Vice President International Development bei Thales.
Ausbau der Radar- und Luftabwehrproduktion
Der Schwerpunkt liegt auf Luftüberwachung und Flugabwehr:
- Ground-Master-Radarsysteme: Produktion bis 2028 um 60 % erhöht; Werk in Hengelo (Niederlande) wird erweitert.
- Standort Ditzingen (Deutschland): Kapazität des Ground Observer 12 (GO12) bis Ende 2026 verfünffacht.
- SAMP/T NG-Flugabwehrsystem: Produktion verdoppelt, zentrale Komponente für das modulare Sky Defender-System.
Erweiterung von Lenkwaffen, Munition und maritimen Systemen
Weitere Schlüsselbereiche erhalten ebenfalls massive Aufstockungen:
- 70-Millimeter-Laser-Guided-Rockets (LGR) in Herstal (Belgien): Fertigung zwischen 2024-2026 verfünffacht, bis 2028 weitere Verdreifachung geplant.
- Munitionsproduktion in La Ferté-Saint-Aubin (Frankreich): Vervierfachung von 2023-2026, unterstützt durch neue hochautomatisierte Gießerei.
- Lightweight Multi-role Missile (LMM) in Belfast (Nordirland): Produktion bis 2025 vervierfacht, Ziel 2029 Versiebenfachung.
- CAPTAS-Schleppsonare für U-Boot-Jagd: Produktion innerhalb eines Jahres um das 2,5-Fache erhöht, Lieferzeiten für Minenjagdsonare von 20 auf 10 Monate reduziert.
Strategische Einbindung in die europäische Verteidigungsautonomie
Die Investitionen von Thales stehen im Kontext zweier wichtiger europäischer Entwicklungen:
- Die Verteidigungsausgaben der EU-Länder erreichten 2021 erstmals 202,97 Milliarden Euro – ein Anstieg von 6,1 % gegenüber dem Vorjahr (European Defence Agency, 2021).
- Die EU strebt bis 2025 eine On-shore-Produktion von Verteidigungsgütern von 50 % an, um die industrielle Souveränität zu stärken.
Durch den Ausbau lokaler Produktionskapazitäten und die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützt Thales aktiv die Erreichung dieser Ziele und reduziert die Abhängigkeit von externen Rüstungsanbietern.
Anzeige*
Risiken und mögliche Verzögerungen
Obwohl die Pläne ambitioniert sind, gibt es potenzielle Hindernisse:
- Materialengpässe könnten die Erweiterung der Produktionslinien bremsen.
- Fachkräftemangel könnte die Rekrutierung von 9.000 neuen Mitarbeitenden erschweren.
Thales adressiert diese Risiken mit gezielten Rekrutierungskampagnen und Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen.
Schnellüberblick:
Wie hoch sind die geplanten Investitionen von Thales bis 2026?
Rund 830 bis 850 Millionen Euro, was einer Steigerung von über 40 % gegenüber dem Zeitraum 2024-2026 entspricht.
Wie viele neue Mitarbeitende plant Thales bis 2026 einzustellen?
Mehr als 9.000 neue Mitarbeitende weltweit, davon etwa 70 % in Europa.
Um wie viel Prozent soll die Produktion von Ground-Master-Radarsystemen bis 2028 steigen?
Um rund 60 %.
Wie stark wird die Munitionsproduktion in La Ferté-Saint-Aubin bis 2026 erhöht?
Sie soll sich vervierfachen.
Welches Ziel verfolgt die EU bis 2025 im Bereich On-shore-Verteidigungsgüter?
Eine Steigerung auf 50 % der Produktion innerhalb Europas.
