Technische Grundlage des XENA-Programms: Langstrecken-X-Ray-Bildgebung von RTX BBN Technologies
Das DARPA-Programm XENA (X-ray Extreme-Range Non-Imaging Analysis) verfolgt das Ziel, versteckte Objekte aus einer Distanz von bis zu einem Kilometer zu erkennen und deren innere Geometrie zu rekonstruieren. RTX BBN Technologies entwickelt dafür ein neuartiges X-Ray-Bildgebungssystem, das schwache, verrauschte Signale mithilfe fortschrittlicher mathematischer Modelle und Algorithmen in klare, handlungsrelevante Darstellungen umwandelt. Diese Technologie verspricht eine sichere Situationsbewertung von Bedrohungen – etwa versteckten Waffen oder Sprengsätzen – ohne dass Personal in Gefahr gerät, und könnte die militärische Aufklärung grundlegend verändern.
Technische Grundlagen des kilometerweiten X-Ray-Systems
Das Kernstück des XENA-Projekts ist ein Bildgebungsansatz, der sich von herkömmlichen Scannern unterscheidet. Statt auf massive Trainingsdatensätze zu setzen, nutzt das System groß angelegte Simulationen und intelligente Bildanalyse, um aus wenigen, stark verrauschten Aufnahmen detaillierte Innenansichten zu erzeugen.
Modellierung und Algorithmik
BBN Technologies kombiniert fortgeschrittene mathematische Modellierung mit spezialisierter Software, um Bewegungsunschärfe und Signalverlust über große Entfernungen zu kompensieren. Der Ansatz reduziert den Photonenbedarf erheblich, sodass das System auch mit wenigen Aufnahmen funktionsfähig ist. Durch die Fusion mehrerer unscharfer Scans entsteht ein scharfes Bild, das die interne Struktur von Objekten sichtbar macht.
- Rekonstruktion unscharfer X-Ray-Bilder aus ~1 km Distanz
- Einsatz von Simulationen zur Minimierung des Bedarfs an Trainingsdaten
- Algorithmische Fusion mehrerer Aufnahmen zu einer klaren Darstellung
- Reduzierung des Photonenbedarfs und damit geringerer Energieverbrauch
Vergleich zu konventionellen X-Ray-Scannern
Traditionelle mobile X-Ray-Scanner arbeiten im Nahbereich, weil die Signalstärke mit zunehmender Entfernung rapide abnimmt. Dies führt zu stärkerer Bildrauschung, Bewegungsunschärfe und eingeschränkter Sichtweite. Das XENA-System überwindet diese Grenzen, indem es schwache Signale mathematisch modelliert und mehrere verrauschte Aufnahmen kombiniert.
„Long-range X-ray imaging requires a fundamentally different approach“, betont Principal Investigator Joshua Fasching. Während herkömmliche Geräte häufig mehrere hundert Aufnahmen benötigen, um ein brauchbares Bild zu erhalten, ermöglicht das neue Verfahren die Rekonstruktion aus nur wenigen, stark verrauschten Messungen.
Beteiligte Partner und Entwicklungsstandorte
Die Entwicklung des Systems erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen RTX BBN Technologies und dem Georgia Institute of Technology. Die Forschung und Entwicklung ist auf zwei Standorte verteilt:
- Cambridge, Massachusetts – Hauptsitz von BBN Technologies
- Atlanta, Georgia – Kooperationspartner Georgia Institute of Technology
Der Principal Investigator des Projekts ist Joshua Fasching, dessen Expertise in mathematischer Modellierung und Simulation die interdisziplinäre Zusammenarbeit prägt.
Entwicklungsstand und offene Herausforderungen
Obwohl das Projekt vielversprechende Fortschritte zeigt, befindet es sich noch im frühen Entwicklungsstadium. Die wichtigsten Punkte, die den aktuellen Status charakterisieren, sind:
- Primär Fokus liegt auf Simulationen und Softwareentwicklung; reale Feldtests wurden noch nicht durchgeführt.
- Keine feste Einsatzbereitschaft oder Prototypen-Zeitpläne sind derzeit bestätigt.
- Die Methode beruht auf unvollständigen Daten; komplexe Szenarien wie dichte Materialien oder dynamische Umgebungen können die Rekonstruktionsgenauigkeit beeinträchtigen.
Diese Transparenz verhindert ein Über-Hype-Szenario und macht deutlich, dass weitere Tests und Validierungen nötig sind, bevor das System operativ eingesetzt werden kann.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was genau bewirkt das XENA-Programm?
„XENA entwickelt Algorithmen zur Rekonstruktion interner Objektgeometrien aus schwachen, verrauschten X-ray-Signalen über ~1 km, ohne große Trainingsdaten“, erklärt das offizielle Projektstatement (RTX PR, 25.02.2026).
Wann ist die Technologie einsatzbereit?
Derzeit befindet sich das System in der Simulations- und Softwarephase. Feste Termine für Prototypen oder Feldtests sind bislang nicht bekannt (DARPA via RTX, 2026).
Unterscheidet sich das von herkömmlichen X-Ray-Scannern?
Ja. Konventionelle Systeme benötigen Nahbereich, weil das Signal mit der Distanz stark abnimmt. Das XENA-System fusioniert mehrere unscharfe Scans zu klaren Bildern und reduziert dabei den Photonenbedarf erheblich (Fasching, BBN, 2026).
Fazit
Das XENA-Programm von DARPA und RTX BBN Technologies stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung sicherer, langfristiger X-Ray-Aufklärung dar. Durch die Kombination von mathematischer Modellierung, simulationsgetriebener Entwicklung und interdisziplinärer Zusammenarbeit wird ein Ansatz ermöglicht, der herkömmliche Beschränkungen von Nahbereichsscannern überwindet. Gleichzeitig verdeutlichen die noch offenen Entwicklungsaspekte – insbesondere das Fehlen von Feldtests und die Abhängigkeit von unvollständigen Daten – dass die Technologie noch nicht einsatzreif ist. Dennoch bietet das Projekt ein vielversprechendes Fundament für zukünftige Anwendungen, bei denen das Risiko für das Personal minimiert und kritische Informationen aus großer Entfernung gewonnen werden können.
