Thales investiert massiv in die europäische Verteidigungsproduktion
Thales reagiert auf die wachsende Nachfrage nach Verteidigungsgütern in Europa und erhöht seine Investitionen in den Kontinent bis 2026 um mehr als 40 Prozent. Das Unternehmen plant, die jährlichen Ausgaben auf rund 830 bis 850 Millionen Euro zu steigern und gleichzeitig die Produktionskapazitäten in Schlüsseltechnologien wie Radar, Flugabwehr, Lenkwaffen, Sonare und Kommunikation massiv auszubauen.
Steigende Sicherheitsbedenken und europäische Verteidigungsbudgets
Die Erhöhung der Investitionen von Thales ist eine direkte Reaktion auf die steigenden Sicherheitsbedenken in Europa. Laut der European Defence Agency (EDA) sollen die Verteidigungsbudgets der europäischen NATO-Staaten bis 2026 um insgesamt 30 Prozent steigen. Dieser Trend schafft ein dynamisches Marktumfeld, in dem Unternehmen wie Thales ihre industrielle Basis ausbauen können.
- Metric: Verteidigungsausgaben
- Wert: 30 % Anstieg
- Jahr: 2026
Eine Marktanalyse von IHS Markit prognostiziert zudem, dass die europäische Verteidigungsindustrie bis 2030 um über 20 Prozent wachsen wird. Innovationen und technologische Fortschritte gelten dabei als zentrale Treiber.
- Metric: Marktwachstum
- Wert: 20 %
- Jahr: 2030
Kernbereiche der Thales-Investitionen
Thales konzentriert seine finanziellen Mittel auf mehrere Schlüsselbereiche:
- Radarproduktion: Die Produktion der Ground-Master-Radarfamilie wurde zwischen 2021 und 2025 bereits vervierfacht (400 %). Weitere Erweiterungen sind in Hengelo (Niederlande) und Ditzingen (Deutschland) geplant, wobei die Kapazität des Ground Observer 12 bis Ende 2026 verfünffacht wird.
- Lenkwaffen und Munition: In Herstal (Belgien) wird die Fertigung der 70-Millimeter-Laser-Guided-Rockets (LGR) bis 2026 verfünffacht, mit einer geplanten Verdreifachung bis 2028. In La Ferté-Saint-Aubin (Frankreich) soll die Munitionsproduktion zwischen 2023 und 2026 vervierfacht werden.
- Flugabwehrsysteme: Das SAMP/T NG-System, für das Thales das Ground-Fire-Radar und das Feuerleitsystem liefert, wird in seiner Produktion verdoppelt. Das System ist Kern von Sky Defender, einer modularen Luft- und Raketenabwehrlösung.
- Sonare und Unterwassertechnik: Die Produktion der CAPTAS-Schleppsonare für die U-Boot-Jagd wurde innerhalb eines Jahres um das 2,5-Fache erhöht. Lieferzeiten für Minenjagdsonare wurden von 20 auf 10 Monate reduziert.
- Militärische Kommunikation: Ausbau von Standorten in Frankreich (Cholet), Belgien, den Niederlanden und Rumänien. Die Fertigung der Fahrzeugkommunikationslösung SOTAS in den Niederlanden hat sich seit Ende 2023 bereits verdreifacht.
Arbeitsplätze und industrielle Souveränität
Thales plant, bis 2026 weltweit mehr als 9 000 neue Mitarbeiter einzustellen, wobei rund 70 % dieser Stellen in Europa geschaffen werden. Damit soll die industrielle Souveränität Europas gestärkt und die Lieferkettenresilienz erhöht werden.
- Metric: Anzahl neuer Mitarbeiter
- Wert: 9 000
- Jahr: 2026
„Verteidigungsbereitschaft beginnt mit industrieller Bereitschaft. Durch unsere Präsenz in mehr als 20 europäischen Ländern sowie kontinuierliche Investitionen in Spitzentechnologien, Produktionskapazitäten, Ingenieurskompetenz und die Zusammenarbeit mit nationalen Industriepartnern trägt Thales dazu bei, Europa mit interoperablen und souveränen Lösungen auszustatten und die europäische verteidigungsindustrielle Basis rasch auszubauen“, erklärte Pascale Sourisse, Senior Executive Vice President International Development bei Thales.
Risiken und Lieferketten
Die ambitionierten Ausbaupläne von Thales könnten durch globale Lieferkettenprobleme und Rohstoffengpässe beeinträchtigt werden. Engpässe in kritischen Materialien könnten die Umsetzung der geplanten Produktionssteigerungen verzögern und die angestrebten Zeitpläne gefährden.
- Rohstoffengpässe könnten die Produktion beeinträchtigen.
- Weltweite Lieferkettenprobleme könnten die Umsetzung von Investitionen und Produktionsplänen verzögern.
Schnellüberblick:
Warum investiert Thales so stark in Europa?
Thales reagiert auf den steigenden Bedarf an Verteidigungsgütern und den Druck zur Stärkung der europäischen Souveränität in der Verteidigung.
Welche Produkte werden durch die Investitionen gefördert?
Investitionen fließen insbesondere in Radar-, Flugabwehr-, Lenkwaffen- und Kommunikationssysteme.
