Japan plantet Unterwasser-Hyperschallraketen, 8,9 Trillionen-Yen 2027
Japan hat im Verteidigungsetat für das Fiskaljahr 2027 einen Rekordbetrag von rund 8,9 Billionen Yen (etwa 55,5 Milliarden US-Dollar) beantragt, um eine neue Generation von Unterwasser-Hyperschallraketen zu entwickeln. Der Plan sieht vor, den bisher landgestützten Hyper Velocity Gliding Projectile (25HGP) zu einer unterwasserfähigen Waffe umzurüsten und dafür vertikale Abschussmodule (VLS) für konventionelle U-Boote, autonome Unterwasserfahrzeuge (UUVs) und modulare Plattformen zu bauen.
Budgetrahmen und finanzielle Schwerpunkte
- Gesamter Verteidigungsetat-Antrag FY2027: 8,9 Billionen Yen (~55,5 Mrd. USD)
- Forschung und Entwicklung von Hyperschall-Gleitkörpern (HGM): 14,2 Mrd. Yen
- Beschaffung von hypersonischen Systemen: 167,3 Mrd. Yen
- Mittelfür torpedorohrfähige U-Boot-Marschflugkörper (Taigei-Klasse): 16,3 Mrd. Yen (Ausweisung 2026 für FY2027)
Der Antrag ist damit nicht nur finanziell ambitioniert, sondern auch strategisch fokussiert: Er verbindet Forschung, Beschaffung und die Entwicklung neuer Abschussplattformen in einem einzigen Haushaltsplan.
Technische Basis: Der 25HGP-Gleitkörper
Der 25HGP, bereits als landgestützter Hyperschallgleiter im Einsatz, soll als Basis für die Unterwasservariante dienen. Die geplanten Weiterentwicklungen umfassen:
- Block 2A: Reichweite von 2.000 km, Mach > 5
- Block 2B: Reichweite von 3.000 km, tiefere Stand-off-Abschreckung
Die enorme Reichweite ermöglicht maritime Vergeltungsschläge über den gesamten Westpazifik hinweg.
Vertikale Unterwasser-Startmodule (VLS)
Da die massiven Feststoffbooster der Hyperschallgleiter nicht durch Standard-533-mm-Torpedorohre passen, entwickelt das Verteidigungsministerium eigenständige VLS-Module. Die geplanten Systeme besitzen 14 bis 24 Zellen, verteilt auf zwei bis drei zylindrische Sektionen mit jeweils 7 bis 8 Zellen. Diese Module können in verlängerten Rumpfabschnitten zukünftiger U-Boote oder in unbemannten Trägern integriert werden.
Einsatz von autonomen Unterwasserfahrzeugen (UUVs)
Parallel zur VLS-Entwicklung wird ein separates Stand-off-Abschussmodul für große UUVs erforscht. Das Ministerium bezeichnet dies bewusst als „Unterwasserplattform“, um die Möglichkeit zu betonen, risikoreiche Offensivmissionen in flachen Gewässern des Ostchinesischen Meeres ohne Gefahr für das Personal durchzuführen.
Der aktuelle Status des UUV-Moduls wird im Budgetantrag als offene Haushaltsforderung (Item Request) gelistet, ohne feste Sofortfinanzierung.
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Entwicklungsstufen und strategische Zielsetzung
Die HVGP-Familie wird in mehreren Stufen ausgebaut. Während die frühe Version primär zur Inselverteidigung gedacht war, zielen Block 2A und 2B auf über Mach 5 und Reichweiten von 2.000 bis 3.000 km ab. Diese Fähigkeiten verschieben die maritime Abschreckungsbalance im Indopazifik deutlich zugunsten Japans.
„Der geplante Schritt von landgestützten zu getauchten Abschussplattformen erhöht die Überlebensfähigkeit von Japans konventioneller Gegenschlagfähigkeit im Indopazifik dramatisch“, heißt es im Verteidigungsbudget-Antrag.
Technische und geopolitische Herausforderungen
- Physikalische Hürden: Der Unterwasser-Kaltstart von Boost-Glide-Flugkörpern erfordert die sichere Zündung nach dem Austritt aus der Meeresoberfläche, ohne die Position des U-Boots preiszugeben.
- Verfassungskonflikt: Kritiker verweisen auf Artikel 9 der japanischen Nachkriegsverfassung und warnen vor einer Abkehr von rein defensiver Selbstverteidigung hin zu einer offensiven Zweitschlagoption.
- Regionale Spannungen: China und Nordkorea sehen in der Kombination aus verdeckten U-Booten und Hyperschallwaffen ein potenzielles Wettrüsten im Ostchinesischen Meer.
Schnellüberblick:
Warum entwickelt Japan Hyperschallraketen für den Einsatz unter Wasser statt nur für Landfahrzeuge?
Landgestützte Startrampen auf exponierten Inseln wie Okinawa sind durch feindliche Satelliten- und Raketenangriffe unmittelbar verwundbar. U-Boote und getauchte Plattformen bieten eine getarnte, mobile Abschreckungskomponente, die einen Erstschlag übersteht.
Können die bestehenden U-Boote der Taigei-Klasse diese Hyperschallraketen sofort abfeuern?
Nein. Aktuelle japanische U-Boote verfügen nur über 533-mm-Torpedorohre. Für die voluminösen Hyperschallgleiter wird ein separates vertikales Startsystem (VLS) mit bis zu 24 Zellen entwickelt, das in zukünftige Rumpfsektionen oder unbemannte Träger integriert werden muss.
Ausblick
Die Kombination aus einem Rekordbudget, der Entwicklung von VLS-Modulen und der Integration autonomer UUVs stellt einen Wendepunkt in Japans maritimer Selbstverteidigung dar. Sollte die technische Umsetzung gelingen, würde Japan über eine überlebensfähige Zweitschlagoption mit Reichweiten von bis zu 3.000 km verfügen – ein signifikanter Faktor in der strategischen Dynamik des Indopazifiks.
