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ESOX X2 startet Erprobung: In-Wheel-Motoren für Frontnachschub

ESOX X2 startet Erprobung: In-Wheel-Motoren für Frontnachschub

20. September 2026 von Anna Schröder

Die finnisch-britische ESOX Group hat im August 2026 die offizielle Pilotphase für ihr neues unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV) ESOX X2 eröffnet. Das Fahrzeug kombiniert radintegrierte Direktantriebe mit einer 8-kWh-Feststoffbatterie und richtet sich an die logistische Versorgung der vordersten Frontlinien. Durch den Verzicht auf zentrale Getriebe, Kardanwellen und Differenzialgetriebe soll das System in schlammigem, sandigem oder geröllreichem Terrain zuverlässig funktionieren und gleichzeitig die thermische sowie akustische Signatur minimieren.

Radintegrierte Direktantriebe: Mechanischer Vorteil

Der X2 setzt auf vier unabhängige Theron-Direktantriebe, die jeweils in die 12-Zoll-Radnaben integriert sind. Jeder Motor liefert ein Spitzendrehmoment von 250 Nm, sodass das Fahrzeug insgesamt 1.000 Nm Drehmoment erzeugt. Diese Anordnung eliminiert klassische mechanische Verluste und Schwachstellen, die bei konventionellen UGVs mit zentralem Motor und Getriebe häufig zu Ausfällen führen.

  • Gewicht des Grundfahrzeugs: 300 kg
  • Nutzlastkapazität: 300 kg (geplante Verdopplung auf 600 kg )
  • Motorleistung: 4 × 7 kW (insgesamt 28 kW)
  • Höchstgeschwindigkeit: 30 km/h

Die Lenkung erfolgt nach dem Tank-Steer-Prinzip, bei dem die Drehzahlen der linken und rechten Radpaare differenziert gesteuert werden. Durch die direkte Kraftübertragung auf jedes Rad wird das Risiko des Festfahrens in schlammigen oder sandigen Bedingungen stark reduziert.

„Radintegrierte Direktantriebe übertragen die Kraft unmittelbar auf jedes Rad. Das spart Gewicht, vereinfacht die Wartung und verhindert das Festfahren bei Drehmomentverlusten durch mechanische Getriebeschäden im Schlamm oder Tiefschnee“, erklärt die FAQ der ESOX Group.

Gegenargumente betreffen die erhöhte Stoßbelastung der ungefederten Motoren. Da die Antriebselektronik direkt im Rad sitzt, wirken Erschütterungen, Minensplitter und Steinschlag ungefiltert auf die Komponenten.

Feststoffbatterie: Sicherheit und Energiedichte

Die Energieversorgung des X2 erfolgt über ein modular aufgebautes 8-kWh-Feststoffbatteriesystem, das aus zwei 4-kWh-Modulen besteht. Die Zellen, entwickelt in Kooperation mit Donut Lab, erreichen eine gravimetrische Energiedichte von 400 Wh/kg – etwa das Doppelte herkömmlicher militärischer Lithium-Ion-Pakete.

  • Energiedichte: 400 Wh/kg
  • Betriebstemperaturbereich: -30 °C bis +100 °C
  • Thermische Signatur: minimal, da kein flüssiger Elektrolyt vorhanden ist
  • Schutz bei Beschuss: Festelektrolyt verhindert ein explosives Durchgehen (Thermal Runaway)

Die Feststoffzellen behalten über 99 % ihrer Kapazität selbst bei extremen Temperaturen und eliminieren das Risiko von Lithium-Dendriten. Das macht das Fahrzeug besonders robust gegenüber Hitze, Kälte und ballistischen Einschlägen.

„Neben der annähernd verdoppelten Energiedichte brennt der Feststoffelektrolyt bei ballistischer Durchdringung nicht explosionsartig ab und arbeitet auch bei extremen Minustemperaturen ohne drastischen Kapazitätseinbruch“, antwortet die FAQ zu den taktischen Vorteilen der Feststoffbatterie.

Ein Gegenpunkt ist die noch begrenzte industrielle Skalierbarkeit von Feststoffbatterien. Die Serienfertigung gilt als kostenintensiv und technisch anspruchsvoll, sodass der Nachweis einer robusten Großserienproduktion unter Feldbedingungen noch aussteht.

Entwicklungsstand, Lizenzmodell und Kundenpilotphase

Die ESOX Group entstand aus der Ausgründung von Donut Defence und der Übernahme des finnischen Drohnenspezialisten ESOX Aero. Das Unternehmen wird von Dan Walmsley, ehemaligem McLaren-Manager, geleitet. Nach der Präsentation des Konzeptdemonstrators auf der CES 2026 startete Ende August 2026 die offizielle Pilotphase mit europäischen Streitkräften und Systemintegratoren.

Die Plattform basiert auf der digitalen Simulationsarchitektur ESOX OS. Ingenieure können Sensor-Pakete, Autonomie-Modi und Kommunikations-Layer virtuell anpassen, bevor sie physisch gebaut werden. Lizenznehmer erhalten die Möglichkeit, eigene Karosseriepaneele für Aufklärung, Verwundetenevakuierung oder Waffenstationen zu entwickeln.

„The X2 … and ESOX OS software are configured into whatever vehicle a mission demands“, sagt Devan Roberts, Vice President of Defense Programs at ESOX Group.

Der aktuelle Entwicklungsstatus wird als „Kundenpilotphase eröffnet“ bezeichnet, wobei die Plattform ab Ende August 2026 für Partner und Verteidigungsministerien freigegeben ist.

Schnellüberblick:

Warum verzichtet der ESOX X2 auf ein zentrales Getriebe?

Radintegrierte Direktantriebe übertragen die Kraft unmittelbar auf jedes Rad. Das spart Gewicht, vereinfacht die Wartung und verhindert das Festfahren bei Drehmomentverlusten durch mechanische Getriebeschäden im Schlamm oder Tiefschnee.

Welchen taktischen Vorteil bringt die Feststoffbatterie an der Front?

Neben der annähernd verdoppelten Energiedichte brennt der Feststoffelektrolyt bei ballistischer Durchdringung nicht explosionsartig ab und arbeitet auch bei extremen Minustemperaturen ohne drastischen Kapazitätseinbruch.

Ist der ESOX X2 als reines Transportfahrzeug konzipiert?

Nein; durch das Betriebssystem ESOX OS und modulare Karosseriepaneele dient der X2 als offene Trägerplattform, die Kunden für Aufklärung, Verwundetenevakuierung oder Waffenstationen lizenzieren und anpassen können.

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Quellen

  • https://esoxgroup.com
  • https://newatlas.com/military/esox-group-x2-ugv-in-wheel-motors/
  • https://www.emobility-engineering.com

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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