Hanwha verkürzt Sensor-to-Shooter auf <60 s mit VTOL-Drohnen
Hanwha Defence präsentiert ein neues Konzept, das die klassische Artillerie-Kette grundlegend verändert: Durch die Kopplung von VTOL-Aufklärungsdrohnen an das 155-mm-Haubitsensystem K9 Thunder soll die Zeit von der Zielerfassung bis zum Treffer von bis zu 20 Minuten auf weniger als 60 Sekunden reduziert werden. Das Vorhaben wurde im Rahmen des 5. K9 User Club Forums in Tartu, Estland, vorgestellt und gleichzeitig mit dem US-Army Mobile Tactical Cannon (MTC)-Programm verknüpft, das die radbasierte K9MH als Prototypen-System vorsieht.
Sensor-to-Shooter-Reaktionszeit: Ziel unter 60 Sekunden
Hanwhas Konzept beruht auf einer „continuous custody“-Datenübertragung: Die vertikal startende Drohne (VTOL) erfasst Ziele, berechnet Koordinaten und speist diese digital in das Feuerleitsystem des K9 ein – komplett ohne manuelle Spracheingabe. Damit soll die traditionelle „Call-for-Fire“-Kette, die derzeit 15- bis 20 Minuten beansprucht, auf unter eine Minute verkürzt werden.
- Angestrebte Sensor-to-Shooter-Reaktionszeit: unter 60 Sekunden (2026)
- Bisherige klassische Befehlskette: 15-20 Minuten (2026)
- Direkte digitale Datenübertragung von VTOL-Drohne an K9-Bordrechner
Ein Sprecher von Hanwha betont: “ From operational lessons learned, maintenance and training to future capability requirements, K9 operators shared their experiences and explored how closer collaboration can strengthen the growing K9 user community. „
K9 User Club Forum in Estland – Kontext und Demonstrationen
Vom 2. bis 4. September 2026 trafen sich über 200 Militär- und Industrievertreter aus neun Betreiber- und Beobachterstaaten in Tartu und Tapa. Die Teilnehmer umfassten Südkorea, Estland, Polen, Finnland, Norwegen, Rumänien, Australien sowie die Beobachter Spanien und Schweden.
- Teilnehmende K9-Betreiber- und Beobachterstaaten: 9 (7 Betreiber, 2 Beobachter)
- Fachbesucher: >200
Zusätzlich demonstrierten die estnischen Streitkräfte K9-Systeme mit integrierten C-UAS-Jammern, um die eigenen Geschütze vor feindlichen FPV– und Kamikaze-Drohnen zu schützen.
K9MH im US-Army Mobile Tactical Cannon-Programm
Im August 2026 vergab die US-Army über eine „Other Transaction Authority“ (OTA) einen Erstauftrag von 100,3 Millionen USD für sechs K9MH-Prototypen, mit Optionen für weitere zwölf Systeme. Der Gesamtwert des Programms kann damit bis zu 262,9 Millionen USD erreichen.
- Festes Auftragsvolumen Phase 1: 100,3 Mio. USD – Lieferung von 6 Prototypen für Stryker-Brigaden
- Gesamtwert inkl. Optionen: 262,9 Mio. USD – bis zu 18 Prototypen über vier Jahre
- K9A2/K9MH Feuergeschwindigkeit: 9 Schuss/Minute dank vollautomatischem Ladesystem
Die Radhaubitze kombiniert das Radfahrgestell mit dem vollautomatisierten Turm der K9A2-Version, wodurch eine höhere Straßengeschwindigkeit, geringere Betriebskosten und eine Besatzungsreduktion auf zwei bis drei Soldaten ermöglicht wird.
Risiken und Gegenmaßnahmen
Die innovative Kopplung birgt gleichzeitig technische und operationelle Herausforderungen:
- Störanfällige Funk- und Datenverbindungen: In dichten elektronischen Kampfführungsumfeldern (EloKa) können feindliche Störsender die Kommunikation zwischen VTOL-Drohne und Haubitze unterbrechen.
- Verletzlichkeit der Drohne: Moderne Kurzstrecken-Flugabwehr (SHORAD) kann die Drohne im Luftraum über dem Ziel ausschalten, bevor sie die Battle-Damage-Assessment-Phase abschließen kann.
- Erprobungsstatus des MTC-Programms: Der Vertrag ist zunächst ein Test- und Evaluierungsprogramm; eine Serienbeschaffung hängt vom Ergebnis der Truppenerprobungen ab.
Hanwha adressiert die Bedrohung durch feindliche Drohnen bereits heute durch die Integration von Bord-Jammern, wie beim User-Club-Event in Tapa demonstriert wurde.
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Schnellüberblick:
Was unterscheidet die K9MH von der herkömmlichen K9 Thunder?
Die K9MH nutzt ein hochmobiles Radfahrgestell statt Kettenantrieb, übernimmt den vollautomatischen Turm der K9A2 und kann mit einer Besatzung von zwei bis drei Soldaten feuern. Dadurch entstehen höhere Straßengeschwindigkeiten, geringere Betriebskosten und eine erhöhte Mobilität.
Welche konkrete Aufgabe übernimmt die VTOL-Drohne im K9-Verbund?
Die Drohne fungiert als organischer Vorwärtssensor: Sie startet aus dem Verband, erfasst Ziele, übermittelt digitale Koordinaten an den Feuerleitrechner und bleibt nach dem Abschuss über dem Ziel, um Trefferabweichungen zu korrigieren und das Zerstörungsausmaß (Battle Damage Assessment) zu dokumentieren.
Warum testet die US-Army gezogene M777-Haubitzen in Stryker-Brigaden?
Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg zeigen, dass stationäre, ungeschützte Geschütze wie die M777 schnell von gegnerischer Aufklärung und Artillerie zerstört werden können. Selbstfahrende Radhaubitzen ermöglichen ein „Shoot-and-Scoot“-Verfahren, das die Überlebenswahrscheinlichkeit stark erhöht.
