Zum Inhalt springen

Jaguar Land Rover stellt Defender Wolf Series II für LMV vor

Jaguar Land Rover (JLR) positioniert den neuen Defender Wolf Series II, den die Marke in einer Mitteilung vom 4. September 2026 vorgestellt hat, als Nachfolger des ursprünglichen Defender Wolf im Light-Mobility-Vehicle- (LMV-) Tender des britischen Verteidigungsministeriums. Das Fahrzeug basiert auf der hochsteifen D7x-Monocoque-Aluminiumarchitektur und wird in vier militärisch relevanten Varianten angekündigt. Die Ausschreibung betrifft die Beschaffung leichter Militärfahrzeuge der British Army. Nach Angaben von JLR besteht zwischen Land Rover und dem MoD eine über 70-jährige Partnerschaft.

4 Min. Lesezeit

Light-Mobility-Vehicle-Programm: Umfang und Finanzrahmen

Das LMV-Programm des UK Ministry of Defence hat das Ziel, veraltete Fahrzeuge – darunter die Defender Wolf-Modelle (TUL/TUM) und die Steyr-Puch Pinzgauer – zu ersetzen. Laut Ausschreibungsbekanntmachung vom 31. Juli 2026 umfasst der Vertrag einen Erstkauf mit Optionen, die die Flotte auf mehr als 9.500 Fahrzeuge erweitern können. Im Jahr 2025 befanden sich noch mehr als 5.000 dieser Militär-Land-Rover im aktiven Dienst. Das Programm ist laut einem MoD-Update vom 28. Juli 2026 mit rund 750 Millionen GBP (exkl. MwSt.) budgetiert. Den geschätzten Gesamtwert des Vertrags einschließlich Optionen beziffert die Bekanntmachung auf 2,0 Milliarden GBP ohne beziehungsweise 2,5 Milliarden GBP einschließlich MwSt.

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums sollen die ersten neuen Fahrzeuge bis 2030 bei den Soldaten sein. Die Ausschreibung definiert neun Rollenprofile im Common-Base-Platform-Konzept, von Führungsfahrzeugen bis zu Sanitätsfahrzeugen.

Defender Wolf Series II: Technische Merkmale und Varianten

Der Defender Wolf Series II weicht grundlegend vom Vorgänger ab, der auf einem klassischen Leiterrahmen-Chassis mit Starrachsen und einem 300 Tdi-Motor beruhte. Die neue Generation nutzt die D7x-Monocoque-Aluminiumarchitektur, die JLR als extrem steif und für anspruchsvolle Off-Road-Einsätze ausgelegt bewirbt. Das Fahrzeug wird von modernen Triebwerken aus Wolverhampton angetrieben.

Zum Start am 4. September 2026 kündigte JLR vier Varianten an, die auf der Fachmesse DVD 2026 (16.-17. September, Millbrook) gezeigt werden sollten:

  • Tactical Mobility
  • General Mobility
  • Ambulance
  • Utility

Auf der DVD enthüllte JLR am 16. September drei Fahrzeuge: ein Tactical Mobility Vehicle, ein Mono-Tactical Mobility Vehicle und ein Utility Vehicle. Weitere Versionen, darunter eine Ambulanz, wurden laut ADS Advance zunächst nur als Illustrationen gezeigt.

“The Defender Wolf Series II is our next-generation military vehicle. British-designed and engineered, with pioneering off-road technologies and an engine built in Wolverhampton”, sagte Patrick McGillycuddy, Managing Director of Defender.

“Our Defender Wolf Series II has been tested to the extreme and is highly suited to military light mobility purposes”, ergänzte er.

Nach Angaben von JLR wurden während der Entwicklung über 62.000 Tests für die technische Freigabe durchgeführt, um die Belastbarkeit der Karosserie und des Chassis im Rahmen des Extreme-Event-Test-Verfahrens zu prüfen.

Wettbewerb und Konsortien im LMV-Verfahren

JLR steht nicht allein im Rennen um das LMV-Auftragsvolumen. Ein prominentes Gegenstück ist das Konsortium “Team Grenadier”, das um Ineos Automotive, TVS SCS und Hobson Industries kreist und eine militarisierte Version des Ineos Grenadier anbietet – ein Fahrzeug, das weiterhin auf der bewährten Leiterrahmen-Technik basiert.

Weitere öffentlich vorgestellte Anbieter sind:

  • Rheinmetall UK mit einer militarisierten Mercedes-Benz G-Klasse
  • “Team LionStrike”, ein Konsortium aus GM Defense, BAE Systems und NP Aerospace, das den Chevrolet Colorado als Basis nutzt

ADS Advance zählt insgesamt sieben öffentlich präsentierte Anbieterteams, darunter Babcock mit Supacat (Toyota Land Cruiser 70) sowie General Dynamics mit Ford und Ricardo (Ford Ranger). Eine offizielle Shortlist hat das MoD bislang nicht veröffentlicht.

Die britische MoD-Ausschreibung verlangt neun Rollenprofile auf einer gemeinsamen Basisplattform, was die Flexibilität aller Angebote prüft.

Risiken und kritische Faktoren

Die Entscheidung für die Monocoque-Bauweise D7x birgt Risiken: Im harten militärischen Einsatz gelten Leiterrahmen als einfacher zu reparieren, ballistisch nachzurüsten und im Feld instandzusetzen als selbsttragende Aluminiumkarosserien. Diese Aspekte könnten in der Beschaffungsbewertung kritisch gewertet werden.

Ein weiterer Punkt ist die Endmontage. Während die Motorenfertigung in Wolverhampton und das Engineering in Großbritannien verankert sind, erfolgt die zivile Serienfertigung des Defenders im Werk Nitra (Slowakei). Die britische “Land Industrial Strategy” legt jedoch zunehmend Wert auf inländische Fertigungstiefe und Wertschöpfung bei Großaufträgen.

Schnellüberblick

Was unterscheidet den Defender Wolf Series II technisch vom bisherigen Defender Wolf?

Der ursprüngliche Wolf basierte auf einem klassischen Leiterrahmen-Chassis mit Starrachsen und dem 300 Tdi-Motor. Die Series II nutzt die D7x-Monocoque-Aluminiumarchitektur, moderne Triebwerke aus Wolverhampton und bietet vier spezialisierte Varianten.

Wann fällt die Entscheidung über die Vergabe des LMV-Auftrags?

Laut Ausschreibungsbekanntmachung vom 31. Juli 2026 ist die Zuschlagsentscheidung für den 31. Mai 2027 veranschlagt, der Vertrag soll ab diesem Tag laufen. Zuvor folgen Fahrzeugtests, die laut Army Technology zwischen Oktober 2026 und Januar 2027 geplant sind. Die ersten neuen Fahrzeuge sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums bis etwa 2030 bei den Soldaten sein.

Quellen · 7

Stand: 18.10.2026
  1. speedme.ru en/posts/id-75487-defender-wolf-series-ii-targets-750-million-british-army-vehicle-repla …
  2. adsadvance.co.uk ineos-expands-team-grenadier-for-2bn-british-army-land-rover-replacement.html
  3. Find a Tender: 713718450 – Light Mobility Vehicle (Tender Notice, 31.07.2026)
  4. Defender Media Newsroom: Introducing Defender Wolf II (04.09.2026)
  5. GOV.UK: Lights out for the Landy (20.03.2026)
  6. Army Technology: Industry poised for British Army’s LMV tender this week
  7. ADS Advance: 7 vehicles competing to replace the British Army’s Land Rovers
Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

Alle Beiträge von Anna Schröder →

Verwandte Artikel