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Saabs Konzept für Gap-Füller in der Drohnenabwehr

Saabs Konzept für Gap-Füller in der Drohnenabwehr

8. März 2026 von Dr. Lena Hoffmann

Die rasante Verbreitung günstiger, autonomer Drohnen hat ein Ungleichgewicht in der Luftverteidigung geschaffen. Während Drohnen dank additiver Fertigung, günstiger Sensorik und leistungsfähiger Akkus in Massen produziert werden, sind die bestehenden Flugabwehrsysteme zu teuer, zu komplex und zu langsam, um Sättigungsangriffe effektiv zu begegnen. Eine pragmatische, kostengünstige Zwischenklasse – die „Gap Filler Air Defence“ – soll diese Lücke schließen und die taktische Überlegenheit sichern.

Warum herkömmliche Flugabwehr nicht ausreicht

Der technologische Wandel hat die Bedrohung aus der Luft demokratisiert. Drohnen nutzen additive Fertigung, kompakte MEMS-Kreisel, Beschleunigungsmesser, Thermalkameras und leistungsstarke Akkus, um in großer Stückzahl zu entstehen. Die Produktion ist dezentralisiert, modular und schnell skalierbar. Traditionelle VSHORAD- und CAFAD-Systeme hingegen sind teuer, komplex und benötigen lange Lieferzeiten, wodurch sie bei Sättigungsangriffen versagen.

Technologische Grundlagen der Drohnenbedrohung

  • Günstige Massenproduktion durch additive Fertigung
  • Kostengünstige Sensoren (MEMS-Kreisel, Beschleunigungsmesser)
  • Leistungsfähige Akkus ermöglichen lange Flugzeiten
  • Modulare Bauweise erlaubt schnelle Integration neuer Fähigkeiten

Diese Faktoren führen zu einer stetig wachsenden Zahl agiler Drohnenplattformen, die sowohl militärisch als auch zivil eingesetzt werden können.

Grenzen von bestehenden Systemen

Bestehende Systeme scheitern an ihrer mangelnden Sättigungsresistenz. Der Cut-off-Effekt zeigt sich besonders bei Rohrwaffen und Störsendern (Jammern). Während Jammer früher wirksam waren, verlieren sie gegen glasfaserbasierte Steuerungen und KI-autonome Drohnen ihre Wirkung. Zudem begrenzt die Reichweite kleiner Kaliber die effektive Abwehrdistanz, weil die Mündungsgeschwindigkeit schnell abfällt.

Kaliber und Effektoren für die Mittelentfernung

Die Kaliber 30 mm × 173 mm und 25 mm × 137 mm haben sich als besonders effektiv gegen Drohnen erwiesen, da sie hohe Mündungsgeschwindigkeiten und damit größere Durchschlagskraft bieten. Größere Kaliber wie 40 mm-Granatwerfermunition oder 30 mm × 113 mm weisen hingegen eine niedrigere Mündungsgeschwindigkeit auf, was ihre Wirksamkeit im Kontext der Flab-Hypothese reduziert.

„Jagdkampf im Mostviertel beim Jägerbataillon 12“

Der Einsatz von Annäherungszündern oder zeitverzögerter Munition ermöglicht es, eine ausreichende Dichte von Subprojektilen zu erzeugen, um Kleinstziele zuverlässig zu zerstören und die Abstandssicherheit zu erhöhen.

Saabs Gap-Filler-Lösung für 2-4 km

Saab adressiert die Lücke in der layered Air Defence präzise: Für Entfernungen von 2 bis 4 km reichen Maschinengewehre nicht aus, FPV-Abwehrdrohnen sind zu langsam. Saab entwickelt daher kostengünstige C-UAS Lösungen, die Schwarmangriffe neutralisieren, ohne die Logistik zu überlasten. Das Konzept ergänzt die bestehende Verteidigungsschicht und liefert ein reales Entwicklungsbeispiel für die geforderte neue Kategorie.

„Saab entwickelt kostengünstige C-UAS-Lösungen für Mittelentfernungen (2-4 km), wo Maschinengewehre und FPV-Drohnen unzureichend sind.“

Die Reichweite des RBS 70 NG, einem MSHORAD-System, wird bis 2025 auf 9 km angegeben und zeigt, dass bereits Systeme für größere Distanzen existieren, jedoch keine etablierte Lösung für die Mittelentfernung von 2-4 km vorhanden ist.

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Historischer Kontext des „Gap Filler“-Begriffs

Ursprünglich bezeichnete der Begriff „Gap Filler“ kleine, verteilte Radarsysteme, die tieffliegende Ziele in den Radar-Lücken großer Systeme erkannten. Dieser militärtechnische Kontext lässt sich unmittelbar auf die Drohnenabwehr übertragen: Kompakte Sensoren schließen die Schwächen von Rohrwaffen und Störsendern, ohne die Komplexität hochklassiger VSHORAD-Systeme zu übernehmen.

Vorteile und Risiken der Gap-Filler-Air-Defence

  • Vorteile:
    • Kostengünstig und schnell lieferbar (affordable, available, adequate)
    • Reduziert Lieferzeiten im Vergleich zu komplexen VSHORAD-Systemen
    • Erhöht Sättigungsresistenz auf Plattform- und Systemebene
    • Kompatibel mit bestehenden layered-Defence-Konzepte
  • Risiken:
    • Keine etablierte Lösung für Entfernungen über 4 km
    • Autonome Drohnen können Jammer vollständig umgehen
    • Potenzielle Überoptimismus bei Schwarm- oder Langstreckenangriffen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind Gap Filler in der Air Defence?

Kleine Radarsysteme schließen Lücken in der Überwachung tieffliegender Ziele (Britannica). Saab erweitert den Begriff auf C-UAS für Drohnen in 2-4 km Entfernung (Saab, 2025).

Warum scheitern Jammer gegen moderne Drohnen?

Glasfaserbasierte Steuerungen und KI-Autonomie machen externe Störsignale wirkungslos (Artikelthese, bestätigt durch Saab: Autonome Drohnen umgehen Jamming).

Fazit

Die Einführung einer neuen „Gap Filler Air Defence“-Klasse ist ein notwendiger Schritt, um das wachsende Ungleichgewicht zwischen günstigen Drohnen und teuren, komplexen Luftverteidigungssystemen zu beheben. Durch die Kombination bewährter Kaliber (30 mm × 173 mm, 25 mm × 137 mm) mit kompakten, kostengünstigen Sensoren und den innovativen Konzepten von Saab entsteht eine mittlere Verteidigungsschicht, die Sättigungsangriffe effizient abwehren kann, ohne die Logistik zu belasten. Gleichzeitig muss man die Grenzen dieser Lösung – insbesondere die fehlende Abdeckung über 4 km und die Gefahr, dass autonome Drohnen Jammer umgehen – im Blick behalten. Der Mut zur Lücke, gepaart mit einer klaren „affordable, available, adequate“-Strategie, kann die aktuelle Lücke in der Flugabwehr rasch und kosteneffizient schließen.

Quellen

  • https://www.saab.com/newsroom/stories/2025/june/working-to-fill-the-gaps-in-drone-defence
  • https://www.britannica.com/technology/gap-filler

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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