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Covenant eröffnet europäische Fabrik für Anthem-Marschflugkörper

Covenant eröffnet europäische Fabrik für Anthem-Marschflugkörper

12. September 2026 von Dr. Lena Hoffmann

Das US-Startup Covenant plant den Markteintritt seines kostengünstigen Langstrecken-Marschflugkörpers Anthem nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Dazu wird 2026 ein 110.000 Quadrat-Fuß großes Werk nahe Leipzig errichtet, das ab 2027 europäische Kunden beliefern soll. Die Initiative soll westlichen Streitkräften helfen, kritische Engpässe bei Präzisions-Abstandswaffen zu schließen.

Produktionspläne und Kapazität

Die Leipziger Produktionsstätte umfasst etwa 10.200 Quadratmeter und ist darauf ausgelegt, zwischen 1.000 und 5.000 Flugkörper pro Jahr zu fertigen. Im ersten Jahr (2027) sollen 1.000 Einheiten hergestellt werden, wobei die Stückzahl bis 2028 auf 5.000 jährlich hochgefahren werden soll. Das US-Werk in Dallas misst 105.000 Quadratfuß und dient als Ausgangsbasis für die globale Serienfertigung.

  • 2026: Bau der Fabrik in Sachsen (110.000 sq ft)
  • 2027: Produktionsstart, 1.000 Einheiten
  • 2028: Skalierung auf 5.000 Einheiten/Jahr

Kosten und COTS-Ansatz

Um die angestrebte Massenproduktion zu ermöglichen, verzichtet Anthem weitgehend auf maßgeschneiderte Spezialbauteile und setzt auf standardisierte Commercial-off-the-Shelf-Komponenten (COTS). Covenant gibt an, dass die Stückkosten im mittleren sechsstelligen Dollar-Bereich liegen – etwa 400.000 bis 700.000 USD – und damit deutlich günstiger sind als klassische Systeme wie der Taurus oder ein modernisierter Tomahawk, die 1,5 bis über 2 Millionen USD kosten.

  • Angestrebte Stückkosten: < 1.000.000 USD (mittlerer sechsstelliger Bereich)
  • Komponentenanteil aus Nicht-EU-Quellen: < 5 % (zur ITAR-Unabhängigkeit)

„When you look at our adversaries, you see thousands of hardened targets beyond the range of current capabilities,“ sagt Michael Kaufman, Mitgründer und CEO von Covenant. „Anthem was built to credibly hold those targets at risk in a prolonged conflict. If our stockpiles run thin, so does our deterrence.“

Strategische Bedeutung für Deutschland und die NATO

Das Bundesministerium der Verteidigung hat bereits laufende Sondierungsgespräche über den Einsatz von Anthem bei der Bundeswehr bestätigt. Da die Beschaffung von Tomahawks für europäische Streitkräfte zunehmend fraglich wird und europäische Eigenentwicklungen wie das ELSA-Programm erst im nächsten Jahrzehnt einsatzbereit sein dürften, bietet Anthem eine kurzfristige Lösung für die Fähigkeit „Deep Precision Strike“.

  • Vertragliche Aufträge: 150 Millionen USD (Entwicklung, Qualifikation, Produktion)
  • Finanzierungsvolumen: 250 Millionen USD Risikokapital
  • Geplante Lieferungen: Direkt an NATO-Partner aus Leipzig

Technische Daten von Anthem

Anthem ist ein bodengestützter Langstrecken-Cruise-Missile mit einer Reichweite von 750 Meilen (ca. 1.200 km) und einer Nutzlast von über 200 kg. Der Antrieb besteht aus einem Feststoff-Raketentriebwerk für den Start und einem schweren Flüssigtreibstoff-Strahltriebwerk für den Cruise-Flug. Seit dem Erstflug 2025 wurden über 200 Testflüge durchgeführt, darunter Tests mit der US-Armee im In- und Ausland.

  • Reichweite: 750 Meilen (≈ 1.200 km)
  • Nutzlast: > 200 kg
  • Testflüge: 200 (Stand 2026)
  • Startmotor: Feststoff-Rakete, Cruise-Motor: schwerer Flüssigtreibstoff-Jet
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Risiken und Gegenargumente

Der stark kostensenkende Ansatz birgt potenzielle Schwächen. Durch die Nutzung von COTS-Teilen und Standard-Strahltriebwerken könnten die Tarnkappeneigenschaften und die Widerstandsfähigkeit gegenüber modernen elektronischen Gegenmaßnahmen geringer ausfallen als bei etablierten Hochleistungsflugkörpern. Außerdem stellt die industrielle Skalierung von bis zu 5.000 Einheiten pro Jahr eine logistische Herausforderung dar, die selbst etablierte Rüstungskonzerne wie Raytheon bislang nicht in diesem Umfang bewältigt haben.

  • Reduzierte Stealth- und Agilitäts-Performance durch kostengünstige Komponenten
  • Ungeprüfte industrielle Skalierbarkeit für Hochtechnologie-Produktionen

Schnellüberblick:

Wie grenzt sich Anthem von etablierten Marschflugkörpern wie Taurus oder Tomahawk ab?

Während klassische Marschflugkörper mehrere Millionen US-Dollar kosten und auf hochkomplexe Spezialkomponenten setzen, ist Anthem als volumenbasierte Verbrauchswaffe konzipiert. Ziel sind Stückkosten im mittleren sechsstelligen Bereich bei einer Jahresproduktion von mehreren Tausend Stück.

Welche Rolle spielt Deutschland bei der Fertigung des Flugkörpers?

Covenant plant neben dem Hauptwerk in Texas eine europäische Fertigung bei Leipzig (Sachsen). Von dort aus sollen ab 2027 europäische NATO-Staaten beliefert werden; zudem führt das Bundesministerium der Verteidigung bereits Vorgespräche über Einsatzmöglichkeiten bei der Bundeswehr.

Quellen

  • https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/defense-startup-covenant-unveils-low-cost-cruise-missile-2026-09-09/
  • https://www.twz.com/land/army-now-testing-anthem-long-range-strike-weapon-built-for-mass-production
  • https://www.washingtonpost.com/technology/2026/09/10/covenant-anthem-missile-defense-startup/
  • https://www.defensenews.com/global/europe/2026/09/11/german-military-eyes-cruise-missiles-from-covenant/

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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